Die Rösselmühle bald Geschichte?

Erst Stopp, dann Wohnbau

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24/11/2023

Architektin DI Elisabeth Kabelis-Lechner führt ein Architekturbüro in Graz. mehr

Die RöMü GmbH hat die Abbrucharbeiten auf dem Industrieareal der Rösselmühle im Grazer Stadtzentrum vorerst gestoppt. So berichtet die Kleine Zeitung. Der Grund seien gröbere Schäden am nördlichen Teil des Doppelsilos und deshalb einzuholende statische Gutachten. Was bedeutet dieser Stopp für die Rösselmühle?

Laut Auskunft der Abbruchfirma wurde die nördliche Wand des Doppelsilos durch die Hitze beim Brand der Roggenmühle im April 2023 in Mitleidenschaft gezogen, es bestehe aber keine Einsturzgefahr.

Die Bewilligung des jetzt gestoppten Abbruchs war an behördliche Auflagen geknüpft. Auflage 6 lautet: „Zum Schutz der nicht abzubrechenden Gebäudeteile sind Maßnahmen im Bezug auf Baugebrechen zu treffen (z. B. Bauwerksabdichtung)“

Diese Auflage wurden bis dato nicht erfüllt und so nimmt die Mühle weiter Schaden. Seit Anfang Juli fehlt das Dach des Doppelsilos, was der Bausubstanz schadet und die Standfestigkeit gefährden könnte. Die von der Behörde mit dem Bescheid vom 13.7.2023 vorgeschriebenen Bestands-schützenden Maßnahmen müssen endlich umgesetzt werden. Das bedeutet neben der Dacheindeckung auch Stützmaßnahmen für das Silo. 

Folgt dem Stopp des Abbruchs der Abbruch der Silotürme?

Weiteres Hinauszögern des geforderten Bestandschutzes und statische Gutachten, die möglicherweise die Standfestigkeit anzweifeln, könnten den Freibrief für den Abbruch der Türme bedeuten. Das wäre der sichere Tod des Industriedenkmals Rösselmühle. Die Silos, die lange als höchstes Industriegebäude in Graz galten und zum Zeitpunkt ihres Errichtens eine kleine Sensation waren, sind eine wichtige, identitätsstiftende Landmark in Graz. Immerhin ist die Rösselmühle die älteste Mühle der Stadt und eine der ältesten Mühlen Österreichs.

Wenn die Türme fallen, werden bald die restlichen Gebäude fallen. Damit wäre der Weg frei für das von der RÖMÜ GmbH angestrebte Neubau-Wohnprojekt.

Wenn der einstimmige Beschluss des Grazer Gemeinderats zur klimaorientierten Stadtentwicklung mehr als ein leeres Versprechen sein soll, dann muss meines Erachtens im Falle der Rösselmühle ernsthaft an einer Weiterentwicklung des Bestandes gearbeitet werden. Das Komitee Rösselmühle setzt sich seit fast zwei Jahren genau dafür ein.
 

Nach Brand im April 2023 und Abbruchbescheid im Juli 2023 folgte jetzt der Stopp der Abbrucharbeiten auf dem Grazer Rösselmühlareal. Architektin Elisabeth Kabelis-Lechner kommentiert und fragt, warum Auflagen des Bescheids bis dato nicht umgesetzt wurden.

Blick auf hohes Doppelsilo der abgebrannten, teilabgerissenen Rösselmühle, Graz 2023
© Elisabeth Kabelis-Lechner

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