MINUS – in Graz-Reininghaus

Außenanlagen im Quartier 7

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03/03/2021

Architektin DI Elisabeth Kabelis-Lechner führt ein Architekturbüro in Graz. mehr

Das Quartier 7 ist das erste fertiggestellte und bereits bezogene Quartier im neuen Stadtteil Graz-Reininghaus. balloon Architekten haben den Architekturwettbewerb gewonnen – unter anderem auch wegen der Qualität der Freiräume. Im Rahmenplan für Reininghaus wurde auf die Errichtung von Quartierparks und Quartierplätzen gesetzt. Diese waren auch für das gegenständliche Grundstück der Wohnbaugruppe ENNSTAL ein Aufschließungserfordernis.

Im nachgefolgten Qualitätssicherungsinstrument Bebauungsplan wurde explizit darauf verwiesen (siehe Zitat unten), dass die Qualität der Freiräume ein wesentliches Kriterium für die Juryentscheidung war.  

Zitat aus dem 15.07.0 Bebauungsplan „WETZELSDORFER STRASSE – REININGHAUS QUARTIER 7“, Erläuterungsbericht Seite 29, Punkt 6. Inhalt des Bebauungsplanes: FREI- und GRÜNRAUMGESTALTUNG (siehe dazu § 9 der VO):
"Nicht bebaute Flächen sind in Abstimmung mit der Gestaltung der angrenzenden Freiflächen als nutzbare Räume – vorzugsweise in Zusammenarbeit mit einer/m FreiraumplanerIn – zu gestalten. In diesem Fall hat dies eine besondere Bedeutung, da die Gestaltung der Freiräume im Wettbewerbsverfahren ein wesentliches Kriterium der bemerkenswerten Qualität dargestellt hat und diese Inhalte nicht in der Detailliertheit in der Verordnung Platz finden können. (….) Die Vorlage des Außenanlagenplanes im Bauverfahren (§41 Abs.2 Zif.8 StROG 2010 detaillierte Festlegungen der Grün- und Freiflächen) sichert die Nachvollziehbarkeit der Inhalte der Freiflächengestaltung um die im Wettbewerbsverfahren erreichte Freiflächenqualität bestmöglich zu sichern."

Der Bebauungsplan enthält leider keine Festlegungen für Müllsammelstellen. Im Wettbewerbsprojekt hat das Architekturbüro balloon diese als geschlossene Räume im Erdgeschoß der Wohnhäuser vorgesehen. In der Realisierungsphase entschieden sich balloon Archiekten und die Wohnbaugruppe ENNSTAL gemeinsam für zwei offene große Sammelplätze. Ein Grund u.a. war, dass integrierte Müllräume zur Bebauungsdichte zählen! Welch ein Qualitätsverlust! Offene Müllsammelstellen entlang einer Hauptstraße sind nicht nur hässlich sondern sind willkommene Orte für illegale Sperrmüllablagerung und beliebte Futterstellen für Krähen.

Laut Architekt Andreas Gratl von balloon, wurden die Außenanlagen von einem sehr engagierten Landschaftsplaner geplant und auch wie geplant ausgeschrieben. Schlussendlich fiel die Gestaltung des Stadtplatzes jedoch der „Kostenfrage“ zum Opfer. Dies bestätigt auch der Bauträger. „Es werden während des Bauprozesses laufend die Kosten festgestellt und die Außenanlagen kommen halt zum Schluss, da reicht meist das Budget nicht mehr. Man muss den Kostenrahmen des geförderten Wohnbaus einhalten und Holzbau ist auch um 8-10 % teurer als herkömmlicher Wohnbau“.

Stellt sich die Frage, wozu all die Mühe seitens Stadtbaudirektion und beauftragter PlanerInnen? Qualitätsvoll gestaltete Stadtplätze sind offensichtlich nicht im Rahmen der Wohnbauförderung finanzierbar. Qualitätssichernde Instrumente wie Rahmenplan, Architekturwettbewerb, Bebauungsplan, städtebauliche Verträge der Stadt mit dem Bauträger und der geforderte Außenanlagenplan im baubehördlichen Verfahren haben in diesem Fall nicht zum gewünschten Ziel geführt. Diesem Problem sollte man sich ehrlich stellen und nach Alternativen suchen.

Man kann nur hoffen, dass in Graz-Reininghaus nicht auch noch weitere Außenanlagenentwürfe dem Sparstift der Investoren zum Opfer fallen.

MINUS – in Graz-Reininghaus

Außenanlagen im Quartier 7

Ein Müllsammelplatz als "Visitenkarte" zur Wetzelsdorfer Straße und ein ungestalteter Stadtplatz schaden dem ambitionierten Architekturprojekt. Ursprünglich geplante Qualitäten wie integrierte Müllräume und ein sorgfältig gestalteter Quartiersplatz wurden Opfer der Herstellungskosten.

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Kommentar von 

Elisabeth Kabelis-Lechner 

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Weiterführende Links

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Graz-Reininghaus, Quartier 7, Müllplatz an der Wetzelsdorferstraße © Elisabeth Kabelis-Lechner
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Wohnungen mit Blick auf die Müllcontainer © Elisabeth Kabelis-Lechner
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Stadtplatz © Elisabeth Kabelis-Lechner
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Stadtplatz © Elisabeth Kabelis-Lechner

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