Werbung und Wirtschaftsnähe: Darf das sein?

Die ASVK, die im Zuge von Baubewilligungen Gutachten über Gebäude innerhalb der Schutzzone

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22/05/2012

Architektin, Stadtplanerin, Architekturkritikerin und -journalistin, Architekturforscherin, Architekturvermittlerin mit pädagogischer Ausbildung und freie Kuratorin, Ortsbildsachverständige Land Steiermark seit 2019 … mehr

„Das, was den Altbau ausmacht, ist die Patina. Die Patina ist das, was der Altbau schon alles erlebt hat, eine Sache, die Geschichte geschrieben hat. Als Architekt muss man sich damit beschäftigen, man muss sozusagen diese Geschichten und die Schichten an dem Objekt wieder abkratzen, um auf das zu kommen, was man selber dazugeben möchte: die eigenen Positionen. (…) Ich halte es für völlig falsch, wenn man versuchen würde, all das, was die Geschichte geschrieben hat, oder das, was die Geschichte gebaut hat, oder das, was in der Geschichte passiert ist, auslöscht. Ich halte davon überhaupt gar nichts. (…)“

So Michael Szyszkowitz (Architekt, Universitätsprofessor, seit 2011 Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark und seit 1989 stellvertretender Vorsitzender der Altstadt-Sachverständigen-Kommission Graz) in einer Videobotschaft, die diametral entgegengesetzt zum im „G7“ der Kleinen Zeitung (20.05.2012, "Steirer sind leider keine urbanen Menschen") aktuell kolportieren Kurswechsel der Altstadt-Sachverständigen-Kommission (ASVK) steht: Schleifung von historischen Vorstadthäusern und dafür Neubauten, massive Verdichtung der Gründerzeit- und Villenviertel sowie Erhöhung der Dichte in der Innenstadt, u. a. auf dem Andreas-Hofer-Platz und Nikolaiplatz. Die ASVK-Spitze, Wolfdieter Dreibholz und Michael Szyszkowitz, stellten sich damit klar auf die Seite von Investoren und verlieren das eigentliche Ziel des Grazer Altstadterhaltungsgesetzes (2008) außer Augen, in dem es heißt: „Die Ziele dieses Gesetzes sind die Erhaltung der Altstadt von Graz in ihrem Erscheinungsbild, ihrer Baustruktur und Bausubstanz sowie die Aktivierung ihrer vielfältigen urbanen Funktion. Diesen Zielen kommt ein vorrangiges öffentliches Interesse zu. Dieses Gesetz soll überdies einen Beitrag zur Erhaltung der Altstadt von Graz als UNESCO-Weltkulturerbe leisten.“

Die ASVK, die im Zuge von Baubewilligungen Gutachten über Gebäude innerhalb der Schutzzone erstellt, sollte daher nicht im Vorfeld Investoren ihre Zustimmung zum Abbruch von Bauwerken in Aussicht stellen. Ein Abbruchbescheid darf vielmehr erst dann erteilt werden, „wenn die technische Unmöglichkeit der Behebung der Baugebrechen erwiesen oder die wirtschaftliche Unzumutbarkeit trotz Einbeziehung von zugesagten Förderungen gegeben ist“. Zudem kann die ASVK bei der Baubehörde Anzeige erstatten, wenn Bauwerkseigentümer ihren Verpflichtungen zur Erhaltung nicht nachkommen. Außerdem ist es nicht Aufgabe der ASVK, Urbanität über Dichteerhöhungen zu forcieren. Soziales urbanes Leben lässt sich ohnedies nicht über Verdichtung erzeugen und erzwingen.

Die ASVK täte also gut daran, wenn sie sich im Sinne einer Bewusstseinsbildung und einer qualitätsvollen Planung in den Schutzzonen auf ihre Aufgaben und Pflichten besinnt und dementsprechend agiert.

Dem Ruf der ASVK ist es außerdem nicht zuträglich, wenn sich der eingangs zitierte, stellvertretende Vorsitzende Michael Szyszkowitz der Immovate Projektentwicklungs GmbH für Werbezwecke auf deren Homepage zur Verfügung stellt. Er tut dies mit einem Videointerview: Dabei geht er zwar nicht direkt auf sein (Arbeits-)Verhältnis zum Projektentwickler ein, stellt sich diesem allerdings zur Emotions- und Atmosphärenvermittlung zur Verfügung. Zudem sind auf der betreffenden Homepage einige Projekte Szyszkowitzs wie die Tourismusschule Bad Gleichenberg und die Sparkassenhöfe am Andreas-Hofer-Platz abgebildet, die nicht direkt mit Immovate in Verbindung stehen. Der Projektentwickler versucht damit offensichtlich, Sachkompetenz mit Erlebniskompetenz zu vereinen, welche die Homepage mit Lifestyle-Motiven generiert, und vermittelt mit dieser Imagewerbung eine eindeutige Werbebotschaft. Szyszkowitz, der laut Homepage in den vergangenen Jahren drei Projekte mit Immovate umgesetzt hat – Wohnbau Morellenfeldgasse 42 und 44 sowie zuletzt gemeinsam mit dem Architekten Andreas Harich den „Kleinen Elefanten“ in der Albrechtgasse 4 – bewegt sich jedenfalls damit im Bereich einer Interessenskollision.

Als Mitglied der ASVK, in die er vom Land Steiermark bestellt wurde, unterliegt Szyszkowitz dem Verwaltungsverfahrensgesetz (AVG 1991) und gelobte damit, sein Amt gewissenhaft und unparteiisch auszuüben. Auch wenn er mit diesem Werbevideo rechtlich vielleicht nicht als befangen gilt, schadet es dem seriösen Ansehen der ASVK und seiner Integrität als aktives Mitglied dieser Institution. Werbeauftritte für Bauherrn, Projektentwickler und Investoren, die u. a. auch in der Grazer Schutzzone bauen, sind in dieser öffentlichen Position ein absolutes No-Go. Was auf alle Fälle entsteht, ist eine schiefe Optik.

Weiterführende Links

kickenweitz_asvk_szyszkowitz_screen.gif
Screenshot (zum Video gelangen Sie über den Link am Ende dieser Seite)

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