1924 inskribierte zum ersten Mal eine Frau an der Hochbauschule in Graz, 1935 schloss die erste Frau hier ihr Architekturstudium ab. Im Rahmen des Projekts „Grazer Architektinnen“ (akk) konnten seit 2023 mehr als 200 Architekturabsolventinnen bis 1989 recherchiert und dokumentiert werden. Das Projekt unter der Leitung von Antje Senarclens de Grancy, ursprünglich initiiert durch die „Gender Task Force“ der Architekturfakultät, wurde 2025 mit dem Diversity Award der TU Graz ausgezeichnet, nicht zuletzt wegen der Präsenz auf GAT.news. Es ist ein wichtiger Impulsgeber: Studierende machen sich in Lehrveranstaltungen und Masterarbeiten auf die Suche nach den Werken und Lebensgeschichten dieser Architektinnen und suchen ihre Sichtbarkeit, etwa auf Internet-Plattformen, zu erhöhen.
Vermutlich kommen vielen von uns bei der Frage nach Architektinnen im 20. Jahrhundert nur wenige Namen in den Sinn, ja vielleicht gilt das sogar für Architektinnen der Gegenwart. Das hat verschiedene Gründe. Die Tatsache, dass weibliche Architekturschaffende und deren Werk im öffentlichen Bewusstsein unsichtbar oder verschwunden sind, resultiert aus unzähligen kleineren oder größeren Handlungen: des nicht Beachtens, Behinderns, lauter Seins und symbolischen Unterschlagens ihres Wirkens. Und zwar sowohl innerhalb der oft komplexen Lebenssituationen der Architektinnen selbst als auch bezüglich ihrer heutigen Wahrnehmung und Rezeption.
Für die Architekturstudierenden sind die frühen, nun ins Licht gerückten Architektinnen oft auch wichtige Role Models für ihr eigenes berufliches Selbstverständnis, zumal der weibliche Anteil der Architekturinskribierten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich steigt und mittlerweile mehr Frauen als Männer das Studium abschließen. Doch unter den Mitgliedern der Ziviltechniker:innenkammer, auf Diskussionspodien, in Jurybesetzungen, in der Professor:innenverteilung etc. gibt es noch keineswegs Ausgewogenheit bezüglich der Geschlechter. Es besteht immer noch großer Nachholbedarf auf vielen Ebenen.
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Projektleitung TU Graz: Antje Senarclens de Grancy (TU Graz, akk, bis 2024 gemeinsam mit Waltraud Indrist)
Basisrecherche: Clara Neuhold, Bettina Paschke (akk und Archiv der TU Graz)
Texte Teil 2: Anna Eberle, Ivona Jelčić, Barbara Kapsammer, Clara Neuhold, Antje Senarclens de Grancy und Nicola Weber
Texte Teil 1: Ines Gadermaier, Clara Neuhold, Bettina Paschke und Antje Senarclens de Grancy
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Architektinnenportraits
Teil 2 (veröffentlicht 2026)
Ehrentraut Katstaller-Schott
Zwischen den Kontinenten
Traude Windbrechtinger
„Nehmen wir uns selbst nicht so wichtig, aber unbedingt ernst!“
Helga Ehall
Eine Grazerin in Südtirol
Dietlind Erschen
Wohnhäuser und Flaktürme
Edda Gellner
Rationales Entwerfen für ihre Zeit
Teil 1 (veröffentlicht 2025)
Herta Rottleuthner-Frauneder
Expertin für Schwimmbäder
Anne Lise Jenssen Huseby
Graz – New Jersey – Trondheim
Erika Lojen
Architektin der Vielfalt
Trude Krisch
„Der Wohnbau war mein Thema.“
Lorle Herdey
Zeichnen und Bauen
Christl Stigler-Powondra
Die unbekannte Nachkriegsmoderne
Anna Lülja Praun
Perfektion des Interieurs
Shahrzad Kraupp
„Wir haben alles geplant! Dann kam die Revolution.“
Ingrid Mayr
Die angemessene Form
