Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Eduard Mörike
Frühling ist’s! Was gibt es Schöneres, als sich mittags aus der eigenen Geschäftigkeit zu stehlen, eine Wiese, den Park oder die nächste Grünfläche anzusteuern und die schon wärmende Mittagssonne auf den Wangen zu spüren. Ein erstes Grün, die Farbigkeit der ersten Blüten, eine gut platzierte Bank in der Sonne ….
Schön wär’s. Während selbst der kleinste Gemeinschaftsgarten der Stadt am grünen Restgrundstück um den Pavillon des studentischen Wohnungsservice in der Rechbauerstraße von den „Rechbäuerinnen“ zum Saisonstart aufgemöbelt wird, herrscht nebenan im Park der TU Graz eine fast unbeschreibliche Tristesse (daher diesmal ausnahmsweise einige tagesaktuelle Fotos). Der Eindruck dort: eine unambitionierte Gestaltung (vor wenigen Jahren mit scheinbar zufällig gesetzten Podesten, jetzt ergänzt durch unsägliche Schotterfelder mit Trockengräsern) - geprägt von Phantasielosigkeit, Eintönigkeit und Lieblosigkeit.
Dass die TU Graz ein Institut für Architektur und Landschaft beherbergt, in dem Landschaftsarchitektur gelehrt wird, kann man kaum glauben. Perdu die Zeiten, als die Entwurfs-Professoren der Technischen Hochschule sich engagierten, um einen Entwurf für die Erweiterung der Hochschule auf dem hauseigenen Areal zu finden. Längst vergessen jene Jahre in den 1970ern bis 1980ern, als an der Technische Hochschule Professoren wirkten, die zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung öffentlich Stellung bezogen haben – und das oft laut und kritisch. Man musste nicht einverstanden sein mit Meinung und Kritik der Herrn Professoren Hoffmann, Breitling oder Dimitriou, aber man konnte ihnen Anerkennung zollen dafür, dass sie sich engagiert hatten und mitgemischt haben. Das Mindeste, was damit erreicht wurde: eine Haltung ausgedrückt und einen Diskurs in Gang gebracht zu haben. Das Maximalste: einen Kurswechsel erreicht zu haben. Die älteren unter uns erinnern sich daran, dass der Städtebauprofessor Hubert Hoffmann sich vehement gegen eine Autobahn durch die Stadt und für die dann tatsächlich realisierte Variante durch den Plabutsch im Tunnel eingesetzt hat.
Tja, schön wär’s, wenn die Herrn Professoren nicht nur nach internationalen Auszeichnungen ihrer Büros schielen, sondern sich auch im eigenen Haus und Umfeld durch besondere Leistungen auszeichnen würden. Das würde die TU Graz zwar leider nicht auf einen vorderen Platz in der Rangliste der weltbesten Universitäten hieven, es würde auch nicht automatisch ihre Excellenz fördern, aber es würde doch einige freuen.
Alle jene zum Beispiel, die am Areal der Technischen Universität arbeiten und studieren und die an einem dieser leicht und lebensfroh machenden Frühlingstage ihre Pause im Park verbringen würden, wenn seine Landschaftsgestaltung so wäre, dass man darin verweilen möchte. Und sind Architekten nicht davon überzeugt, dass gute (Landschafts-)Architektur die Lebensumstände der Menschen verbessern und Zufriedenheit am Arbeitsplatz die Arbeit verbessern kann? Was die einfachen Stadtgärtner von Graz aus Erfahrung und Intuition können, müssten doch auch die Architektur- und Landschaftsplanung Lehrenden zustande bringen, oder?





