Fr. 9/05/2025 08:30 - 20:30

(g)runderneuert II: Eine Exkursion zur Wiederbelebung von Brachflächen in Niederösterreich

eintägige Exkursion

Exkursion

Niederösterreich (Treffpunkt in Wien)

Ein verlassenes Fabriksgebäude

Termin: Freitag, 09.05.2025, 8:30 bis 20:30 Uhr
Treffpunkt: Wien-Heiligenstadt, Bahnhofsvorplatz, 1090 Wien

2024 führte eine erste (g)runderneuert-Exkursion durch das süd-östliche Niederösterreich, stellte wiederbelebte Areale wie Bauten vor und gab Einblick in alte Industriegebiete, wo vorbildliche Nachnutzungen bereits umgesetzt wurden. Diese Reihe wird heuer fortgesetzt und führt ins Waldviertel, wo die Textilerzeugung auf eine 400jährige Geschichte zurückblickt und viele (ungenützte) Gebäude als Erbe hinterlässt.

Die erste Station der Rundreise bildet die ehemalige Strickwarenfabrik und vormalige Webereigenossenschaft in Hirschbach. Sie wurde 2020 von den ArchitektInnen David Calas und Barbara Reiberger erworben und zum Schauplatz der von ihnen kuratierten Ausstellung „Textiles Erbe | Aktive Zukunft“ sowie kulturellen Zwischennutzungen. Das um 1900 errichtete Fabrikgelände erstreckt sich über etwa 1.500 m² und umfasst Produktionsräume, Wohnbereiche, einen Stall, Scheunen sowie zwei Innenhöfe. Hier wurde gewohnt, produziert und Landwirtschaft betrieben. Zuletzt wurden bis 1966 Socken und Handschuhe für das österreichische Heer hergestellt. Das junge ArchitektInnenpaar wird durch die Räume führen und erläutern, wie sie das Objekt für eine zukünftige Wohnnutzung für mehrere Parteien umgestalten wollen. Geplant ist eine Finanzierung über ein Baugruppenmodell.

Zwar nicht in der Tradition der Textilindustrie stehend, aber nicht minder spannend ist der vor zwei Jahren geschaffene Proberaum und Veranstaltungsort „Moment“ in der ehemaligen Tennishalle in Litschau. Das viereinhalb Meter hohe, multifunktional nutzbare Gebäude verfügt dank flexibler Schiebewände über bis zu vier schalldichte Arbeits- und Veranstaltungsräume mit professioneller Licht- und Tonausstattung. Dazu zählen eine Kostümwerkstatt, ein Fotostudio, Lagerplätze, Aufenthaltsräume, eine kleine Bar, eine Terrasse mit Seeblick und der „Fantasiedachboden“, der auf über 400 m² Theaterrequisiten und -kostüme bietet.

Die weithin bekannte und viele Standorte umfassende Glasfabrik der C. Stölzle’s Söhne wurde erstmals um 1868/69 errichtet und nach einem Brand 1933/34 wiederaufgebaut. Die „Althütte“ in Alt-Nagelberg war auf die Erzeugung von Hohlglas für Flaschen, Flakons und dgl. spezialisiert. Die lange und verzweigte Chronik dieses Pionierbetriebes endete mit dem Konkurs im Jahr 1989. Nachbesitzer erhielten die Produktion aufrecht, bis 2010 das letzte Glas hergestellt wurde. Heute werden die Räume und Lagerflächen vermietet. Auf einem Teil der Freiflächen produzieren 2.800 Photovoltaik-Module Strom und decken den Jahresbedarf von etwa 1.000 Haushalten; eine Erweiterung ist derzeit geplant. Von der etwa 90.000 m² großen Fläche ist etwa ein Viertel mit Schadstoffen kontaminiert, was die Nachnutzung erschwert, doch will man mit Hilfe von Pflanzen die Verunreinigung reduzieren und einen beachtlichen Energiepark mit Erdwärme, Windkraft, Wasserstoff und Photovoltaik schaffen.

Während die Besichtigungen in Hirschbach, Litschau und Alt-Nagelberg bereits Aufbruchsstimmung vermitteln, liegt ein Teil der ehemaligen Möbelfabrik Bobbin in Gmünd noch im Dornröschenschlaf und droht mit Verfall, wiewohl es aktuell kleine Zwischennutzungen des 6.500 m² großen Besitzes der Gemeinde gibt. Weitere 5.000 m² von dem insgesamt 13.000 m² großen Areal wurden von der WV Lager GmbH 2018 saniert und bieten seither der Spedition Schnabl insgesamt etwa 13.500 m² Lagerfläche über mehrere Etagen. – „Den Grundstock der Holzwarenfabrik Bobbin AG, die sich 1923 in Gmünd ansiedelte, bildete die Desinfektionsanstalt, welches während des 1. Weltkriegs als Gmünder Flüchtlings- und Deportiertenlager angelegt wurde. Das Unternehmen beschäftigte in der Zwischenkriegszeit rund 80 ArbeiterInnen, die Holzspulen für die Textilindustrie erzeugten. Anfang der 1950er-Jahre erfolgte der erste große Ausbau des Firmengeländes durch den jungen Architekten Johann Staber. Aus dieser Zeit stammen das prominente Kopfgebäude und der Bürobau sowie kleine Erweiterungsbauten. Nach dem 2. Weltkrieg spezialisierte sich der Betrieb unter dem Namen Neue Bobbin auf die Erzeugung von Möbeln. Mit 450 ArbeiterInnen stellte die Möbelfabrik in den 1970er Jahren den größten Arbeitgeber der Stadt Gmünd dar. Nach dem Konkurs im Jahr 1985 wurde die Anlage geteilt und an verschiedene Unternehmungen verkauft oder verpachtet.“ (Vgl. „Das industrielle Erbe Niederösterreichs“ von Gerhard. A. Stadler und „Johann Staber und das Waldviertel“ von Sarah Stiedl).

Angereichert wird die Exkursion von Vorträgen während der Busfahrt, die Wissenswertes zum Brachflächen-Dialog zu Standortentwicklungen, Förderungen u. v. m. vermitteln.

Mehr zu Programm & Anmeldung siehe Link unten

Fabriksgebäude, in schwarz-weiß fotografiert
ehemalige Möbelfabrik Bobbin in Gmünd – © Stadtarchiv Gmünd

Veranstalter:in: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich

Mehr Informationen: Link zur Exkursion