„Du hast fast alles verändern können, aber nach Plan.“ (Interview mit Gerald Stockreiter, 2025)
Der von Eilfried Huth entworfene Wohnbau „Gerlitzgründe“ in Puntigam gilt als wichtiges Projekt der Grazer Schule sowie als frühes Beispiel für partizipatives Wohnen. Die Unterteilung in einen nördlichen und einen südlichen Teil war Teil des Konzepts und Ausdruck des gemeinschaftsgetragenen Ansatzes. Die 1981 erstmals bezogene und für junge Familien geförderte Anlage zielte darauf ab, Wohnen neu und menschenzentriert zu definieren. Rechtlich entwickelte sich das Projekt vom ursprünglichen Gemeindepachtgrund bis hin zum späteren Grundstückserwerb durch die BewohnerInnen, was langfristige Sicherheit schuf. Nach Beendigung der gemeinschaftlichen Arbeit mit Günther Domenig setzte Huth seinen emanzipativen Ansatz der Benutzerbeteiligung fort.
Die Geschichte eines Bewohners, der durch eine Neuvergabe in den Nordteil kam, zeigt die soziale Ausrichtung der Gemeinde. Obwohl er nicht an der Planung beteiligt war, fand er sich rasch in einer Architektur wieder, die individuelle Anpassungen ermöglichte. Huth selbst war nur zur Eröffnung vor Ort, sein Vertreter Irmfried Windbichler betreute die BewohnerInnen und begleitete spätere Änderungen. Ein Beispiel ist die gemeinsam geplante Erweiterung von Terrassen, die ein Bewohner mit den Worten beschreibt: „Ich mache lieber die Terrasse ordentlich groß und habe gleich eine Werkstatt dabei.“ Zugleich betonte er die klare Regel: „Du konntest fast alles verändern, aber nach Plan.“ Auch notwendige barrierefreie Umbauten aufgrund familiärer Erkrankungen zeigen die Flexibilität des Entwurfs. Die bunte Fassadengestaltung, die zur Gründung sehr ornamentreich war, wurde im Laufe der Zeit geschaffen und durfte frei verändert werden. Die Gerlitzgründe funktionieren bis heute über ein seltenes Modell der Selbstverwaltung. Beide Teile organisieren Maßnahmen eigenständig und entscheiden gemeinschaftlich. So stärken sie Verantwortung und Nachbarschaft. Besonders deutlich wird dies beim jährlichen Sommerfest unter dem großen Zelt. Damit bleiben die Gerlitzgründe ein lebendiges Beispiel für organischen, gemeinschaftsorientierten Wohnbau und setzen Huths Idee einer selbstgestalteten Lebenswelt bis heute fort.
Ich mache lieber die Terrasse ordentlich groß und habe gleich eine Werkstatt auch dabei.“ (Interview mit Gerald Stockreiter, 2025)
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Steckbrief:
Adresse
Gerlitzgründe, Am Leopoldsgrund, 8020 Graz Puntigam
Architekt:innen
Eilfried Huth
Bauträger:in
Wohnbaugruppe Ennstal - Neue Heimat, Liezen-Graz
Planungsbeginn
1975
Erstbezug
1981
Anzahl Wohneinheiten
65
Wohntypologie
Reihenhäuser
Baumaßnahme
Neubau
Wohnrechtsform
Eigentum
Gemeinschaftsanlagen
Gemeinschaftsflächen wie Außenanlagen, Grünflächen, Gehwege und Tiefgaragen
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Bibliograhie:
Freisitzer, Kurt: Mitbestimmung im Wohnbau. 1987
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Diese Projektdokumentation erscheint in der Reihe Partizipativer Wohnbau in der Steiermark seit 1965 (Projektleitung: Andrea Jany). Studierende dokumentieren steirische Wohnbauprojekte, in denen Mitbestimmung zum architektonischen Prinzip wurde. Im Zweiwochenrhythmus werden die einzelnen Portraits mit den erarbeiteten Unterlagen der Studierenden vorgestellt. Weitere Portraits lesen Sie >>> hier

