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NICHT GELUNGEN. Der Nichts-los-Ort Pfauengarten, Teil 3 von 3


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23/04/2021

BERNHARD HAFNER MArchUD Harvard * 1940 in Graz, studierte an der Technischen Universität Graz und an der Harvard University. Hafner war Professor und Gastprofessor an der University of California, Los Angeles (bis … mehr

NICHT GELUNGEN. Der Nichts-los-Ort Pfauengarten, Teil 3 von 3

Bebauung: Büro- und Wohngebäude, Hotel (Abb. 7)

3. Der Schluss
In der Auslobung heißt es: „Das zu bearbeitende Wettbewerbsareal liegt am Rand dieses Altstadtensembles. Es ist vom Schloßberg – dem zentralen Bezugs- und Aussichtsberg der Grazerinnen und Grazer – prominent einzusehen und repräsentiert in seiner Größe die einmalige Chance, ein über Jahrhunderte gewachsenes Altstadtgefüge nennenswert zu ergänzen.“ Unter den gewählten Beurteilungskriterien sind Imagebildende Qualitäten: Adressbildung, die stadträumliche Qualität, Ausformulierung des öffentlichen Raums, die gestalterische Qualität des Außenraums, die räumliche Beziehung samt Einfügung in den Altbestand und der Genius Loci. Die Stadt Graz war in die Projektabwicklung eingebunden und im Preisgericht vertreten.
   Das Gutachten zur Standortbeurteilung des Pfauengartens verlangte das Freihalten des Geländes in der Breite des Karmeliterplatzes. Das Gutachten wurde nicht außer Kraft gesetzt, was sich in den vom Auslober selbst genannten Kriterien zeigt.
   Von diesen Kriterien sind ausschließlich die Imagebildende Qualitäten, die Adressbildung im Projekt insofern erfüllt, als die Architektur in Form, Material und Raumbildung im Widerspruch zur Innenstadt ein Alleinstellungsmerkmal hat. Dies ist allerdings kein Kriterium der Baukunst, sondern eines der Verwertung des Bauens als Investition. Die meiner Meinung nach entscheidenden Kriterien erfüllt es nicht. Warum dann dieses Ergebnis?
   Seitens der Vertreterin des UNESCO-Weltkulturerbes heißt es: „Fordern muss man deshalb eine sensible Reaktion des Neuen auf das Alte statt einer Dominanz des Neuen. Insoweit lautet die Forderung zur Vermeidung dieser Konflikte dann immer wieder 'Bauen im Kontext', das heißt, die Sprache der Umgebung zu übernehmen, ohne sich anzubiedern oder gar billiger Nachahmung zu erliegen“ (7). Nochmals: Warum dann dieses Ergebnis? Wie verträgt sich diese Lösung mit der Übernahme der Sprache des naturräumlichen und baulichen Ortes, mit der Altstadt von Graz, mit der Altstadt irgendeiner bedeutenden Stadt in Europa? (Abb. 7)
   Die hier und davor im Artikel 8.2 gezeigten Aufnahmen zeigen, wie sehr das Projekt den Blick auf Stadtpark, Stadtteile und Berge im Osten stört. Als sei das nicht genug, sind über dem Hügel zwischen den beiden Bauteilen nur mehr Baumkronen zu sehen. 
   Christian Kühns Aussage bezüglich der Entwürfe für das Trigon-Museum und das Kunsthaus anders formulierend: Im Zweifelsfall sollte man sich gegen Adressbildung entscheiden und für Architektur. Dieser Ansicht schließe ich mich im Sinne meiner Ausführungen zum städtebaulichen Aspekt und der architektonischen Qualität unter diesem Aspekt an. Dies erfordert eine Architektur, in der der großartige Fluss von Natur- und Freiraum vom Schloßberg über Karmeliterplatz, Pfauengarten und Stadtpark bis zur Bebauung der gründerzeitlichen Neustadt hin gewahrt wird und in der Naturraum und Baukunst einen respektvollen Dialog führen. Die Beachtung dieser Kriterien, die dem Entwurf vorgegeben wurden, ist Teil dieses Dialogs.
    Das ist in der Bebauung des ehemaligen Pfauengartens nicht eingehalten worden. Dass das Projekt für den Mies van der Rohe Preis eingereicht wurde, zeigt das Missverstehen davon auf, was qualitätvolle Architektur ist. Ich halte die Bebauung des ehemaligen Pfauengartens als NICHT GELUNGEN. Der Pfauengarten ist nicht mehr. Unwiederbringlich. Ein Unort, ein Nix-los-Ort. Der Altstadt von Graz wurde in ihrem wertvollsten Teil unwiederbringliche Schönheit genommen. Reinhard, warum? Wie schade!

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Hätte es anders gemacht werden können, ohne den Pfauengarten in der Erweiterung des Karmeliterplatzes zu bebauen? Ja, das hätte es zweifelsfrei, wohl nicht mit gleicher Bebauungsdichte, aber doch als Kerngebiet. Wie, das ist eine andere Frage, die eine eigene Antwort erfordert. Das Projekt von GS Architects ist eine hervorragende Lösung dieser Frage. Sie erhält die Sicht über das Pfauengartengelände nach Osten, gibt Einblick in die Stadtmauer und Kurtine und setzt die südseitige Baulinie des Karmeliterplatzes fort. Ein schönes Projekt (Abb. 8).

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(7) Expositur Dr.-Ing. Irene Wiese von Ofen, UNESCO Weltkulturerbe, S 7-8 zur Bebauung "Pfauengarten" in: PAVOREAL – Bauen im Weltkulturerbe. Dokumentation des zweistufigen baukünstlerischen Wettbewerbs (siehe Download).

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Artikelserie von Bernhard Hafner zum Thema Pfauengarten in Graz,

Bestand, Nutzung, Planung und Bebauung

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Pichler & Traupmann Architekten überließen dem Verfasser der Artikel 8,1, 8.2 und 8.3 die Bildrechte für ausgewählte Schaubilder/Fotos nicht. Die gezeigten sind Ersatz dafür.

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Weiterführende Links

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Abb. 7: Bebauung Pfauengarten Graz. Das große Bürogebäude verstellt den Blick zum Stadtpark (und die Stadtteile und Berge im Osten). Bildquelle: Ausschnitt aus "Stadtkarte Graz", siehe Link > geodaten.graz.at © Stadt Graz
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Abb. 8: Wettbewerbsprojekt GS Architects, 2. Preis. Seitliche Bebauung entlang der Baulinie im Süden des Karmeliterplatzes mit möglicher Verbindung zum 3. Burghof und Archäologiebereich. Freier Durchblick nach Osten; Freilegung der Bastionsmauer und Kurti © GS architects

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