Im September 2010 erfolgte der Abbruch der Rampe des von Architekt Günther Domenig geplanten Erweiterungsbaus der TU Graz in der Lessingstraße 25 - ohne Einwilligung des
Im September 2010 erfolgte der Abbruch der Rampe des von Architekt Günther Domenig geplanten Erweiterungsbaus der TU Graz in der Lessingstraße 25 - ohne Einwilligung des Eigentümers, ohne Abbruchbescheid und ohne Berücksichtigung des Urheberrechts, das bei der Architekten Domenig& Wallner ZT GmbH liegt.
„Aber was passiert mit der Hütte, nachdem ich nicht mehr da bin?“, diese Frage stellte sich Günther Domenig in Bezug auf sein Lebenswerk, das Steinhaus (1986–2008), dessen Erhalt mittlerweile durch die 2001 gegründete „Steinhaus Günther Domenig Privatstiftung“ und durch eine eigene Betreibergesellschaft sichergestellt ist. (*) Domenigs Architektur wurde durch die Fertigstellung des Steinhauses mittels Fördergeldern von Bund und Land Kärnten Respekt und Anerkennung entgegengebracht.
Aber was passiert mit anderen architektonisch wertvollen Werken? Braucht es notwendigerweise eine historische Distanz, um Achtung vor baukulturellen Leistungen zu haben und erhaltenswerte Gebäude zu schützen?
Im Falle von Günther Domenig, so würde man meinen, wohl kaum. Domenig hat sich als Architekt und Künstler bereits zu Lebzeiten mit seinem kompromisslosen baukünstlerischen Werk Respekt verschafft. Mit seiner anfänglich expressiven, experimentellen und später dekonstruktivistischen Haltung formte der wohl exzentrischste Vertreter der Grazer Schule baukulturelle Unikate mit unverwechselbarer Handschrift. „Ich baue, damit die Denkmalpflege auch später etwas zu tun hat“, ist eine von Domenigs markanten Aussagen. (**)
Nichtsdestotrotz wurde nun eines von Domenigs Bauwerken verunstaltet: Im September erfolgte der Abbruch der Rampe des Erweiterungsbaus der Technischen Universität Graz (errichtet 1989–1993) in der Lessingstraße 25. Die Rampe stellte ein wesentliches Element der Gesamtanlage dar. Sie deutete einerseits auf den Kern der Alten Technik und führte andererseits als Bestandteil eines Keils, einer dominanten Erschließungsachse, zum Eingang und mündete in Folge in das Zentrum des Domenig-Baus. Der „Zahn-Zubau“, der mit seinen Überlagerungen und Überschneidungen den gleichen Architekturansatz wie das Steinhaus verfolgt, nimmt im Schaffen Domenigs, als Professor am Institut für Gebäudelehre der TU Graz (1980-1999), eine Sonderstellung ein, da der Bau auch unter dem Aspekt der Errichtung seiner eigenen Wirkungsstätte zu sehen ist.
Dass die Rampe, die nie rollstuhlgerecht konzipiert war, in den Wintermonaten wegen Rutschgefahr gesperrt war, stellte von Anbeginn für den Eigentümer, die Bundesimmobiliengesellschaft, ein scheinbar unlösbares Phänomen dar. Dass sie in ihrer Wirkung kaum zur Geltung kam und als markante Durchtrennung der Parkanlage wahrgenommen wurde, lag nicht ausschließlich am historischen Baumbestand, sondern auch an der Positionierung einer Fahrradüberdachung.
Angesichts der bevorstehenden 200-Jahr-Feier des Bestehens der TU Graz im Jahr 2011 sah nun der Mieter, die TU Graz, Handlungsbedarf und entfernte die Rampe. Der gesamte Bereich soll nun neu gestaltet werden, um einen aufenthaltstauglichen Campus zu generieren. Das vorliegende Konzept stammt von der Firma Zenz, die auch mit der Ausführung beauftragt wurde. Die Fertigstellung ist mit Jahresende 2011 geplant.
„Die Parkgestaltung für die Studenten wird autofrei, erhält einen Trinkbrunnen und WLAN wird zur Verfügung gestellt. Die Rampe wird in ihrer Position nachgebildet, aber nicht mehr in der Luft, sondern am Boden, als Spur bleibt die Richtung erhalten. Sie wird zu einer langen Sitzbank mit Sitzplateaus und damit zu einer neuen Aufenthaltsfläche im Freien“, führt Gerhard Kelz aus, der als Leiter der Organisationseinheit Gebäude & Technik der TU Graz für die Maßnahme verantwortlich ist.
Dass diese Spur erhalten bleibt und „dieses Element als Sitzboden zum Gebäude hin wiederkommt“, dafür engagierte sich auch der heutige Leiter des Instituts für Gebäudelehre und Studiendekan der Architekturfakultät der TU Graz, Arch. DI Hans Gangoly. Er wurde als Berater zur Neuplanung beigezogen. Als Paten des Konzepts bezeichnet Gerhard Kelz die Rolle des Studiendekans: „Wir haben zusammen das Konzept entwickelt. Es gab allerdings keinen Planungsauftrag.“ Gangoly findet es schade, dass das Architekturpotenzial im Haus nicht genutzt wurde, aber „ich habe einen pragmatischen Zugang, es gibt Dinge, die haben einen gewissen Wert. Aber wenn sich durch die Wegnahme der Rampe etwas positives Neues entwickeln kann, zum Beispiel in Richtung Campus, dann muss man einen anderen Blickwinkel einnehmen und das Gesamtthema betrachten und nicht nur die Rampe alleine sehen.“
Als eigenartig bezeichnet hingegen Architekt Gerhard Wallner, der als Projektleiter bei der Errichtung des Domenig-Baus beteiligt war und nun das Büro Architekten Domenig & Wallner ZT GmbH führt, die Situation, „... dass uns keiner gefragt hat, dass die Rampe einfach entfernt wurde. Es besteht schon aus urheberrechtlichen Gründen die Notwendigkeit, zu fragen und eine neue Gestaltung braucht zumindest auch eine öffentliche Diskussion.“
Die Betreiber haben es außerdem verabsäumt, die Einwilligung des Eigentümers, der BIG, für den Abbruch einzuholen. Daher liegt kein Abbruchbescheid vor, um den sich die BIG hätte kümmern müssen. Der Akt ist auch nie zur Beurteilung bei der Altstadt-Sachverständigenkommission eingelangt, die eine fachgerechte Behandlung der Causa vornehmen hätte können. Zudem steht die Parkanlage unter Naturschutz, womit für jede gestalterische Maßnahme die Zustimmung der zuständigen Behörde nötig wäre.
Schlamperei des Betreibers oder Kalkül? Wie dem auch sei, diese Vorgehensweise sollte Konsequenzen haben und letztendlich zu einer, dem Bauwerk gebührenden Baumaßnahme führen.
(*) „Die Architektur und ich“, Interview mit Gerhard Steixner und Maria Welzig, Architektur & Bauforum, Nr. 210, Jänner/Februar 2001.
(**) „Architektur ist Plastik plus Klo“, Gerfried Sperl, Der Standard, 16.08.2003, Internet: http://www.nextroom.at/article.php?id=3528
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