Der steirische Raum. Endliche Weiten. Im Laufe der Zeit sind Hütten, später Häuser aus dem Boden gewachsen. Ein rechter Wildwuchs. Wie ja jeder Raum nach Unordnung strebt. Das lässt sich in Wohnungen beobachten und erst recht in der freien Wildbahn. Da muss die ordnende Hand des Menschen eingreifen, sonst wird bald alles überwuchert. Da droht im Kleinen die Vermüllung, im Großen die Zersiedelung. Da stapeln sich die Teller und Gläser, dort werden aus Kleinbetrieben Konzerne, da schimmelt der Käse, geht die Milch über, dort wird das Freiland mit Bauten aufgefüllt.
Ordnung ist das halbe Leben, diese Hälfte wird aber ständig von Unordnung bedroht. Gegen dieses universale Gesetz hilft nur eines: die starke Hand eines Gesetzgebers, der die Natur und ihre geschichtlich gewachsene, tendenziell chaotische Besiedelung in geordnete Bahnen lenkt. Wo Chaos herrscht, soll Raumordnung einkehren.
Hier muss mit großer Entschiedenheit vorgegangen werden. Und wer ist im Treffen von Entscheidungen sicherer als die Politik? Da sich die Volksvertretung, geübt im Verfolgen der Interessen ihrer Klientel, nicht von kleinlichen fachlichen Bedenken in ihrer Entschlussfreudigkeit hemmen lassen muss, kann es zu rigorosen Lösungen kommen. Auf dass der Raum sich nicht ausdehnt, sondern zusammenzieht, die brachliegenden Flächen mit bunten Häuschen, florierenden Betrieben besetzt werden. Statt wilder bergvölkischer Weite soll zweckmäßige städtische Enge Platz greifen.
Und wer garantiert die Umsetzung der landesrätlichen Umsicht vor Ort? Der Bürgermeister. Also muss seine Macht der eines Ortskaisers gleichkommen. In Zukunft wird der Bürgermeister als allererste Instanz Baubewilligungen direkt erteilen können. Damit wird sich der Ordnungssinn wie eine Dampfwalze durch das Bauland bewegen können. Und der steirische Raum endlich erschlossen werden, damit er nicht durch die finsteren Kräfte der Unordnung in einem Wurmloch verschwindet.
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse