WORKSHOP IM STEINHAUS

Workshop im Steinhaus am Ossiacher See, 20. - 23.11.

von ,

17/12/2008

Architekturtheoretiker, Künstler und Kurator. Von 1996 bis 2003 Kurator für Bildende Kunst im Forum Stadtpark Graz; Lehrtätigkeiten an unterschiedlichen Universitäten und Akademien, zuletzt 2011/2012 am Bauhaus Kolleg … mehr

Vom 20. bis 23.11. fand in Günther Domenigs Steinhaus am Ossiacher See ein international besetzter Architektur-Workshop statt. Zehn Studierende des SCI-Arc, des Southern

Workshop

Vom 20. bis 23. November fand in Günther Domenigs Steinhaus am Ossiacher See ein international besetzter Architektur-Workshop statt. Zehn Studierende des SCI-Arc, des Southern California Institute of Architecture, unter der Leitung von Marcelo Spina, Alexis Rochas und Elena Manferdini sowie sieben Studierende der Architekturfakultät der TU Graz, begleitet von Michael Zinganel und Markus Bogensberger vom Institut für Gebäudelehre und Christian Fröhlich vom Institut für Architektur und Medien beschäftigten sich mit dem Thema “The House as Manifesto”.

Aufgabe

Den Studierenden wurde die Aufgabe gestellt, sich mit dem Thema „The House as Manifesto“ auseinanderzusetzen. Ausgehend von der These, dass in der Architekturgeschichte einige bedeutende Gebäude (meist Villen) gebauten Manifesten gleichkommen und von ihren Verfassern auch als solche intendiert waren, sollte versucht werden, das Steinhaus auf seine „Manifesthaftigkeit“ zu untersuchen und damit gleichzeitig die jeweils individuelle Haltung zur Relevanz von Architektur zu hinterfragen.

Spannungsfeld der Kulturen

Ein Kommentar von Michael Zinganel

„Besonders interessant erschienen die signifikant unterschiedlichen Reaktionen der Studierenden aus Los Angeles und Graz auf die konkrete Aufgabenstellung:

Die Studierenden der SCI-Arc hatten sich schon vor der Anreise - so weit es die sehr knappe Vorbereitungszeit zuließ - kurz mit Architektur- oder richtiger Architekten-Manifesten beschäftigt. Die englische Übersetzung des Büchleins "Programme und Manifeste", Bauwelt Fundamente Band 1, lag dann auch demonstrativ auf den Arbeitstischen. Die Studierenden fanden sich sofort - wie von den Betreuern gewünscht - zu 2er-Gruppen zusammen, richteten sich überraschend schell Arbeitsplätze in den attraktivsten Zonen des Steinhauses ein, um sich dann ehest möglich mit Kameras auf die Suche nach den für ihre Recherche interessantesten Gebäudeecken zu machen.

Die Grazer Studierenden hingegen bildeten - bis auf eine Ausnahme – eine gemeinsame Großgruppe, die sich im Untergeschoß wie eine Untergrundgruppe zusammenrottete, um zuerst die Aufgabenstellung, den Sinn, die geografische und zeitlich nachhaltige Wirksamkeit von Manifesten in Frage zu stellen und dem Steinhaus - als gebautem Manifest - die Bedeutung für aktuell sinnvolle oder gar notwendige Diskurse erst einmal generell abzusprechen. Gefordert wurde stattdessen eine Konzentration auf elementare Gestaltungselemente aber auch ein Eingehen auf relevante soziale Fragen, die - ihrer Meinung nach - eben von Domenigs skulptural überdeterminierter Architektur nicht geleistet werden können.

Interessant auch die unterschiedliche Betreuungsmodi: Die Studierenden der SCI-Arc zeigten sich in den öffentlichen Zwischenpräsentationen sprachlich sehr geschult, aber auch sehr gleichförmig geschult und bedankten sich jeweils artig für die durchaus auch harte Kritik. Unmittelbar nach der Zwischenkritik wurde jedes Team von den BetreuerInnen zudem auch noch einzeln beraten, um die Qualität des Projektfortschritts zu garantieren. Unter Qualität wurde dabei aber ein dem Computerprogramm konformes Handeln verstanden - sowie ein für uns etwas diffus gehaltener Innovationsfaktor.

Die Studierenden aus Graz sahen die Präsentationen eher als provokative Konfrontationen, sie fragten keineswegs freiwillig um Rat, hatten aber gleich einen der Betreuer in ihre vermeintlich subversive Gemeinschaft integriert, mit dem sie sich in einen Abgrenzungs-Wettbewerb gegen Domenigs Steinhaus, gegen Manifeste, aber auch gegen die Workshop-Partner aus den USA hineinsteigerten.

Verständlich daher dann auch die unterschiedlichen Ergebnisse: Die Studierenden der SCI-Arc zeigten sich sehr routiniert in der formalen Analyse des Bauwerkes. Auch wenn der Übergang von den durchwegs präzisen Analysen zum Entwurf nicht immer klar nachvollziehbar waren, erstellten sie danach - ohne jeglichen Widerspruch - auch sehr rasch und effizient in dem von ihnen virtuos beherrschten Computerprogramm Maya visuell attraktive 3-D Animationen von potentiellen Architektur-Fragmenten, die sich aber von den programmatischen und emotionalen Anrufungen des Steinhauses möglichst weit entfernt hielten. Ihre Ergebnisse wiesen daher weder einen inhaltlichen Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte des Steinhauses noch einen erkennbaren Nutzungszusammenhang auf.

Die Studierenden aus Graz benötigten hingegen Tage, um sich endlich zu ermächtigen, von ihrer geradezu aggressiven Rebellionspose in eine produktive Arbeitsphase zu wechseln. Sie produzierten schlussendlich kurze Low-Tech Animationen, in denen die tatsächlichen Probleme der jeweiligen Raum-Aneignung im Steinhaus (als choreographierte Performance an Raumeinfassungen mit gekippter Videokamera) oder der Neuzusammensetzung von für erträglich gehaltenen Raumelementen (als Scheinanimation einer Collage in Photoshop) zum Thema gemacht wurden. Damit haben sie aber auch tatsächlich einen der wichtigsten Aspekte – aus unserer eurozentristischen Workshop-Erfahrung - in den Mittelpunkt gerückt: die Schwierigkeiten, sich gegen Dominanz der Domenig'schen Architektur und ihrer Narrative im Raum so einzurichten und ein Gleichgewicht zu finden, damit sich auch tatsächlich sinnvoll arbeiten lässt. Damit haben sie Günther Domenigs Arbeit eine Ehre erwiesen, die ganz im Gegensatz zu ihren zu Beginn ausgesprochenen Willenserklärungen stand. Domenigs Architektur ständig im Nacken, ließ er selbst die jungen Grazer Studierenden von heute nicht los...

Für die Studierenden der SCI-Arc schien das aber ganz und gar nicht zuzutreffen, diese könnten wohl an jeder Stelle des Globus ihren Laptop aufklappen und jedes beliebige Detail zum Anlass nehmen, einen Entwurfsprozess in Gang zu setzen.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung über die vorrangig autobiografischen Narrative, die dem Entwurf von Günther Domenig zu Grunde liegen und die spezifischen Ursachen seiner gestalterischen Obsession und Aggression blieb leider zu wenig Zeit. Denn dabei käme diesem markanten Gebäude als Symptom der Eruption in einer von Verdrängung gekennzeichneten (Nachkriegs-)Kultur in Kärnten durchaus eine politische Dimension zu, auch wenn sie Günther Domenig sprachlich nie zu artikulieren im Stande war. Das sind Aspekte, die über die Fachwelt hinaus interessieren sollten, aber selbst bei den Grazer Studierenden viel zu wenig bekannt sind.“

Abschließende Präsentation

Die abschließende öffentliche Präsentation fand in den Räumlichkeiten des Museums für Angewandte Kunst unter Anwesenheit von Direktor Peter Noever statt. Präsentiert wurden eine Videoinstallation, deren Inhalt die Verlesung der von den sieben Teams verfassten „Steinhaus Manifeste“ war, sowie die einzelnen Arbeitsergebnisse der Gruppen, in Form von Videos (die Mehrzahl durch 3-D Modellierung computergeneriert).

Möglichkeiten des Steinhauses

Das Steinhaus hat sich im Rahmen dieser, auch als Testlauf zu verstehenden Veranstaltung als Räumlichkeit und inspirierende Arbeitsumgebung für Architekturworkshops bestens bewährt. Die auf vier Ebenen verteilten Räumlichkeiten ermöglichen sowohl Rückzug als auch informelle Kommunikation und eignen sich besonders für Gruppenarbeiten. Die Infrastruktur für Workshops ist vollständig vorhanden. So gibt es zwei mit Videoprojektoren ausgestattete Räume für Präsentationen und alle notwendigen technischen Einrichtungen (von Funknetzwerk bis zu Drucker und Fax).

Unvergleichbar mit anderen Räumlichkeiten ist allerdings, wie bereits beschrieben, die Präsenz eines Gebäudes, in dem nahezu alle Themen der Architektur durchdekliniert wurden und das daher als Anschauungsobjekt unmittelbar zur Verfügung steht und wirksam wird.

Weiterführende Links

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Workshop im Steinhaus: "Räumlichkeit und inspirierende Arbeitsumgebung für Architekturworkshops"
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Workshop im Steinhaus mit zehn Studierenden des kalifornischen SCI-Arc sowie sieben Studierenden der TU Graz.
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Workshop im Steinhaus
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Workshop im Steinhaus: "...Gebäude, in dem nahezu alle Themen der Architektur durchdekliniert wurden und das daher als Anschauungsobjekt unmittelbar zur Verfügung steht und wirksam wird."
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Workshop im Steinhaus
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Präsentation im MAK
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Präsentation im MAK mit Direktor Peter Noever (li). Fotos: © TU Graz, Institut für Gebäudelehre
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Projektbeispiel: A PILE OF STONES, Verfasser: Matthias Jäger, Martin Kern, Markus Stangl. © TU Graz, Institut für Gebäudelehre
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Projektbeispiel: A PILE OF STONES, Verfasser: Matthias Jäger, Martin Kern, Markus Stangl. © TU Graz, Institut für Gebäudelehre
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Projektbeispiel: A PILE OF STONES, Verfasser: Matthias Jäger, Martin Kern, Markus Stangl. © TU Graz, Institut für Gebäudelehre

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