KINDERMUND TUT WAHRHEIT KUND

... zur Neuausschreibung der Stelle eines Abteilungsvorstands für das Stadtplanungsamt in

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11/02/2010

... zur Neuausschreibung der Stelle eines Abteilungsvorstands für das Stadtplanungsamt in Graz.

... zur Neuausschreibung der Stelle eines Abteilungsvorstands für das Stadtplanungsamt in Graz.

„Also, liebe Kinder, wisst ihr, was ein Chef ist?“

Ein Kind meldet sich: „Ein Chef, der schafft an. Chef kommt von Anschaffen. Anschaffen gehen, das tut der Chef.“

Ein anderes Kind meint: „Chef, das kommt von scheffeln. Der mit dem meisten Geld, der ist der Chef.“

„Da habt ihr im Grunde beide recht. Aber vielleicht fällt jemandem noch etwas Genaueres ein…“

„Du bist ein Chef, Frau Lehrerin.“

„Eine Chefin, Wolfgang. Eine Chefin. Aber das hast du richtig erkannt. Und warum bin ich das?“

„Weil du soviel weißt. Du weißt alles.“

„Niemand weiß alles. Aber für meine Arbeit bin ich ausgebildet. Sonst könnte sich ja jede vor euch hinstellen. Eine, die gar nicht schreiben und lesen und rechnen kann.“

„Aber das würden wir Kinder vielleicht gar nicht merken.“

„Ihr Kinder schon, ihr erkennt, ob der Kaiser neue Kleider hat oder nackt ist, aber die Erwachsenen merken oft nicht, ob jemand etwas kann oder nicht, weil niemand alles können und wissen kann. Und später im Leben die Aufgaben immer schwieriger werden. Das ist dann nicht das Einmaleins, das sind Dinge, die sich gar nicht berechnen lassen. Wisst ihr, was ein Bürgermeister ist?“

„Der Bürgermeister, der ist der Chef von der Stadt. Der kann anschaffen, weiß alles besser und scheffelt von früh bis spät. Er macht das Wetter, er baut die Häuser und reißt sie nieder, weil die Stadt ja ihm gehört. Der hat’s gut. Wenn ich groß bin, werd’ ich Meisterbürger.“

„Ja, Siegfried, das ist zwar kindlich ausgedrückt, trifft aber den Kern. Und du hast auch etwas angesprochen, was zu seinen Aufgaben gehört. Die Stadtplanung. Die lässt er zwar andere machen, aber im Hintergrund wacht immer er und spricht das letzte Wort. Und seine besondere Eignung besteht darin, dass er auch in Dinge hineinreden kann, von denen er keine Ahnung hat, aber sie trotzdem durchschaut, weil er den sechsten Sinn hat. Wisst ihr, was der sechste Sinn ist?“

„Das ist ... mit dem werden die Kinder gemacht.“

„Nein, der sechste Sinn ist ein höherer Sinn, mit dem jeder Unsinn gerechtfertigt werden kann.“

„Das verstehen wir nicht.“

„Ich auch nicht. Aber der Bürgermeister schon, weil das Wort Chef kommt ursprünglich von einem lateinischen Wort, nämlich ‚caput’, das bedeutet Kopf.“

„Nein, kaputt heißt hin.“

„Nein, das schreibt man anders. Nämlich so. Und jetzt nehmen wir Papier und Schere zur Hand und schneiden eine Stadt aus…“

Verfasser/in:
Günter Eichberger, Glosse

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