Aber Hallo! 26

Dacapo: Park der TU Graz.

von ,

03/05/2016

Karin Tschavgova

Autorin, Journalistin

DI arch. Karin Tschavgova-Wondra Architekturvermittlung-Architekturpublizistik Architekturstudium an der TU Graz. Einige Jahre Mitarbeit in Architekturbüros in Wien und Graz. In den letzten Jahren Schwerpunkt auf … mehr

Kolumnen sind kurze, oft nur eine Spalte lange journalistische Beiträge, die die Meinung des Autors oder der Autorin wiedergeben. Auch wenn sie dadurch charakterisiert werden, dass sie regelmäßig an gleicher Stelle mit gleichem Titel erscheinen, thematisieren weder Kolumne noch Glosse etwas in Serie oder in Fortsetzungsgeschichten. So viel zum Grundsätzlichen über dieses Schreibformat. Nun: keine Regel ohne Ausnahme, vor allem, wenn eine Leserreaktion förmlich danach schreit, den Ball aufzunehmen und das Hin und Her weiterzuspielen.

So also der letzten Kolumne Fortsetzung. Wir erinnern uns. Ihr Inhalt war eine Kritik an der Neugestaltung des TU-Parks in Graz zwischen der Lessing- und der Technikerstraße.

Besser als mit der offiziellen Antwort der TU Graz vom 7.04. (siehe Kommentarleiste) kann man den Stoff für eine Kolumne nicht serviert bekommen. Danke!

Was ich als unambitionierte Gestaltung, geprägt von Phantasielosigkeit, Eintönigkeit und Lieblosigkeit kritisiert hatte, könnte vordergründig als harmloser Streich der Hausverwaltung gesehen werden, meint der Kommentator – die Pressestelle, die Direktion oder das Rektorat der TU Graz. Das sei es – aber Hallo! – keineswegs. Wer nicht in der Lage ist, dahinter „ein subtiles Konzept zur Diskussion grundlegender Fragen der Architektur “ zu erkennen, denkt vermutlich nicht tiefgründig genug nach. Fakt sei, dass die „Aufladung des Raumes“ (sic) „durch kuriose Einzelelemente sich als Prozess versteht, an dessen Ende die komplette Entarchitektonisierung des Areals steht“. Na, bumm! Da hat sich einer was gedacht.

Oder ist’s gar die Hausverwaltung, die hiermit der Verpflichtung der Universität zu wissenschaftsbasierter Arbeit und Vermittlung von Lehrinhalten nachgekommen ist? Soll doch die Gestaltung und Platzierung von kleingartenartig eingezäunten Rabatten, von kiesgefüllten Staudenbeeten und „bewusst derb detaillierten Holzpodesten“ (Sitz-Podeste mit Bänken und Tischen darauf) eine „vielschichtige Irritation“ sein, die die Studierenden anleiten soll, „Selbstverständliches in Frage zu stellen“. Als Beispiel für eine Intervention, die solchermaßen verblüffen sollte, wird der Abriss der Rampe an Günther Domenigs Gebäude im Park genannt. Aha, jetzt wird uns alles klar. Das war eine pädagogische Maßnahme, ein Lernprozess.

Potzblitz, wie sich alles verändern ließe, scheinbar ganz ohne die Möglichkeit und Mittel konkreter Eingriffe zwecks Mitbestimmung und Gestaltung. Eine Einladung an die Studierenden „zur simplen Nutzung des Areals und schon sind sie Mitwirkende am Transformationsprozess“. An der Veränderung zum Besseren natürlich, auch wenn das die TU Graz nicht extra erwähnt. Der Prozess der Entarchitektonisierung mittels Rabatten und Podesten kann doch nicht das Hässliche intendieren.

Nun, Leute (auch jene fünf anderen, die sich in Kommentaren dazu zu Wort gemeldet hatten): Diese Herangehensweise der TU Graz an Gestaltung soll im Innenraum stringent fortgesetzt werden. Dieser letzte Satz des Kommentars lässt erst recht Freude aufkommen.

Die Frage ist nur, ob die TU Graz den gerade startenden Dachausbau überhaupt noch braucht, wenn die als These gelehrte Entarchitektonisierung plangemäß fortschreitet.

Denn wozu dann überhaupt noch Ausbildung und Lehre an der TU Graz, wenn architektonische Gestaltung und Design nicht mehr gefragt sind?

Leute, rettet Eure eigene Zukunft! Die akademisch verordnete Entarchitektonisierung soll als Schwachsinn ein Diskurs unter Akademikern bleiben. Maximal zwischen zwei Buchdeckel gefasst richtet sie keinen Schaden für den Berufsstand der Architekten an. Akzeptiert nicht ohne Widerrede, „durch simple Nutzung“ zu Statisten degradiert zu werden, nicht beim Transformationsprozess des Parks und nicht bei akademisch verordneten Theoriekonstrukten. Und Leute, lasst euch nicht für blöd verkaufen.

Aber Hallo!

Jeden ersten Dienstag im Monat veröffentlicht GAT in der Kolumne Aber Hallo! Anmerkungen von Karin Tschavgova zu aktuellen Themen von Architektur und gebauter Umwelt.

Porträt Karin Tschavgova
© Karin Tschavgova

Artikelempfehlungen der Redaktion