PLUS / MINUS – Klimaschutz im Bauen

MINUS: 90% Versiegelung beim Wohnbau in der Puchstraße 6 in Graz-Gries

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10/10/2019

Architektin DI Elisabeth Kabelis-Lechner führt ein Architekturbüro in Graz. mehr

Vor der Verbauung war das Grundstück in der Puchstraße 6 in Graz-Gries nur cirka zur Hälfte versiegelt, es gab Bäume und Grünflächen. Siehe altes Luftbild. Nun nach Fertigstellung der Wohnanlage ist das Grundstück zu cairka 90% versiegelt. Das Erdgeschoß ist eine offene Garage, die verbleibende Freifläche ein oberirdischer Parkplatz, teilweise mit Betongittersteinen bepflastert, damit nicht eine 100%ige Versiegelung eintritt! Es gibt keine einzige Grünfläche und keinen Baum. Eigentlich hätten für die zwei gerodeten Bäume eine Ersatzpflanzung erfolgen müssen. Warum gab es hier eine Ausnahme? Weil das Projekt so toll ist, weil es in Graz-Gries sowieso schon einen eklatanten Mangel an Grün gibt und dort mit Sicherheit ein städtische Hitzeinsel ist, und dann eh schon alles egal ist?
Im aktuellen Flächenwidmungsplan 4.0 ist hier eine Maximaldichte von 0,8 zugelassen. Diese wurde hier mit Sicherheit überschritten. Das Grundstück hat weniger als 600 m2 und ist mehr als zur Hlfte bebaut. Bei 2 Obergeschoßen und einem offensichtlich vorgesehenen Geschäftslokal im Erdgeschoß wird die Dichte bei weitem überschritten. Es darf auch bezweifelt werden, ob die Garagenfassade aus sehr dichtem Streckmetall nicht als über 50% verschlossen gilt und die Garage damit auch zur Dichte zählt. Dieser rechnerische Dichtreschmäh, der zu echten Dichteverzerrungen führt, wie z.B. auch bei Laubengängen, sollte endlich abgeschafft werden.

Warum, weshalb und wieso ist ein derartiger Versiegelungswahnsinn heute noch möglich? Warum dürfen noch immer Dichten massiv überschritten werden? Wenn unser Bürgermeister den Klimaschutz wirklich erst nimmt, muss er beim aktuellen Baugeschehen genauer hinsehen.

Noch ein Schmankerl aus Immobilieninseraten, wo Makler diese Wohnanlage wie ein modernes Wunderwerk anpreisen.
„Klare Linien, offene Raumgestaltung und die Nutzung des natürlichen Lichts lassen eine wunderbare Lebenswelt entstehen. Ein klar gegliederter Baukörper, der Einsatz hochwertiger Materialien, vorausschauende Technik und die Güte der Fertigung machen die Wohnungen zu einer lohnenden Investition in Ihre Zukunft. Setzen Sie auf ökologisches und wirtschaftliches Bauen, das auf Wohnwert und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.“

Für wie blöde werden heutzutage eigentlich die Käufer gehalten? Hier wurde lediglich wirtschaftliches Bauen für den Investor umgesetzt. Von ökologischem Bauen mit hochwertigen Materialien kann wohl nicht die Rede sein.

PLUS / MINUS –

Klimaschutz im Bauen

MINUS: 90% Versiegelung beim Wohnbau in der Puchstraße 6 in Graz-Gries

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In der Kommentar-Reihe

PLUS / MINUS werden kurz und bündig positive wie negative Gestaltungen und Details aufgezeigt, die das Auge erfreuen oder beleidigen.

Sollten Sie, werte Leserin und werter Leser, auch bemerkenswerte Entdeckungen im öffentlichen Raum machen, so laden wir Sie ein, diese abzulichten und im jpg-Format mit einem kurzen Text und Ihrem Namen per eMail an redaktion@gat.st zu senden.

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Puchstraße 6. Das Erdgeschoß ist eine offene Garage, ... © Elisabeth Kabelis-Lechner
bild_1_puchstrasse_6.jpg
... die verbleibende Freifläche ein oberirdischer Parkplatz, ... © Elisabeth Kabelis-Lechner
bild_3_puchstrasse_6.jpg
... teilweise mit Betongittersteinen bepflastert, damit nicht eine 100%ige Versiegelung eintritt. © Elisabeth Kabelis-Lechner
bild_4_altes_luftbild_mit_baumen.jpg
altes Luftbild mit Bäumen. Foto: google.com
bild_5_neues_luftbild_mit_neubau.jpg
aktuelles Luftbild. Foto: siehe Link google.com

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