Architektinnen in/aus Graz

Ins Licht gerückt (2026)

von ,

24/01/2025

Antje Senarclens de Grancy

Architektin, Autorin

Antje Senarclens de Grancy ist Architekturhistorikerin. Sie ist Associate Professorin am Institut für Architekturtehorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz. mehr

1924 inskribierte zum ersten Mal eine Frau an der Hochbauschule in Graz, 1935 schloss die erste Frau hier ihr Architekturstudium ab. Im Rahmen des Projekts „Grazer Architektinnen“ (akk) konnten seit 2023 mehr als 200 Architekturabsolventinnen bis 1989 recherchiert und dokumentiert werden. Das Projekt unter der Leitung von Antje Senarclens de Grancy, ursprünglich initiiert durch die „Gender Task Force“ der Architekturfakultät, wurde 2025 mit dem Diversity Award der TU Graz ausgezeichnet, nicht zuletzt wegen der Präsenz auf GAT.news. Es ist ein wichtiger Impulsgeber: Studierende machen sich in Lehrveranstaltungen und Masterarbeiten auf die Suche nach den Werken und Lebensgeschichten dieser Architektinnen und suchen ihre Sichtbarkeit, etwa auf Internet-Plattformen, zu erhöhen.

Vermutlich kommen vielen von uns bei der Frage nach Architektinnen im 20. Jahrhundert nur wenige Namen in den Sinn, ja vielleicht gilt das sogar für Architektinnen der Gegenwart. Das hat verschiedene Gründe. Die Tatsache, dass weibliche Architekturschaffende und deren Werk im öffentlichen Bewusstsein unsichtbar oder verschwunden sind, resultiert aus unzähligen kleineren oder größeren Handlungen: des nicht Beachtens, Behinderns, lauter Seins und symbolischen Unterschlagens ihres Wirkens. Und zwar sowohl innerhalb der oft komplexen Lebenssituationen der Architektinnen selbst als auch bezüglich ihrer heutigen Wahrnehmung und Rezeption.

Für die Architekturstudierenden sind die frühen, nun ins Licht gerückten Architektinnen oft auch wichtige Role Models für ihr eigenes berufliches Selbstverständnis, zumal der weibliche Anteil der Architekturinskribierten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich steigt und mittlerweile mehr Frauen als Männer das Studium abschließen. Doch unter den Mitgliedern der Ziviltechniker:innenkammer, auf Diskussionspodien, in Jurybesetzungen, in der Professor:innenverteilung etc. gibt es noch keineswegs Ausgewogenheit bezüglich der Geschlechter. Es besteht immer noch großer Nachholbedarf auf vielen Ebenen.

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Projektleitung TU Graz: Antje Senarclens de Grancy (TU Graz, akk, bis 2024 gemeinsam mit Waltraud Indrist)
Basisrecherche: Clara Neuhold, Bettina Paschke (akk und Archiv der TU Graz)

Texte Teil 2: Anna Eberle, Ivona Jelčić, Barbara Kapsammer, Clara Neuhold, Antje Senarclens de Grancy und Nicola Weber

Texte Teil 1: Ines Gadermaier, Clara Neuhold, Bettina Paschke und Antje Senarclens de Grancy 

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Architektinnenportraits
 

Teil 2 (veröffentlicht 2026)

Ehrentraut Katstaller-Schott
Zwischen den Kontinenten

Traude Windbrechtinger
„Nehmen wir uns selbst nicht so wichtig, aber unbedingt ernst!“

Helga Ehall
Eine Grazerin in Südtirol

Dietlind Erschen
Wohnhäuser und Flaktürme

Edda Gellner
Rationales Entwerfen für ihre Zeit

 

Teil 1 (veröffentlicht 2025)

Herta Rottleuthner-Frauneder
Expertin für Schwimmbäder

Anne Lise Jenssen Huseby
Graz – New Jersey – Trondheim

Erika Lojen
Architektin der Vielfalt

Trude Krisch
„Der Wohnbau war mein Thema.“

Lorle Herdey
Zeichnen und Bauen

Christl Stigler-Powondra
Die unbekannte Nachkriegsmoderne

Anna Lülja Praun
Perfektion des Interieurs

Shahrzad Kraupp
„Wir haben alles geplant! Dann kam die Revolution.“

Ingrid Mayr
Die angemessene Form

Der Anteil von Frauen in der Architekturgeschichte ist höher, als oft wahrgenommen. In Österreich hat in den letzten Jahren die Erforschung von Architektinnenbiografien, die aus vielen Gründen bisher ausgeblendet oder ignoriert blieben, Schwung aufgenommen, wie eine ganze Reihe von Forschungsprojekten, Ausstellungen, Symposien und Publikationen zeigt. Dennoch ist es immer noch Tatsache, dass es an zugänglichen Informationen und öffentlicher Aufmerksamkeit fehlt.

In Kooperation mit der TU Graz rückt GAT.news deshalb seit 2025 Werk, Leben und Laufbahnen der frühen Architekturabsolventinnen in und aus Graz ins Licht. Wir präsentieren nun den zweiten Teil der Portraitserie Architektinnen in/aus Graz mit einer Auswahl aus einer Vielfalt an Laufbahnen und Werken. Es sind Entdeckungen und Wiederentdeckungen, die das bestehende Bild des Architekturschaffens korrigieren. 

(Dieses Dossier wurde am 27.1.2025 erstveröffentlicht und am 8.6.2026 aktualisiert und ergänzt)

Weiterführende Links

5 Gebäude Grazer Architektinnen aus dem 20. Jahrhundert, Fotos und Modelle, ©akk TU-Graz
V.l.n.r: Herta Rottleuthner-Frauneder, Schwimmbad Eggenberg, Graz, Modell; Anne-Lise Jenssen Huseby, Berghütte, bei Oppdal (Norwegen); Christl Stigler-Powondra, Espressobar Be Be, Innsbruck; Ingrid und Jörg Mayr, Studentenheim Leechgasse Graz, Farbgestalt

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