Die Nachricht vom Tod des Helmut Strobl macht viele betroffen. Ich kannte ihn gut, lernte ihn schätzen in seinen späten Jahren als engagierter Stadtrat. Wir waren Freunde bis zum Schluss.
Dass Graz zur europäische Kulturhauptstadt 2003 gewählt wurde, war wohl sein größter politischer und persönlicher Erfolg. Die Stadt zehrt heute noch davon, von diesem Jahr der Superlativen in Kunst und Architektur. Graz wurde für ein Jahr der kulturelle Mittelpunkt Europas, magischer Ort für einen Kulturtourismus, von dem man bis dahin nicht wusste, dass es ihn gibt.
Was im Vorfeld passierte, war und blieb in Österreich kulturpolitisch ohne Beispiel und ist das Verdienst Helmut Strobls. Verzeihen Sie mir, wenn ich diesen Abschnitt seines Lebens stellvertretend für sein politische Wirken als Kulturstadtrat hernehme und betone. Es zeigt auf, was für einen außerordentlichen Einfluß ein atypisches und im Grunde doch selbstverständliches politisches Verhalten nehmen kann. Es ist Helmut Strobl gelungen, ein Jahr lang den bestimmenden Einfluss der Politik auf Kunst und Architektur, auf das kulturelle Geschehen der Stadt auszuschließen und seine Absichten mit Blick auf 2003 zu vollziehen.
Wolfgang Lorenz als Intendant, Vito Acconci als Aktionist und Architekt der Murinsel, und vor allem Helmut Strobl ließen sich medial nicht korrumpieren. Sie hielten an ihren Vorstellungen fest und schafften, was bis dahin in Graz nicht gelungen war: Kunst, Architektur, ohne Politik und ohne Einfluss der Medien, abseits von Umfragen unter einer manipulierbaren Stadtbevölkerung, die das was sie anfangs ablehnte, am Ende des Kulturhauptstadtjahres lobte und pries.
Zudem war die Situation in der Gesellschaft der Architekten vergleichbar mit dem was heute passiert und zunehmend in Kritik gerät. Überforderte oder gelangweilte Jurymitglieder entschieden damals wie heute
Wettbewerbe, in denen die durchschnittlich besten, also mittelmäßige Projekte Wettbewerbe gewinnen.
Darauf aufmerksam gemacht, reagierte Helmut Strobl. Es ging um den Wettbewerb für das Kunsthaus in Graz, Gradmesser für das kulturelle Bewusstsein der Stadt. Ein Projekt, das in zwei vorhergegangenen Wettbewerben nicht entschieden wurde.
Helmut Strobl erkannte die Gelegenheit Großartiges zu initiieren. Als politische Instanz verzichteten er und seine Beamten auf eine Teilnahme an der Jury. Stattdessen saß mit Harald Szeemann der damals weltweit anerkannteste Ausstellungsmacher in der Jury, mit ihm Kaspar König und Dieter Bogner. Odile Decq, Dietmar Feichtinger, Klaus Gartler, Kjetil Thorsen und ich als Vorsitzender vertraten die Architekten, Bernd Schilcher und Wolfgang Lorenz die Kunst und die Regie, und Gerfried Sperl die Medien.
Das Projekt von Colin Fournier und Peter Cook gewann den Wettbewerb. Auch wenn das gebaute Kunsthausprojekt nur äußerlich dem Wettbewerbsprojekt entspricht, ist es neben dem Uhrturm zum neuen Wahrzeichen der Stadt geworden.
Helmut Strobl war am Tag, an dem der Wettbewerb entschieden wurde, neben den Siegern der vermeintlich glücklichste Mensch in dieser Stadt. Helmut Strobl hat 2003 bewiesen, dass Politik zur gestaltenden kulturellen Kraft innerhalb einer Gesellschaft werden kann. Für mich sein größter Beitrag und ein überzeugendes Beispiel, dass Kunst tatsächlich ist. Danke dafür.
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