Aber Hallo! 13

Hoffnung auf mehrere Schwalben, die eine neue mobile Zukunft machen sollen

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04/11/2014

Karin Tschavgova

Autorin, Journalistin

DI arch. Karin Tschavgova-Wondra Architekturvermittlung-Architekturpublizistik Architekturstudium an der TU Graz. Einige Jahre Mitarbeit in Architekturbüros in Wien und Graz. In den letzten Jahren Schwerpunkt auf … mehr

Hoffnung auf mehrere Schwalben, die eine neue mobile Zukunft machen sollen

„24 hours Vienna“ um 7,60 (Euro) – zugegebenermaßen teuer, vor allem, wenn man es vergleicht mit dem einen Euro, den die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln pro Tag in Wien kostet, wenn man im Besitz einer Jahreskarte ist.

Dennoch – was für eine Alternative, was für eine Entspannung, was für ein Möglichkeitsraum! Kein mühsames Parkplatzsuchen, keine oft vergebliche Parkscheinpirsch (außerhalb von Öffnungszeiten), kein immer öfter vergebliches Kramen im Langzeitgedächtnis „Wie war das mit der erlaubten Parkdauer im zweiten oder siebenten Bezirk?“, kein bedauerter Interruptus eines guten Gesprächs, weil die Parkzeit – leider! – um ist. Wien erschließt sich per Öffis einfach und bequem, selbst dem Provinzler. Die soziale Errungenschaft einer städtischen Einrichtung, wie sie das U-Bahnnetz in Wien darstellt, kann der Angereiste vermutlich bewusster schätzen als der sprichwörtlich immer grantelnde Wiener. Oder sind die ausgestorben, seit es das immer attraktivere Netz gibt?

Wie schön wäre es, müsste man in Graz nicht vorweg Fahrpläne im Netz studieren, um sicher zu sein, dass man auf öffentlichen Routen pünktlich von A nach B  kommt, müsste man nicht auf Anschlüsse, die einen in vier Minuten ans Ziel brächten, zehn Minuten warten.

Ob das neue Feinstaub-Ticket, das es seit gestern zu erwerben gibt, Scharen von Grazern vom Ruckerlberg und von Waltendorf in Bus und Bim locken und damit der Stadt erlauben wird, das Netz auszubauen und den Takt von Anschlussbussen in Stadtrandgebiete zu verkürzen, wage ich zu bezweifeln. Zur Erklärung: laut einer Studie, die die FH durchgeführt hat, ist die Wohnzufriedenheit in diesem Stadtteil am höchsten, zugleich auch die Anzahl der Autos pro Haushalt – und damit vermutlich auch die der Autofahrten innerhalb der Stadt. Die Waltendorfer wird man vorerst wohl nur mit sanfter Nötigung davon abhalten können, für jede Fahrt ihr Auto zu verwenden – etwa Parkverbote für Mitarbeiter in Schulen oder öffentlichen Institutionen für jene, die mit Öffis in die Schule kommen könnten, gekoppelt mit Anreizsystemen, wie sie die Technische Universität seit einiger Zeit für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bietet.

Ich setze auf die Jahreskarte um 228,00 Euro, die für Grazer und Grazerinnen ab Jänner 2015 kommen soll, und hoffe auf einen so gewaltigen Run auf dieses Angebot, dass dieses für die Stadt, die es subventioniert, mehr als ein Nullsummenspiel wird. In Wien hat sich die Zahl der Jahreskartenbesitzer nach deutlicher Verbilligung um mehr als 60 Prozent erhöht und ist mit 615.000 zur bestimmenden Größe geworden. Mehreinnahmen bedeuten, selbst wenn die Karten subventioniert werden, rechnerisch ab einem bestimmten Turning-Point mehr Spielraum für Investitionen. Das könnte in Graz ähnlich sein. Wenn dann auch zeitgleich Takte verkürzt werden, zum Beispiel bei der jetzt noch lange nicht ausgelasteten 60er-Linie nach Lustbühel – als weitsichtige Investition in eine andere Mobilitätszukunft. Oder wenn man erlaubt, dass bergwärts im Bus Fahrräder mitgenommen werden können. Ich will daran glauben, dass man damit viel mehr Menschen vom Stehenlassen des eigenen Autos überzeugen könnte, weil es Sinn macht, entspannt mit dem Bus „in die Stadt hinunter“ zu fahren. Das ist mit und im Takt eine echte Alternative zum Parkplatz suchen, Parkschein lösen, gestresst sein und außer Atem zum Rendezvous eilen – hundertprozentig.

Jeden ersten Dienstag im Monat veröffentlicht GAT in der Kolumne "Aber Hallo!" Anmerkungen von Karin Tschavgova zu aktuellen Themen von Architektur und gebauter Umwelt.

Porträt Karin Tschavgova
© Karin Tschavgova

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