MINUS – Stadtbalkon an der Mur

Der neue "Stadtbalkon" – ein Beispiel von Kulturlosigkeit im "Graz Kulturjahr 2020"

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25/11/2020

Architektin DI Elisabeth Kabelis-Lechner führt ein Architekturbüro in Graz. mehr

Als ich Anfang November über die Radetzkybrücke ging, sah ich zum ersten Mal den sogenannten Stadtbalkon. Ich war echt schockiert über das Bild, das sich mir bot. Ein von Zyklopenmauern flankiertes grobes Betonbauwerk, ein brutales Metallgeländer, viele freie Elektroverteilerkästen (es war natürlich nicht möglich, diese diskret in das Bauwerk zu integrieren) und eine geschmacklose, primitive „Balkonmöblierung“ ergeben ein optisches Desaster, für die sich Graz ordentlich schämen kann. Die WC-Anlage ist noch nicht fertiggestellt, betrachtet man jedoch das Rendering, wird das Ergebnis nach Fertigstellung auch nicht viel besser werden. Hier führt die Murpromenade durch und SpaziergängerInnen müssen an diesem neuen Unort vorbeigehen und zwangsweise den Leuten beim Chillen auf primitiven Palettenmöbeln und beim Spielen diverser Spiele (z.B. Dart, wo Pfeile offensichtlich über die Promenade geworfen werden) zusehen.
Die Holding Graz, die für dieses Wasserbauwerk zuständig ist, schreibt auf ihrer Homepage: „Die Mur noch besser erlebbar zu machen, sie zurück in die Stadt zu holen - das ist das Ziel aller Maßnahmen, die im Projekt 'Lebensraum Mur' zusammengefasst sind. Es ist eine Vielzahl an einzelnen Maßnahmen, die nun umgesetzt werden oder schon teilweise umgesetzt wurden. Dazu zählen u. a.: Der Stadtbalkon" 

Es stellen sich folgende Fragen:
1.) War die Mur einmal weg, weil man sie in die Stadt zurückholen muss?  und
2.) Wieso soll durch diesen grässlichen Stadtbalkon die Mur besser erlebbar werden?
In der von der Stadt herausgegebenen Broschüre Agenda 22 Lebensraum Mur ist zum Stadtbalkon das zu lesen: „Um den zentralen Speicherkanal zu betreiben, müssen acht Wartungs- und Entlüftungsbauten errichtet werden – einer davon südlich der Radetzkybrücke. Das technische Bauwerk wird in die Ufergestaltung miteinbezogen und zum 'Stadtbalkon' ausgebaut. Mögliche Nutzungen durch Gastronomie, Stand-up-Paddelverleih, Eis Kiosk bzw. WC innerhalb der Hangnische sind vorgesehen“
Die Kleine Zeitung titelte am 15.09.2020: „ein Balkon an der Mur: Neue Chillout-Lounge lockt mit Sport Spiel und Erfrischung.“ Und schreibt weiter: „Wohnzimmeratmosphäre, die aufs Wasser blickt: Seit dieser Woche hat der Grazer Stadtbalkon eröffnet -– zwei Wassersportler bitten dort zu Spiel, Sport und Entspannung.“ 
Auf der Homepage der Pächter ist zu lesen, dass man neben Wassersport und Spielen auch eine Bühne für Konzerte plant. Darüber  werden sich die BewohnerInnen am Ufer gegenüber sicherlich sehr freuen.
Es stellt sich die Frage: Warum wurde die Gestaltung dieses Stadtbalkons, der immerhin mit 180.000 Euro budgetiert wurde, nicht auch in Form eines Architekten- oder Designwettbewerbes abgewickelt bzw. als Teilaufgabe des Wettbewerbs Bootshaus mit ausgeschrieben werden? Wie konnte dieses das Stadtbild und Murufer verschandelnde Bauwerk eine Bewilligung durch die ASVK erhalten – oder war diese gar nicht eingebunden?

MINUS – Stadtbalkon an der Mur

Der neue Stadtbalkon – ein Beispiel von Kulturlosigkeit im Graz Kulturjahr 2020

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Weiterführende Links

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Blick von der Radetzkybrücke auf den neuen "Stadtbalkon", Anfang November 2020 © Elisabeth Kabelis-Lechner
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STADTBALKON. Screenshot aus der Publikation LEBENSRAUM MUR, April 2019 © Elisabeth Kabelis-Lechner
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STADTBALKON. Screenshot aus der Publikation LEBENSRAUM MUR, April 2019 © Stadt Graz

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