KEIN MINARETTEL IN UNSERM STÄDTEL

„Ich werde einfach wie beim Bauernschnapsen einen Trumpf ausspielen. Und womit punktet ein

von ,

06/01/2010

„Wie es sich wohl auf dem Landeshauptmannsessel sitzt?“, fragt sich der stellvertretende Steirervolkstribun wieder einmal, während er vor seinem Fernsehauftritt massiert wird, damit wenigstens seine Muskeln lockerer werden.

„Die Frau Landeshauptmann in Ruhe hat mir gegenüber ganz im Vertrauen geäußert, dass es ganz kommod war, bis dann diese Sägegeräusche nicht mehr zu überhören waren. Aber das würde ich in Kauf nehmen. Ich sitze ja schon lange genug auf Stühlen, das Sitzen beherrsche ich aus dem Effeff, ich halte mich gerade, fall auch bei Banketten nicht runter, das muss man mir lassen. Ich denke, ich habe die bessere Haltung als dieser Eishockeyflegel, der immer wirkt, als hätte er einen Schläger in der Hand. Ich muss ihn überholen, ohne dass er einen Bodycheck anbringen kann. Soll ich vielleicht eine Spur nach links ziehen? Damit rechnet er sicher nicht, und schon bin ich an ihm vorbei.

Aber ob das die rechte Richtung ist? Da steht doch schon diese Dame mit dem Doppelnamen, der mir nie einfällt. Schließlich schiele ich nicht nach links oder nach rechts, ich schiele überhaupt nicht. Immer geradeaus. Mit offenem Visier. So gewinnt man jedes Bockschauen.“

Jetzt wird der Herausforderer geschneuzt und frisiert, damit er etwas hermacht vor der Kamera. Und anschließend auf Staatsmann geschminkt.

„Ich werde einfach wie beim Bauernschnapsen einen Trumpf ausspielen. Und womit punktet ein christlicher Politiker? Mit seiner Christlichkeit. Da kann der Sportmarxist nicht mit! Ich werde meine kerzengerade Werthaltung in die Schlacht werfen. Ich werde sagen…“ Der stellvertretende Volkstribun überlegt kurz. „Es geht mir darum, in einer Zeit, wo debattiert wird, ob es Minaretten gibt - Moment, ist das richtig: Minaretten wie Zigaretten?“ Er wendet sich an seinen Mitarbeiter. Der rät ihm, lieber Minaretteln zu sagen, das sei volksnäher. „Wir brauchen in Zeiten wie diesen... nein, das klingt nach den anderen... Was wir brauchen sind Werte, Wertgegenstände und mehr Härte. Kein werteloses, sondern ein wertgesichertes europäisches Steirerland. Das Kreuz, das wir tragen, dürfen wir nicht ins Korn werfen.“ Und dann kommt ihm die Erleuchtung: „Wir brauchen keine Samariter, wir brauchen Kreuzritter! Wo wir gehen und wehen, sollen Marterln stehen! Kein Minarettel in unser Städtel!“

Und damit vor die Kamera!

Verfasser/in:
Günter Eichberger, Glosse

Artikelempfehlungen der Redaktion