Unter dem Titel Start Up: Wie komme ich zu Aufträgen? lud das HDA in Kooperation mit der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Steiermark und Kärnten zu einer Veranstaltung für angehende junge Büros, um über Chancen und Strategien am Beginn der Laufbahn zu diskutieren. Die Gäste, nicht nur ArchitektInnen, sondern auch Immobilienentwickler, Bauingenieure und öffentliche Auftraggeber, diskutierten unter der Leitung von Petra Kickenweitz Erfahrungen als und mit jungen aufstrebenden Büros.
Während sich am Podium der Begriff des Vertrauens als zentral herauskristallisierte – offen blieb, wie dieses Vertrauen mit anfangs noch wenigen Projekten erreicht werden kann, wurde (wieder einmal) diesmal aus dem Publikum, die Forderung nach dem offenen Wettbewerb gestellt. Aber ist das wirklich der einzige und beste Weg um sich als junges Büro zu etablieren?
Bei Architekturwettbewerben spielt ab einer gewissen Teilnehmerzahl auch das Glück eine entscheidende Rolle. Bei vielen Projekten werden immer auch viele gute darunter sein und die Aufgabe der Jury das beste auszuwählen, wird zwangsläufig schwieriger und aufwändiger. Bei riesigen Wettbewerben, rechnete der holländische Architekt Tom Frantzen bei den Piran Days of Architecture vor zwei Jahren vor, stünden Aufwand und Chancen in keinem Verhältnis mehr und glichen dem Ausfüllen eines Lottoscheins. Er und sein Büro zogen daraus Konsequenzen und sie setzen seither vermehrt auf eigene Projektentwicklungen mit durchaus beachtlichen Ergebnissen.
Das ist nur ein Beispiel, dass ein Büro in einem sich verändernden Arbeitsumfeld auch anders gedacht werden kann und nicht dem scheinbar vorgegebenen Weg – pragmatisch als Dienstleister oder kreativ als Künstler – folgen muss. Dieser Herangehensweise fordert sicherlich mehr unternehmerisches Risiko und Wissen als das bei einem klassischen Architekturbüro der Fall ist. Aber einer der faszinierendsten Aspekte der Ausbildung, die Vielfälltig- und Vielseitigkeit, scheint, so zeigte die Veranstaltung, mit der Gründung eines jungen Büros abhanden zu kommen.
Wäre es nicht eine unglaubliche Chance das kreative Potenzial nicht nur in das Erfinden eines Bauwerks, sondern auch in das Erfinden des eigenen Büros einfließen zu lassen? Könnten junge Köpfe nicht auch junge Strategien entwickeln – abseits vom ausgetrampelten und anscheinend überfüllten Pfaden? Zu einem erfolgreichen Unternehmen, und als solches sollte sich ein Büro verstehen, gehört mehr als ein gutes Produkt. Dieses ist bestenfalls die Basis, aber keinesfalls das Unternehmen.
Der offene Wettbewerb im Speziellen, der Wettbewerb im Allgemeinen ist ein Weg – ein althergebrachter und sicherlich gangbarer, aber nicht der einzige. Vielleicht liegt die größere Chance nicht in der Forderung nach mehr offenem Wettbewerb, sondern im Neudenken von Strukturen und im Entwickeln von Strategien – durchaus eine Kernkompetenz von ArchitektInnen.
TeilnehmerInnen
Armin Haghirian, Architekt, EDERER+HAGHIRIAN Architekten
Oswald Held, PLUTO- Immobilienentwicklung
Manuela Hötzl, Architekturpublizistin
Wolfgang Köck, Architekt, PENTAPLAN
Thomas Lorenz, Bauingenieur, Lorenz ZT
Michael Pansinger, Leitung Planung, KAGes Stmk.
Anna Popelka, Architektin, PPAG architects
Rainer Plösch, GBG Gebäude- und Baumanagement Graz
Moderation: Petra Kickenweitz, Architektin

