Und Hadid baut es doch: Das neue Kommodhaus

Ende 2013: An der Ecke Burggasse/Einspinnergasse landet wieder ein Friendly Alien in Graz

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07/10/2011

Martin Grabner, geboren 1979 in Graz. Er hat in Graz Architektur studiert, lehrt am Institut für Städtebau der TU Graz und schreibt als freier Journalist über Architektur, Kunst und Stadt. Er ist Absolvent des Kollegs … mehr

Ende 2013: An der Ecke Burggasse/Einspinnergasse landet wieder ein Friendly Alien in Graz. Diesmal nicht als Realisation einer Sixties-Utopie, sondern mit Seventies-Retro-Schick. Und diesmal von Zaha Hadid. Der Name? An dieser Adresse wird wohl jedes Haus "Kommodhaus" heißen.

Nach einer jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzung wird die wahrscheinlich berühmteste Baulücke in Graz wieder bebaut. Die Geschichte des Kommodhauses soll an dieser Stelle nicht in ihren vielen Facetten wieder aufgerollt werden, nur so viel: Ausgerechnet im Kulturhauptstadt-Jahr 2003 wurde das Kommodhaus mit dem beliebten, Namen gebenden Lokal, in dem auch viele Künstler verkehrten, unter teils heftigen Protesten abgerissen. Nach jahrelanger Vernachlässigung durch wechselnde Besitzer hielt der damalige Eigentümer Reinhard Hohenberg schlussendlich einen rechtsgültigen Abbruchbescheid in den Händen und das Biedermeierhaus aus dem Jahr 1819 war Geschichte. Eines wurde durch die rechtskonforme, aber ethisch fragwürdige Praxis (das Kommodhaus war nur der Höhepunkt mehrerer umstrittener Abbrüche der vorangegangenen Jahre) auf jeden Fall erreicht: die Sensibilisierung der Öffentlichkeit (und als Folge davon auch der Politik) für das baukulturelle Erbe der Stadt, auch abseits einiger weniger Tourismusattraktionen.

Einzelnen Stimmen forderten prompt die Rekonstruktion der Fassade, was aber, wie unter anderem Christian Andexer anmerkte, nichts als ein pseudohistorisches "absurdes Theater" gewesen wäre. Die Lücke sollte mit hochwertiger zeitgenössischer Architektur gefüllt werden. Vom Eigentümer WEGRAZ wurde ein geladener internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben, aus dem 2004 die britisch-irakische Architektin Zaha Hadid und ihr Partner Patrick Schumacher als Sieger hervorgingen. Der nicht unumstrittene Entwurf – Eilfried Huth etwa bezeichnete das siebengeschoßige Gebäude wortgewandt als einen „Strudelauflauf mit Fettaugen“ und Herbert Missoni ortete nicht unberechtigt eine "Überdimensionalität" – sah in Erdgeschoß, Mezzanin und Untergeschoß verschiedene Gastronomienutzungen und in den Obergeschoßen ein Boardinghouse (ein Apartment-Hotel für länger verweilende Gäste) vor.

Letzte Woche war es schließlich so weit und die WEGRAZ reichte die Pläne bei der Baubehörde ein. Geschäftsführer Dieter Johs erwartet die Baugenehmigung im ersten Quartal des kommenden Jahres und hofft, das Gebäude bis Ende 2013 eröffnen zu können. Der, aufgrund seiner nicht gerade zurückhaltenden Fassade, polarisierende Entwurf wurde in Abstimmung mit der ASVK vom Büro Hadid und deren Innsbrucker Partnerbüro Malojer mehrfach adaptiert, insbesondere auch der Anschluss an die beiden Nachbargebäude. Positiv ist hervorzuheben, dass die entwerfenden Architekten selbst für die Veränderungen verantwortlich zeichnen und nicht ein "Hausarchitekt", wie auch Hadid es bei dem Wohnbau in der Wiener Spittelau schmerzhaft zu spüren bekam, von dessen endgültigem Ergebnis sie sich distanzierte.

Aus wirtschaftlicher Sicht verständlich, aus architektonischer aber zu hinterfragen ist jedoch eine mögliche Funktionsänderung: Sollte sich kein Betreiber für das Boardinghouse finden, würden daraus Büro- und Geschäftsflächen. Mag das selbstbewusste, auf die solitäre Wirkung abzielende (und fast an eine etwas zu klein geratene Signature-Architektur erinnernde) Erscheinungsbild für ein Boardinghouse als Visitenkarte einer Architekturstadt angemessen sein, der relativ banalen Funktion von Büroräumen ist es das sicher nicht. Auch die Beibehaltung der Bespielung der Erdgeschoßzone mit öffentlichen Funktionen, wie im Wettbewerb vorgesehen mit Restaurant, Café und einer Bar mit Veranstaltungssaal im Untergeschoß, wäre für die Verortung im sozialen Kontext der Innenstadt wesentlich.

Auch wenn das Projekt ästhetisch vielen gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, es ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, dessen Ausgang zu akzeptieren ist. Frische, auch provozierende Akzente zu setzen, ist eine Aufgabe der Architektur. Auch und besonders im dichten historischen Geflecht der Grazer Altstadt. Vor etwas mehr als acht Jahren wäre man, um darüber zu diskutieren, womöglich bessere Ideen auszutauschen oder auch um sich damit anzufreunden wohl ins Kommod gegangen...

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Aktuelles Rendering des eingereichten Projekts von Zaha Hadid Architects. (Bildrechte: WEGRAZ / Zaha Hadid Architects)
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Der Wettbewerbsentwurf von 2004. (Bildrechte: WEGRAZ / Zaha Hadid Architects)
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Das ehemalige Kommodhaus kurz vor dem Abriss 2003. (Foto: Wenzel Mracek)

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