„Also wir haben uns in Graz umgeschaut, um Eigentumswohnungen. Aber die Wohnverhältnisse für eine junge Familie, die noch Kinder haben wollte, ist hier einfach einmalig.“ (Interview mit Gabriele Pager, 01.12.2025)
Die Terrassenhaussiedlung in Graz, konzipiert von der Werkgruppe Graz (Eugen Gross, Friedrich Groß-Rannsbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler) sowie Walter Laggner und Peter Trummer, wurde zwischen 1972 und 1978 als visionäres Wohnprojekt realisiert. Bis in die Gegenwart läßt sich das Projekt als eines der signifikantesten Beispiele des sozialen Wohnbaus der Nachkriegszeit in Österreich betrachten. Die Siedlung befindet sich im Grazer Osten und präsentiert sich als eine terrassenförmige Struktur, die sich durch eine Komposition aus Beton, Glas, Eternit und Grün auszeichnet. Diese künstlich geschaffene Topografie verbindet Architektur und Natur auf harmonische Weise. Die Erschließung der Siedlung erfolgt über horizontale und vertikale Wege, die an kleine Gassen und Plätze erinnern. So entsteht ein Gefühl von Nachbarschaft und Gemeinschaft, das an eine kleinteilige Stadtstruktur erinnert.
Trotz der massiven Betonbauweise wirkt das Ensemble lebendig, da sich das Erscheinungsbild durch Vegetation, Verschattung und die individuelle Gestaltung der Bewohner:innen stets verändert. Laut einer Bewohnerin zeigt die Siedlung wie die Integration öffentlicher Veranstaltungen, die Förderung des Dialogs und die bauliche Initiierung von Begegnungen zwischen den Bewohner:innen positiv auf den eigenen Lebensalltag wirken. Ein Beispiel für informelle nachbarschaftliche Begegnungen stellen die Wasserbecken und Sitzmöglichkeiten im Hof der Siedlung dar. Im Zuge der Planung wurde der Bewohnerschaft die Gelegenheit gegeben, gestalterische Anpassungen an ihren Wohnräumen vorzunehmen, womit jede Wohnung individuell gestaltet werden konnte. Insgesamt ist die Terrassenhaussiedlung Graz ein architektonisches Manifest für kollektives, aber selbstbestimmtes Wohnen. Sie zeigt, wie visionäre Planung soziale, ästhetische und ökologische Aspekte vereinen kann und bleibt ein beeindruckendes frühes Beispiel dafür, wie Architektur Lebensqualität im urbanen Kontext neu definieren kann.
„Ich muss sagen meine Bedürfnisse, die ich im Laufe von 50 Jahren gehabt habe sind eigentlich voll befriedigt worden.“ (Interview mit Gabriele Pager, 01.12.2025)
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Steckbrief:
Adresse
St. Peter Hauptstraße 29-35, 8042 Graz
Architekt:innen
Werkgruppe Graz (Eugen Gross, Friedrich Groß-Rannsbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler) + Walter Laggner + Peter Trummer
Bauträger:in
Gemeinnützige Wohnbauvereinigung GesmbH, vertreten durch: Verein der Freunde des Wohnungseigentums, Graz
Planungsbeginn
1965
Erstbezug
1976
Anzahl Wohneinheiten
530
Wohntypologie
Geschosswohnbau
Baumaßnahme
Neubau
Wohnrechtsform
Kollektiveigentum
Gemeinschaftsanlagen
Fußgängerebene, Kommunikationsebene 4.OG, Kopfbauten, Dachterrassen, Tiefgarage, Frei- und Spielflächen
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Bibliograhie:
Jany, Andrea: gelebte Utopie Die Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz, (architektur + analyse Bd. 9), Berlin 2022
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Diese Projektdokumentation erscheint in der Reihe Partizipativer Wohnbau in der Steiermark seit 1965 (Projektleitung: Andrea Jany). Studierende dokumentieren steirische Wohnbauprojekte, in denen Mitbestimmung zum architektonischen Prinzip wurde. Im Zweiwochenrhythmus werden die einzelnen Portraits mit den erarbeiteten Unterlagen der Studierenden vorgestellt. Weitere Portraits lesen Sie >>> hier

