Manches krankt an der Vermittlung. Wie vermittle ich mich? Und wenn schon nicht mich in meiner Totalität, dann meine Gedanken, die ja auch aufs Ganze gehen? Bin ich noch vermittelbar? Und welches Medium wähle ich? Und welches Thema? Wenn das Medium GAT die Botschaft ist, dann soll es mir trotz Tinnitus an Glauben nicht fehlen.
Was habe ich unlängst in der „Zeit“ gelesen? „Es gibt kein Geld mehr, und das ist natürlich der beste Grund, möglichst viel davon auszugeben.“ Das ist zwar auf ein geplantes Schloss in Berlin (600 Millionen Euro) und eine Hamburger Philharmonie (500 Millionen) gemünzt, aber es lässt sich auch als Kommentar zu dem ehrgeizigen Grazer Projekt lesen, die früheren Reininghausgründe zu einem „idealen Stadtteil“ zu entwickeln. Für geschätzte 185 Millionen.
Kindergärten, Schulen, ein Park – ein Lebensraum für 12.000 Menschen. Die Entwicklung der Bauprojekte wolle man Profis überlassen. Das ist beruhigend, schließlich könnte man, um die Kosten zu minimieren, auch Pfuscher engagieren.
Während andernorts, etwa in Kapfenberg, Bauten bekannter Architekten wie Ferdinand Schuster stümperhaft bis zur Unkenntlichkeit „renoviert“ werden, wagt man sich in Graz möglicherweise an den Neubau eines ganzen Viertels. Soll man nun frohlocken, soll man angesichts der zweifelhaften Finanzierung Sorgenfalten bekommen? Noch ist nichts entschieden.
„Überall wird die Architektur der Nachkriegszeit entstellt oder zerstört“, schreibt Hanno Rauterberg. „Allerdings galt auch der Barock einst als scheußlich und wurde vielerorts abgeräumt, später fand man Fachwerkhäuser furchtbar hässlich und riss sie weg, schließlich musste der Jugendstilstuck dran glauben und wurde von den Wänden geklopft, weil er das Geschmacksempfinden der Nachkriegszeit störte.“
Wie ließe sich ein Verständnis für Baukultur wecken? Durch entsprechenden Unterricht, etwa im Rahmen der Bildnerischen Erziehung? Wohl kaum. Das würde der Architektur etwa soviel nutzen wie der Deutschunterricht der Literatur. Ästhetisches Empfinden lässt sich noch nicht implantieren. Bleiben dann also die Fachleute mit ihrer Geheimsprache unter sich, die Laien einfach außen vor? Und werden Volksbefragungen nur dann durchgeführt, wenn man ein anspruchsvolles Bauprojekt zu Fall bringen möchte?
Im Schlaf wird es der Bauherr den Seinen nicht geben. Im Traum wurde Rom nicht erbaut.
GÜNTER EICHBERGER, geboren 1959 in Oberzeiring/Stmk., lebt als freier Schriftsteller in Graz. Neben Theaterstücken und Hörspielen veröffentlichte er eine Reihe von Prosabänden; zuletzt erschien "Alias" im Ritter Verlag, Klagenfurt.
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse
