Schau doch! 46

Die Arkaden der Stadt Graz

Schlussrunde Innnenstadt

von ,

16/09/2024

Dipl. Dolm. Peter Laukhardt war von 2000 bis 2004 als Sachverständiger in der Grazer Altstadtsachverständigenkommission tätig, Mitverfasser des Masterplans Schloßberg (2001), Mitglied des Fachbeirats Schloßberg, seit … mehr

Die achte Arkaden-Route endete im Palais Trauttmansdorf in der Bürgergasse. Jetzt gehen wir schräg über die Straße und bewegen uns weiter im Ostteil der Innenstadt weiter; schließlich holen wir noch einige erst später erkannte Stationen nach.

90) Bürgergasse 14: Hotel am Dom

Das Eckhaus zur Bindergasse wurde 1792/95 unter Einschluss älterer Bausubstanz mit frühklassizistischer Fassade und einer Portalanlage im Hausrücksprung in Angleichung an das angrenzende Palais Inzaghi (Bischofplatz 1) errichtet. Im überdachten Innenhof zwei Säulen und ein Portal mit zwei Pfeilern, Renaissance oder rezent (Bild 2).

91) Glockenspielplatz 4: Glockenspielhaus

Das bei allen Stadtführungen gezeigte Grazer Glockenspiel wurde von Friedrich Sigmundt und Georg Hönel 1903/1905 in einem Dachreiter in Eisenkonstruktion realisiert. Bauherr war der Spirituosenhersteller Gottfried Maurer, der ein fast identisches Gebäude – allerdings ohne Glockenspiel – auch in der St.-Peter-Hauptstraße 1 errichtete! Das zweigeschossiges Gebäude wurde mit einer späthistoristischen, altdeutschen Fassade versehen. Im Inneren ist der Baukern noch mittelalterlich, aber großteils erneuert. Im zweiten Innenhof des Hinterhauses ist ein schöner Renaissance-Arkadengang im Obergeschoß des 16./17. Jh. erhalten (Bild 3), im Erdgeschoß noch Reste davon.

92) Glockenspielplatz 5: ehem. Palais des Enffans d’Avernas

Das viergeschossige, barocke Palais mit polygonalem Eckerker und zwei Portalen aus der Renaissance wurde unter den Grafen von Herberstein Ende des 17. Jh. unter Einschluss von mindestens vier Altbauten des 16. Jh. erbaut. Ab 1840 im Besitz der belgischen Grafenfamilie Des Enffens d’Avernas. Im Innenhof befindet sich eine in Graz einzigartige barocke Freitreppe mit dreigeschossigen Arkaden (Bild 4).

93) Glockenspielplatz 6: Renaissancezeitliches Wohn- und Geschäftshaus

Viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, in der 2. Hälfte des 16. Jh. errichtet; 1674 im Besitz von Maximilian Galler auf dem Waßen. Bemerkenswert sind der Fassadenüberhang am Platz und die schönen Renaissance-Arkadengänge an der Nordwest- und Nordostseite des Hofes, die sich vom Erdgeschoß bis in das zweite Obergeschoß erstrecken. (Bild 5).

94) Glockenspielplatz 7: Ehem. Palais Galler

Elisabeth Freifrau von Galler hat um 1640 unter Einbeziehung eines spätgotischen Vorgängerbaues diese dreigeschossige Spätrenaissance-Vierflügelanlage errichtet. Straßenseitig ist der spätgotische Überhang noch erhalten, darüber wurde Ende des 18. Jh. eine josephinisch-klassizistische Plattenstilfassade gestaltet. Der Innenhof bezaubert an der Nordwest- und Südwestseite mit Arkadengängen im Erd- und den zwei Obergeschossen aus der Mitte des 17. Jh. In der nordwestlichen Hofecke sind bei der letzten Restaurierung an einem Teil der Brüstungsmauer auch noch Sgraffiti der Renaissance aufgedeckt worden (Bild 6).

95) Färbergasse 13: Ferdinandeum, südlicher Hof

Anfang des 17. Jh. ließ Erzherzog Ferdinand aus drei Häusern ein großflächiges, viergeschossiges Gebäude zusammenbauen, das mittellose weltliche Studenten für das Jesuitencollegium aufnahm (Bursa). Im 18. Jh. wurde es noch vergrößert, nach Auflösung des Jesuitenordens 1775 für eine K.k. Haupt- und Normalschule umgebaut. Beide Innenhöfe wurden an den Schmal- und den südwestlichen Hofseiten des Erdgeschosses mit Pfeilerarkaden ausgestattet, im südlicheren Hof sind sie noch weitgehend offen (Bild 7). Vor kurzem wurde aus dem Stiegenhaus im 2. OG ein Durchgang in den wunderbaren Priesterhausgarten geöffnet, der so als Pausenraum der Schule genutzt werden kann.

96) Färbergasse 11: Ferdinandeum, nördlicher Hof

Hier sind die ebenerdigen Pfeilerarkaden durchwegs durch Glasportale geschlossen (Bild 8).

97) Prokopigasse 2: Ehem. Salzburger Getreidekasten

Im Keller des Lokals unter dem Niveau der Pomeranzengasse sind mehrere augenscheinlich aus der Renaissance stammende Säulen erhalten, die eine Art Arkade bilden (Bild 9).

98) Franziskanerplatz 14: zweiter Klosterhof

Bei unserer zweiten Route wurde der gotische Kreuzgang beschrieben, aber auf den anschließenden – mir sehr wohl schon bekannten – Arkadenhof vergessen, weil zur Zeit von Eduard Andorfers Baualterplan (1969) und Wiltraud Reschs Kunsttopographie (1997) die vermauerten Säulen noch nicht freigelegt waren. Sie sind erst bei den Restaurierungsarbeiten nach 2000 zum Vorschein gekommen. Eine steinerne Tafel über einer Säule rechts unterhalb der Sonnenuhr zeigt das Baujahr 1454, was sich aber nicht auf den ehemaligen Arkadengang beziehen kann, der eindeutig den Stil der Renaissance verrät (Bild 10).

99) Am Eisernen Tor 2: Foyer mit Arkaden

Das Foyer dieses schönen fünfgeschossigen, palaisartigen Wohn- und Geschäftshauses mit neobarocker Fassade – 1861 von Baumeister Carl Follius errichtet – zeigt arkadenartig angeordnete Marmorsäulen (Bild 11).

100) Schlossberg 5: Arkaden in den Kasematten (nicht auf dem Plan Bild 1) 

Die oft fälschlich als ehemalige Gefängniszellen angesehenen Bögen der beiden Kellergeschosse des aus der Renaissance stammenden Kommandantenhauses der Festung (Bild 12) hatten bis 1809 auch in der Mitte der großen Halle ein das Gewölbe tragendes Gegenstück.

 

 

Hier ist jetzt unsere Arkaden-Tour durch die Innenstadt vollendet. Aus der früheren Annahme, die Grazer Altstadt habe mehr als 50 Arkadenhöfe, sind jetzt – mit gewissen Einschränkungen – ganze 100 geworden. Es ist mir keine andere Stadt bekannt, die das auch von sich sagen kann.  Dass sie so gut erhalten sind bzw. restauriert wurden, kann uns stolz machen. Graz hat sich den Titel „Weltkulturerbe“ auch dafür redlich verdient.

Ob wir in der nächsten Folge auch noch die Arkaden außerhalb der Innenstadt behandeln sollen, überlasse ich der Meinung meiner Leser.

Die kunsthistorischen Angaben stützen sich zum großen Teil wieder auf die Kunsttopographie Graz von Wiltraud Resch (Wien 1997). Weitere Informationen zu den genannten und anderen Altbauten der Stadt Graz finden sich in www.grazerbe.at.

Die Grazer Arkadenhöfe sind berühmt. Peter Laukhardt spürt einzelnen in ihrer Geschichte und Bedeutung nach. In Teil 9 lädt er zu einem Spaziergang rund um Glockenspielplatz, Färberplatz, Franziskanerkloster und Eisernes Tor.

Die Kolumne Schau doch! von Peter Laukhardt zu unersetzlichen, schützenswerten Bauten im Grazer Stadtraum erscheint regelmäßig am 3. Dienstag im Monat auf GAT.

Weiterführende Links

Bild 1 Arkadenroute 9
Bild 1: Arkadenroute 9, Grazer Stadtplan © Peter Laukhardt
Bild 2 Bürgergasse 14, Arkadenhof
Bild 2: Bürgergasse 14, Arkadenhof © Peter Laukhardt
Bild 3 Glockenspielplatz 4, Arkade
Bild 3: Glockenspielplatz 4, Arkade © Peter Laukhardt
Bild 4 Glockenspielplatz 5, Arkade
Bild 4: Glockenspielplatz 5, Arkade © Peter Laukhardt
Bild 5 Glockenspielplatz 6, Arkade
Bild 5: Glockenspielplatz 6, Arkade © Peter Laukhardt
Bild 6: Glockenspielplatz 7, Arkaden und Sgraffiti
Bild 6: Glockenspielplatz 7, Arkade und Sgraffiti © Peter Laukhardt
Bild 7 Färbergasse 13, Pfeilerarkaden
Bild 7: Färbergasse 13, Pfeilerarkaden © Peter Laukhardt
Bild 8 Färbergasse 11, Pfeilerarkaden
Bild 8: Färbergasse 11, Pfeilerarkaden © Peter Laukhardt
Bild 9 Prokopigasse 2, Säulenkeller
Bild 9: Prokopigasse 2, Säulenkeller © Peter Laukhardt
Bild 10 Franziskanerplatz 14, zweiter Hof
Bild 10: Franziskanerplatz 14, zweiter Hof © Peter Laukhardt
Bild 11 Am Eisernen Tor 3, Arkade
Bild 11: Am Eisernen Tor 3, Arkade © Peter Laukhardt
Bild 12 Freilichtbühne mit Pfeilerarkaden
Bild 12: Freilichtbühne mit Pfeilerarkaden © Peter Laukhardt

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