Das ist wirklich schön, dass wir heute so fein unter uns sind. Nur geladene Gäste, alles bekannte Gesichter, kein Plebs. Und vor allem keine Buffetschnorrer. Die können einem mit ihrem Geschlürfe und Geschmatze den ganzen Abend verderben. Einmal im Leben bekommt man so einen schönen Preis, aber die ungebetenen Gäste, die schon während der feierlichen Ansprachen mit den ungeputzten Schuhen scharren, denen schon der Speichel aus dem Maul tropft vor Freude auf den Gratisschmaus, verderben alles.
Und da gibt es doch wirklich Stimmen, sogar aus dem Kolleginnen- und Konkurrentenkreis, die anregen, ja verlangen, aus dieser schönen Feierstunde eine öffentliche Veranstaltung zu machen. Ja, wo kämen wir denn da hin? Zu unschön egalitären Zuständen! Wehret den Anfängen! Sonst sitzen hier bald alle, für die wir nie im Leben bauen werden! Die sollen in ihren Substandardwohnhöhlen sitzen bleiben und uns nicht den Schaumwein wegtrinken!
Der Architekturpreis des Landes ist ein zu wichtiger Anlass, um allen Einlass zu gewähren. Nicht von ungefähr findet er im Weißen Saal der Burg statt, in dem man immer noch eine gewisse höfische Atmosphäre schnuppern kann. Im Weißen Saal, nicht im Bahnhofswartesaal! Machen wir uns nichts vor: Klassenunterschiede wird es immer geben. Ich fahre ja auch im Zug immer nur erster Klasse, ich liege ja auch im Krankenhaus nicht unter zehn Mitpatienten. Das muss man sich schon wert sein, dass man sich heraushebt aus der Masse. Schließlich bekommt ja auch nicht jeder diesen Preis, sondern ich. Und die anderen Auserwählten. Man darf die Demokratie nicht übertreiben. Zahlen darf das Volk, aber feiern müssen die Berufenen. Das ist ungeschriebenes Gesetz. Ja, soll hier vielleicht eine Maurerpartie aufkreuzen? Ein Polier samt Anhang? Oder gar Richard Lugner?
Nein, unter solchen Umständen müsste ich diesen Preis glatt ablehnen! Krethi und Plethi an meiner Festtafel! Allein beim Gedanken verfliegt jeder Gusto, verdunstet der Sekt im Glas! Wie es ist, so ist es recht. Verstehen Sie mich richtig: Ich bin selbst Sozialist. Ich verbringe meinen Urlaub in der Toskana. Ich bin durchaus für den sozialen Wohnbau zu haben, man muss ja leben. Aber es gibt weihevolle Stunden im Leben, da will man ganz en famille sein, unter Gleichgesinnten. Als Gleicher unter Gleichen. Als Primus unter Primanern.
Und darauf will ich jetzt mein Glas erheben. Ich danke dem Land Steiermark und seinen Repräsentanten für diesen Preis, den ich fürwahr verdiene, und kann nur bedauern, dass ich ihn nächstes Jahr nicht wieder bekommen kann.
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse