Schau Doch! 21

„Gerettet“ Welches ist das 100. Haus?

Die SOKO Altstadt feiert das 100. erfolgreich gerettete Haus

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19/07/2022

Dipl. Dolm. Peter Laukhardt war von 2000 bis 2004 als Sachverständiger in der Grazer Altstadtsachverständigenkommission tätig, Mitverfasser des Masterplans Schloßberg (2001), Mitglied des Fachbeirats Schloßberg, seit … mehr

Die SOKO Altstadt registriert seit 2010 das Schicksal erhaltenswerter Grazer Bauten und dokumentiert das auf der Homepage www.grazerbe.at. Die traurige Nachricht: bis heute sind bereits 223 Objekte dieser Kategorie abgerissen worden. Die andere, erfreulichere Seite: Demnächst werden wir das 100. Haus feiern, das gerettet werden konnte.

Unter „gerettet“ darf man natürlich nicht nur jene Bauten sehen, die auf nachdrückliches Betreiben unserer oder anderer Initiativen vor der Spitzhacke bewahrt werden konnten. Auch durch Eigeninitiative ihrer Besitzer fachgerecht restaurierte, aber natürlich auch die durch Bescheide des Bundesdenkmalamts unter Schutz gestellten Gebäude werden so klassifiziert.

Wir haben nun drei Bauwerke ausgewählt, die zusätzlich als „gerettet“ gelten können. Eines davon wird das 100. sein. Die Leserschaft dieser Kolumne wird nun um ihre Meinung gebeten, welches die ehrenvolle Nummer 100 erhalten soll.

Neubaugasse 47 (Neubau)

Die Fassade der ehemaligen Werkshalle der Eisengießerei Juhász wurde in Backstein nachgebaut. Das Schicksal der für die Industrie-Geschichte von Graz bedeutenden Anlage ist in grazerbe.at ausführlich beschrieben [Link auf der Seite: Neubaugasse 47 (Graz) – Baugeschichte (grazerbe.at)].

2018 wurde der Entwurf für eine umfassende Neubebauung des Areals zwischen Wiener Straße und Neubaugasse vorgelegt. Der Vorschlag der Architektin Danijela Gojić, die östliche Backstein-Fassade der Werkshalle mit ihren acht hohen Bogenfenstern (Bild 1) zu erhalten, stieß auf große Zustimmung auch von unserer Seite. Als im Zuge des Abbruchs der alten Hallen und des Baus einer Tiefgarage die Außenmauer – obwohl nur eingeschossig – nicht erhalten werden konnte, fürchteten wir um den Erfolg der Idee. Schließlich war es der Firma IMMOLA mit Geschäftsführer Markus Lampesberger trotz dadurch erhöhter Baukosten doch ein Anliegen, die Erinnerung an die Eisengießerei in Form eines Nachbaus der Klinker-Wand zu erhalten. Nun ist der Rohbau vollendet und die Neubaugasse um eine architektonisch interessante Fassade reicher (Bild 2).

Johann-Fux-Gasse 24 (Villa)

Vermauerte Säulen einer Loggia wurden freigelegt und restauriert. Zur Mitte des Jahres 2019 werden geplante Umbaumaßnahmen bekannt. Es bestand die Befürchtung, dass die Villa weiter ihrer in der Qualität schon geminderten Ausstattung beraubt werden könnte (Bild 3). Die teilweise Freilegung der Säulen der 1951 verbauten Eingangs-Loggia hat uns dann 2020 veranlasst, Denkmalamt und Altstadt-Kommission um Begutachtung zu ersuchen. Am 19. April 2021 erhielten wir eine äußerst erfreuliche Nachricht von Architekt Burkhard Schelischansky. Gerade weil es ein bauhistorisch wertvolles Objekt ist, nähme der Bauherr sehr viel Geld in die Hand, um es in vorbildlicher Weise zu renovieren - und das natürlich in Abstimmung und Genehmigung mit den Behörden. Das Objekt werde weiterhin als Wohnhaus für eine Familie dienen. Nach Fertigstellung soll es straßenseitig wieder mit der ursprünglichen Fassade zu sehen sein. Die Villa wurde nämlich leider in den Nachkriegsjahren äußerst unsensibel umgebaut (die straßenseitige Veranda wurde geschlossen, Stuck abgeschlagen, ein Garagengebäude neben das Haus gebaut, im Inneren unvorteilhaft verändert usw.). Die Säulen an der Veranda wurden freigelegt, um renoviert zu werden (auch sie wurden beim Umbau in den Nachkriegsjahren beschädigt bzw. zugemauert). Im Frühsommer 2022 zeigt sich der Umbau nach mehr als zweieinhalb Jahren in fortgeschrittenem Stadium und wohl dem ursprünglichen Zustand sehr nahe (Bild 4). Zeitzeugen aus dem näheren Umfeld sehen jedoch auch einige unsensible Veränderungen, darunter das neue Gitter im Erdgeschoss, die Abholzung und Abgrabung des Garten-Niveaus, wodurch das Kellergeschoss (mit der neu eingebauten Garage) jetzt ebenerdig erscheine.

Jakominiplatz 8/Opernring 15 (Dorotheum/Motel)

Der zweite grundlegende Umbau des Dorotheum-Baus geht wieder einen Schritt zurück zum Original. Die Geschichte des markanten Bauwerks – vom 1908 errichteten Bekleidungsgeschäft „Englisches Haus“ (Bild 5), über die Waschbeton-Fassade für das Dorotheum von 1969 (Bild 6) bis zum jetzigen Hotel – ist auf grazberbe.at nachzulesen [Link am Rand: Jakominiplatz 8 – Baugeschichte (grazwiki.at)].

Eine "Verschönerung" der bestehenden Fassade war 2004 von der Altstadt-Kommission abgelehnt worden. Nach der Einschränkung des Auktionsbetriebes des Dorotheums Graz wird 2020 der Einbau eines Hotelbetriebes in Angriff genommen, der mit einem Ausbau des Dachgeschosses verbunden wurde. Nach der Abnahme der Waschbeton-Platten zeigte sich die ursprüngliche Struktur; an der Hauptfassade zum Jakominiplatz ein abgerundeter Mittelrisalit und beiderseits zwei breite, nur durch Steher getrennte Fensterbänder. An einer Stelle kam sogar der Rest eines Dekors aus 1908 ans Tageslicht. Nach der Fertigstellung – die Eröffnung des 160-Zimmer-Motels One wurde am 12.7.2022 gemeldet – zeigt sich der Bau in schlichter Form an die Struktur des Originals angelehnt (Umbau: Hohensinn Architektur). Viel Gold (Dach und Fensterrahmen) macht die Fassade lebendiger. An das Dekor von 1908 angelehnte florale Jugendstil-Signaturen im dritten Obergeschoss versuchen, etwas Schwung in die hier ehemals abgerundet gestalteten Fenster zu bringen. Die sehr einfache Einteilung der Fenstersprossen entspricht jedoch nicht der Vorlage (Bild 7). Die Lobby des Motels besticht durch farbenprächtige Ausstattung (Decasa). Fazit: Ein Schandfleck des Jakominiplatzes ist weg, ein Abbruch konnte vermieden werden, der behutsame Eingriff unter Wahrung der Grundstruktur ist gelungen. Ob man das Ergebnis überhaupt einer baukünstlerischen Wertung unterziehen darf, mögen Berufenere entscheiden.

Schau Doch! 21

„Gerettet“ Welches ist das 100. Haus?

Die SOKO Altstadt registriert und dokumentiert seit 2010 das Schicksal erhaltenswerter Grazer Bauten. Die traurige Nachricht: bis heute sind bereits 223 Objekte dieser Kategorie abgerissen worden. Die erfreulichere Tatsache: Demnächst wird das 100. Haus, das gerettet werden konnte, gefeiert.

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Bild 1 Hallenmauer in der Neubaugasse, 2011 © Peter Laukhardt
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Bild 2 Neubaugasse 47/49, 2022 © Peter Laukhardt
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Bild 3 Johann-Fux-Gasse 24 vor der Renovierung, 2019 © Peter Laukhardt
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Bild 4 Johann-Fux-Gasse 24 nach Renovierung, 2022 © Peter Laukhardt
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Bild 5 Jakominiplatz 8 (nach 1908, © Darabenth)
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Bild 6 Bau von 1969 (2002, © AGIS)
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Bild 7 Jakominiplatz 8 nach Umbau, Juli 2022 © Peter Laukhardt

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