Vor kurzem hat die Kleine Zeitung über das jüngst fertiggestellte Projekt G14 der Immola-Gruppe geschrieben und getitelt: „Raumschiff ist gelandet: Gries rüstet architektonisch auf“. Als Gries-Bewohnerin neige ich eher zur Meinung, diese „Aufrüstung“ hätte dem 5. Grazer Bezirk Gries ruhig erspart bleiben können.
Man kann nur hoffen, dass an dem (angeblich öffentlich begehbaren) Platz noch wesentlich gefeilt wird, denn derzeit stellt er eine lieblose unattraktive Fläche dar, auf der das „Raumschiff“ gelandet ist. Leider mussten dafür mehrere 200 Jahre alte Linden und anderes wertvolles Grün weichen.
Woran aber nicht mehr gefeilt werden kann, ist der extrem schmale öffentliche Gehsteig. Dieser wurde genauso realisiert wie der Gehsteig vor dem Neubau und ist durch ein Klinkerband von der privaten Hoffläche getrennt. Das Klinkerband soll wohl an die ehemalige Mauer, die die ehemalige Dominikanerkaserne umgeben hat, erinnern. Es hat viele Einwendungen gegen dieses Projekt gegeben, und es wurde ein Baustopp verhängt. Was am Projekt verändert wurde. ist mir nicht bekannt. Vielleicht wurde die Geschoßanzahl reduziert, denn auf älteren Renderings des aufgeständerten Baus ist zu erkennen, dass zuerst sechs Geschoße geplant waren und später auf vier Geschoße zugunsten eines größeren Luftraumes reduziert wurde.
Warum die Stadt im Bauverfahren jedoch nicht auf eine dringend erforderliche Gehsteigverbreiterung hingearbeitet hat, ist gänzlich unverständlich. Noch dazu, wo im aktuellen FLÄWI in diesem Bereich eine um 2,5 m breitere öffentliche Verkehrsfläche eingetragen ist. Warum wurde dies im Bauverfahren ignoriert? Viele Fragen tun sich da auf.
Bereits beim gegenüberliegenden Wohnbau Grenadiergasse 7-9 wurde auf eine Abtretung zugunsten eines normal breiten Gehsteigs verzichtet, obwohl es in diesem Bereich einen rechtsgültigen Bebauungsplan 05.04.0 gegeben hat. Der Gehsteig wurde so schmal (teilweise nur 1m breit) und springend wie der davor bestehende ausgeführt. Bebauungspläne dienen dazu, eine gedeihliche Siedlungsentwicklung sicherstellen. Dazu gehören der urbanen Lage und der Kerngebietswidmung entsprechend breite Gehsteige.
Wie kann es sein, dass bei Neubauten die Mindestbreite von 1,50 m für Gehsteige nicht eingehalten werden muss?
„Jetzt ist wieder was passiert“ würde der Brenner in einem Wolf Haas Krimi sagen. Passiert ist, dass ein außenliegender Müllraum zum „Leuchtturmprojekt“ und „Raumschiff“ dazu geklebt wurde. Unglaublich! Schon beim Umbau der Dominikanerkaserne in ein Studentenheim hat man auf einen integrierten Müllraum verzichtet und die Mülleimer offen zur Straße aufgestellt.
Sehr peinlich wird es, wenn man über die hoch gesteckten Ziele und Maßstäbe des Immola-Masterminds Markus Lampesberger im JUST-Magazin vom 8. März 2018 liest und diese mit der gebauten Realität vergleicht. Bei diesem „Leuchtturm-Projekt“ scheint er seine Prinzipien und Maßstäbe nicht angewandt zu haben. Ein Leuchtturmprojekt im aufstrebenden Gries ohne integrierten Müllraum!! und ein Gehsteig, der laut Definition von DI Thomas Fischer, Leiter des Straßenamtes nur ein erhöhter Sicherheitsstreifen ist, da er keine 1,50 Mindestbreite für einen Gehsteig aufweist, zeugen nicht von „umfassenden Management von Raum- und Lebensressourcen und hohem städtebaulichen Anspruch“. Viel Vergnügen beim Lesen des nachstehenden Originaltextes aus dem JUST-Magazin:
Individuelle Urbanität
"Moderne Immobilienentwicklung endet nicht mit Fertigstellung und Übergabe von Projekten, vielmehr reicht sie über den bloßen Errichtungshorizont weit hinaus. In wachsenden und sich kontinuierlich verdichtenden urbanen Ballungsräumen versteht sich zeitgemäße Projektträgerschaft als umfassendes Management von Raum- und Lebensressourcen.“ Wenn Markus Lampesberger, Gründer und Mastermind der Grazer IMMOLA-Gruppe von moderner urbaner Immobilien- und Projektentwicklung spricht, legt er hohe Maßstäbe an. Immobilienwertschöpfung erschöpfe sich eben nicht in gewinnmaximierender Verwertung verfügbarer Flächen, sondern übernehme Verantwortung für eine nachhaltige Verschränkung privater Lebensentwürfe und öffentlicher Räume. Erst intelligente, innovative und ambitionierte Architektur sei in der Lage, diese Verbindung überzeugend zu definieren. Dementsprechend legen Lampesberger und sein Team Projekte auch an. Einzigartige Architektur, urbanes Lebensgefühl, hoher städtebaulicher Anspruch, außergewöhnliches Design – nur einige der Assoziationen, die sich bei IMMOLA-Projekten aufdrängen. Davon zeugen zahlreiche Leuchttürme nachhaltiger Stadtentwicklung. Bereits vor dem Verkaufsstart für Aufsehen sorgte das auf Stelzen stehende Wohnungs- und Studentenheimprojekt „G14“ bei der ehemaligen Dominikanerkaserne im Bezirk Gries, das in Kooperation mit der WIGA Investment- und Beteiligungs GmbH umgesetzt wird." (s. Link > just-magazin.com)
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