Behind the Wall 3

Die baulichen Ränder entlang der Waltendorfer Hauptstraße stellen keine Augenweide dar.

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22/07/2008

Architektin DI Elisabeth Kabelis-Lechner führt ein Architekturbüro in Graz. mehr

Am Blumenhang in Graz, an dem die Waltendorfer Hauptstraße vorbeiführt, wurde, verborgen hinter einer Lärmschutzwand, eine Wohnanlage mit angegliedertem Handels- und Dien

Die baulichen Ränder entlang der Waltendorfer Hauptstraße stellen keine Augenweide dar. Vielmehr herrscht hier schon lange ein unschöner Mix aus Restbeständen alter Bauernstrukturen und Landgasthäuser, Villen, protzigen und bescheideneren Einfamilienhäuser und einigen, wenigen Wohnanlagen aus den 1960er und 1970er Jahren.

In den letzten Jahren hat sich dieses Bild aus architektonischer Sicht zunehmend verschlechtert. Die Ursachen sind fehlende Rahmenplanung und das planlos erscheinende stückchenweise Auffüllen von Baulücken. Es scheinen dort die Mottos zu gelten „Jeder für sich“, „my home is my castle“, oder „Nur die Höchstdichte zählt“, damit sich die Grundstücksverwertung für den Investor auch rentiert. Weil viele vom ruhigen Wohnen im Grünen träumen und sich so manche diesen Traum auch leisten können, schießen Wohnanlagen und Eigenheime aus dem Boden, die nötige Infrastrukturplanung fehlt aber. So bedarf es dann pro Familie mindestens zweier Autos für Einkauf, Beruf, Schule, Freizeit. Die Folge: Im Grünen ist es ganz und gar nicht so ruhig wie erträumt.

Patio Waltendorf- „exklusives Wohnen am Ruckerlberg“

Mit diesem Slogan wirbt ein Investor für eine neue Wohnanlage mit angegliedertem Handels- und Dienstleistungszentrum, die am Blumenhang, direkt an der Waltendorfer Hauptstraße, stadtauswärts nach der s. g. Butterflysiedlung des Architektenteams Kapfhammer Wegan, errichtet wurde. Sie liegt auf einer großen Wiese, die einst einen wunderbaren Blick von der Waltendorfer Hauptstraße über das Grazer Hügelland bis zum Schöckel eröffnete. Kapfhammer Wegan reagierten in angemessener Weise auf diese Situation. Sie staffelten ihre Siedlung mit 179 Wohnungen ähnlich einer Stadtmauer quer zur Straße, der Lärmquelle abgewandt, dem Hangverlauf folgend. Zusätzlich zitiert die Farbwahl mit naturnahen Farbtönen angrenzende Wiesenraine aus Stauden und Bäumen - eine Gestaltung, die eine Synthese mit der Landschaft einzugehen versucht. Kapfhammer Wegan definierten damit einen architektonischen Rand für das dichter bebaute Stadtgebiet. Friedrich Achleitner kritisiert zwar im österreichischen Architekturführer die hohe Dichte, indem er meint, dass die Architektur entsprechend dem Geist der 1960er Jahre mehr mime, als durch die isolierte Lage tatsächlich stattfinden könne, aber diese Kritik trifft heute auf fast alle im Grazer Speckgürtel liegenden Siedlungen zu.

Die neue Wohnanlage zeigt leider die allgemein übliche Praxis der ausfransenden Ränder. Zuerst trifft der Blick auf eine in Grellgrün gehaltene Dienstleistungs-„Schachtel“ (Apotheke, Nah &Frisch Markt Sauer, Cafe) mit angrenzender Parkplatzwüste, dann auf eine Wohnsiedlung, die sich hinter einer rund drei Meter hohen Schallschutzmauer verbirgt und den Blick auf das Freiland versperrt. Ohne Lärmschutz geht es hier nicht mehr. Die Waltendorfer Hauptstraße wurde zum Lärmsanierungsgebiet erklärt. Denn, seit sich viele ihren Wohntraum im Grünern erfüllt haben – die Wohnbebauungen ziehen sich bandwurmartig bis ins Hönigtal - ist es sehr laut geworden. Will man solche Lagen, die immer noch als exklusiv gelten, an „Wohntraumsuchende“ verkaufen, sind Kunstgriffe nötig, um den Lärm wegzaubern. Der Investor der Wohnanlage "Patio Waltendorf" verschweigt in den Prospekten die Lärmschutzmauer und lockt den Käufer mit Begriffen wie „Patio“ und „exklusiv“.

Tatsächlich stellt „Patio Waltendorf“ einen exklusiven (=ausschließenden) Wohn(alp)traum hinter Mauern dar. Den versprochenen Ausblick können nur wenige genießen. Manche Bewohner müssen mit einem Blick auf die Lärmschutzwand leben. Dafür lächelt Mr. Nah & Frisch übergroß in so manche Wohnung. Im noch leer stehenden Teil für ein Cafe ist der Mieter abgesprungen. Von den Sträuchern und Bäumen an der Straße, die erhalten hätten werden sollen, ist auch nichts mehr zu sehen. Dennoch verheißt das Verkaufsplakat an der Mauer ein kleines Paradies, das mit dem Gebauten nichts zu tun hat.

Was die Realisierung nicht vermuten lässt, ist, dass es auch hier ein Bebauungsplanverfahren gab. Die Stadtplanung verweist auf das räumliche Leitbild, Straßenrandbebauung am Stadtrand an historischen Einfallstraßen. Diverse Gutachten (u. a. Lärmgutachten) und ein Konzept für die Wohnbebauung von Purpur Architektur wurden als Vorleistung des Bauwerbers erbracht. Das architektonische Konzept wurde mit geringfügigen Änderungen in den Bebauungsplan übernommen. Ziel eines Bebauungsplanes wäre „für das Planungsgebiet eine geordnete bauliche, verkehrstechnische und infrastrukturelle Entwicklung sicher zu stellen“. Dass es im Fall der Anlage „Patio Waltendorf“ nicht erreicht wurde, zeigen die nebenstehenden Fotos. Man fragt sich unweigerlich, wozu ein Bebauungsplan und ein räumliches Leitbild gut sind, wenn sich die Realisierung schlussendlich hinter einer Mauer verschanzt.

Die baulichen Ränder entlang der Waltendorfer Hauptstraße stellen keine Augenweide dar.

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Gelungenes Beispiel für einen architektonischen Rand für das dichter bebaute Stadtgebiet von Graz: Wohnbebauung Butterfly, Am Blumenhang, Auftraggeber: Baugenossenschaft ÖWG, 1974-79. Planung: Kapfhammer Wegan, Graz
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Gelungenes Beispiel für einen architektonischen Rand für das dichter bebaute Stadtgebiet von Graz: Wohnbebauung Butterfly, Am Blumenhang, Auftraggeber: Baugenossenschaft ÖWG, 1974-79. Planung: Kapfhammer Wegan, Graz
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Butterflysiedlung von Kapfhammer Wegan
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Luftbild der Gesamtanlage mit dem vielversprechenden Namen "Patio Waltendorf" am Blumenhang in Graz
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Das der neuen Wohnanlage vorgelagerte Handels- und Dienstleistungszentrum ohne Strauchwerk zur Straße hin. Dahinter die Butterflysiedlung, die zeigt, wie es geht: eine Hecke zur stark befahrenen Waltendorfer Hauptstraße schützt vor Schall und Straßenstaub
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Die verkehrsbelastete Waltendorfer Straße in Graz gilt als Lärmsanierungsgebiet. Um die Straßengrundstücke zu möglichst hohen Preisen verkaufen zu können, sind, wie im Fall der Wohnanlage "Patio Waltendorf" Lärmschutzmaßnahmen nötig. Die übliche Lösung da
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der nicht wirklich attraktive Blick von der Wohnanlage auf die Lärmschutzwand
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Auf dem Werbeplakat für die Wohnanlage "Patio Waltendorf" verschweigt der Verkäufer deren Lärmschutzwand - die jedoch als Werbtafelträger dient - und manch anderes Detail.
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Wohnanlage "Patio Waltendorf" vor der Fertigstellung im Juni 2008
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Minipatio einer Wohnung der Anlage mit Blick zur Lärmschutzwand
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Minipatio einer Wohnung der Anlage mit Blick zur Lärmschutzwand

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