Graz will also „City of Design“ werden. Die Bewerbung ist in silbrig glänzender Verpackung in Paris eingetroffen. 200.000 Euro sind optimistisch in die Einreichung investiert worden, und es entsteht der Eindruck, der Titel sei Graz so gut wie sicher. Zudem sei er „mehr als ein Titel“, zu erwarten seien starke wirtschaftliche und touristische Impulse, die „das Standing von Graz als attraktive und smarte City weiter stärken“. Die anglophile Wortwahl soll wohl das Flair von Internationalität verbreiten. Alles im Dienste „öffentlicher Awareness“. Very smart, indeed.
„City of Design“ will vieles sein: „Gelebte Haltung und Ausdruck einer urbanen Kultur“. Design solle in allen Lebensbereichen sicht- und spürbar werden, und zwar nicht als „rein ästhetischer Faktor“, sondern als wichtiges Element, das die Umwelt und den Alltag für die Menschen einfacher und lebenswerter macht. Design nicht als „l’art pour l’art“, sondern als praktische Lebenshilfe, Design fürs Sein. Die Antwort auf unsere Probleme: Design. So schön, es muss ganz einfach wahr sein!
Wenn Graz tatsächlich „City of Design“ wird, woran nur Defätisten ernsthaft zweifeln, wird es in dieser Stadt vor lauter Lebensqualität nicht mehr auszuhalten sein. Das kreative Potential wird potenziert und die wirtschaftliche Dynamik spottet jeder Krise. Auf in eine silbrig glänzende Zukunft!
Erinnern Sie sich noch an das „projekt_A“? Graz sollte Architekturhauptstadt werden, zumindest für ein Jahr, angepeilt war 2008. Auch hier gab es ein Konzept, wenn auch nicht in einer Hochglanzbroschüre verpackt. Es wurde auch vergleichsweise mit großen Worten, smarten Anglizismen gespart. Vielleicht nicht die richtige Strategie, um über Parteigrenzen hinweg Politiker für ein Projekt zu begeistern. Nur an den Kosten kann es nicht liegen. Die sind in beiden Fällen erheblich.
Statt harmoniesüchtiger Phrasen gibt es im Architekturhauptstadt-Projekt konkrete Kritik: „Planung, Bauen und Stadtgestaltung passiert in Graz auf fürchterliche Weise. Die Sozialstrukturen sind weitgehend unerforscht. Wie ist die Verteilung der Menschen in Graz? Was sind ihre Bedürfnisse da und dort? Welche Verbesserungen werden gewünscht? Darüber gibt es kaum Sozialdaten (…). Die Raumplanung läuft bei uns nach einem 200 Jahre alten Muster ab!“ Das werden manche, deren persönliche Verbindungen zur Bauwirtschaft bekannt sind, nicht gerne gehört haben.
In welcher Schublade ist das „projekt_A“ gelandet? Im Utopie-Ressort? Oder ist es schon „ganz vom Tisch“?
Anm. d. Red.:
Die Stadt Graz hat sich bei der UNESCO als „City of Design“ beworben. Die offizielle Bewerbung wurde am 28. Juli 2009 der UNESCO übermittelt. Das Magazin „Wir bewerben uns“ steht der Öffentlichkeit zum Nachlesen zur Verfügung. (siehe LINK)
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse