Sie haben heute die 50. Ausgabe von Aber Hallo! vor sich – mehr als vier Jahre eines im Monatsabstand erscheinenden Kommentars von mir, der als Mittelding oder Verschnitt zwischen Kolumne und Glosse angedacht war. Eine Glosse (von griechisch γλώσσα, glóssa, „Zunge, Sprache“, über lateinisch glossa) ist im heutigen Sprachgebrauch ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer journalistischer Meinungsbeitrag. Dieses Textformat ist mir nur selten gelungen, schon wegen der gebotenen Kürze nicht.
Die vorliegenden 49 Beiträge gerieten auch deshalb selten als Glosse, weil ihr jeweiliges Thema als Momentaufnahme einer meiner Beobachtungen zur Stadt und Architektur, zu ihrem rezentem Zustand und ihrer Entwicklung, mir zu bedeutend und zu ernst schien, um es Ihnen, werte unbekannte Leser, in ironischer oder polemischer Überhöhung näherzubringen. Lust dazu hätte ich öfter gehabt.
So ist das Aber Hallo! wohl eher als Kolumne zu bezeichnen (abgeleitet von der Kolumne des heute nicht mehr verwendeten Drucksatzes) – eine journalistische Form, die regelmäßig an gleicher Stelle mit gleichem Titel erscheint als Streiflicht und kurzer Meinungsbeitrag eines einzelnen Autors. Auch hier ist das Gebot des Kurzen enthalten. Muss ich dem aufmerksamen Leser nun noch explizit eingestehen, dass dies zu erreichen meine Schwäche ist?
Lang oder kürzer, das ist für das Aber Hallo!, so hoffe ich, gar nicht die entscheidende Frage. Für mich als Verfasserin dieser Namenskolumne stellt sich die Frage, ob Sie als Leser und Leserin diese weiterhin regelmäßig konsumieren wollen, ob Sie der Meinung sind, dass die darin zur Sprache gebrachten Beobachtungen und meine subjektive Meinung dazu für Sie und alle, die an Architektur, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung Interesse haben, von Wert sind. Schreiben Sie der Redaktion des GAT, ob Sie das Aber Hallo! weiterhin einmal monatlich lesen wollen, oder nützen Sie die Kommentarfunktion.
Als PS diesmal, was eigentlich Inhalt meiner Kolumne sein sollte:
Wer das letzte BIG, das offizielle Zeitungsorgan der Stadt Graz, vom vergangenen Sonntag aufmerksam gelesen hat, hat versteckt hinter schönen, sprich: schöngeredeten Sätzen, erkennen können, wie manipulativ Informationen derzeit unter die Leute gebracht werden, wenn es darum geht, Interessen durchzusetzen, die kontroversiell diskutiert werden und nicht von Vornherein auf Mehrheiten zählen können.
Da wird im Artikel Graz trifft Mur: Erholung pur! in der Argumentation für die Errichtung der geplanten Bucht (in offizieller Diktion Naturarena) die Trennung Rad/Fußweg wie folgt beschrieben: „Mehr Sicherheit bringt auch die Entflechtung zwischen Rad- und Fußweg: Der derzeit murnahe Radweg wird von Asphalt befreit und als Makadam-Weg den FußgängerInnen zur Verfügung gestellt, die RadlerInnen bekommen etwas weiter im Zentrum des Augartens eine neue Fahrstrecke.“
Fällt Ihnen, geneigter Leser, der die Situation vor Ort kennt, etwas auf bei dieser Behauptung? Was stimmt, ist, dass beim ab Oktober 2018 geplanten Umbau des Augartens, bei dem ein Teil des Augartens für eine Bucht abgegraben wird, der Radweg vom jetzigen Böschungsrand des Murufers entfernt wird und ufernah ein neu errichteter Weg nur für Fußgänger geplant ist. Die Radfahrer jedoch „bekommen eine neue Fahrstrecke“ genau in der St. Petersburg-Allee, die schon bisher als Diagonale durch den Park naturgemäß die Hauptfrequenz an Fußgängern aufweist. Von ihr aus erreicht man bislang alle mit unterschiedlichen Funktionen belegten Zonen des Parks – das Fußballfeld, den Kleinkinderspielplatz, den Rodelhügel (der der Bucht zum Opfer fällt), die freie Wiese für Volleyballspiel und für das gemeinsame freie Joga, oft mit mehr als 100 Teilnehmern.
Die Krux dabei: Die neue Bucht samt neuem ufernahen Fußweg wird man, wenn man aus den süd- und östlich gelegenen Teilen des Parks, vom Bezirk Jakomini oder direkt vom Stadtzentrum kommt, auch nur über ein Kreuzen des neuen Radwegs erreichen. Was heißt das nun (auch für alle, denen die örtliche Situation nicht präsent ist)? Nichts anderes, als dass ein großer Fernradweg, der R2 vom Murursprung bis nach Slowenien, ein Stück weit durch eine Allee mitten in den höchstbesuchten Park der Stadt gelenkt wird und das noch mit einer Kurve.
Von Entflechtung zwischen Radfahrern und Fußgängern kann keine Rede sein! Diese wird nur behauptet.
Wieso, wofür Desinformation oder Fake News mit schönen Umschreibungen. Als Werbung in eigener Sache? Man kennt eine solche Zurechtrichtung mittels Sprache aus der kommerziellen Werbung, man kennt es von Donald Trump, man kennt es auch aus der Politik. Dass man in Graz derartige Desinformation manipulativ einsetzt, zeigt mangelndes Demokratieverständnis, das auch die besten Umfrageergebnisse unter 750 Grazern und Grazerinnen nicht überdecken können. Apropos Umfrage zum geplanten, aber umstrittenen Umbau des Augartens: Hat man die Nutzer des zu jeder Jahreszeit belebten Parks befragt, was sie wollen? Das könnte man vor Ort in kürzester Zeit von 750 BürgerInnen unterschiedlichsten Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichster gesellschaftlicher Mileus erfragen – im Lokalaugenschein an einem der besonders schönen Grazer Herbsttage.
Nicht vergessen: teilen Sie uns frank und frei mit, ob Sie Aber Hallo! weiterhin lesen wollen!
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