Schrödingerschule im neuen Gewand

Am 11. Mai 2005 um 10.00 Uhr wurde die vom Grazer Architekten Wolfgang Steinegger erweiter

von ,

10/05/2005

Anne Isopp

Architekturpublizistin

geboren in Köln, studierte sie Architektur in Graz und Delft. Für Magazine, Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachzeitschriften schreibt sie über Architektur. Ihre Artikel erscheinen in deutsch- und englischsprachigen … mehr

Am 11. Mai 2005 um 10.00 Uhr wurde die vom Grazer Architekten Wolfgang Steinegger erweiterte und generalsanierte Schule in der Schrödingerstraße 5, Graz-Lend, feierlich eröffnet.

Vor dem Eingang sollte eigentlich Grünfläche sein. Doch die Lehrer wollten es anders: Der von drei Gebäudearmen umklammerte Vorplatz der Schrödingerschule in Graz-Lend ist und bleibt Parkplatz. Die Schüler hätten ja dahinter einen parkähnlichen Pausenhof, lautete ihre Argumentation. So beginnt die Führung, die Wolfgang Steinegger durch die Höhere Bundeslehranstalt (HBLA) für wirtschaftliche Berufe in der Schrödingerstraße macht, eben zwischen parkenden Autos. In einem EU-weiten Bewerbungsverfahren mit anschließendem Wettbewerb (1999) habe er sich durchsetzen können, erzählt der Grazer Architekt. Die Aufgabe bestand darin, den Altbau aus dem Jahr 1961 generalzusanieren und um einen Klassentrakt zu erweitern. Zwei Jahre hat die rund 10 Millionen Euro teure Baumaßnahme gedauert, am 11. Mai 2005 findet die offizielle Einweihung statt. . Bauherr ist die BIG Bundesimmobiliengesellschaft.

Den Altbau hat Architekt Steinegger mit einem Vollwärmeschutz versehen und in einem leuchtenden Rot angestrichen. Der zweigeschossige Neubau, mit zusätzlichen 3400 Quadratmetern Nutzflächen, ist ein lang gestreckter Baukörper mit einer Fassade aus grünem anodisierten Stahl. Das Obergeschoss scheint durch das fast vollflächig verglaste Untergeschoss in der Luft zu schweben. Nicht nur das grün schimmernde Schuppenkleid des Anbaus erinnert an einen Fisch, auch das zur Schrödingerstraße hin auskragende und seitlich abknickende Ende hat etwas von einer Schwanzflosse. Drehbare Sonnenschutzlamellen vor den eingeschnittenen Fensterbändern schützen vor der Morgensonne.

„Ich wollte einen farblichen und räumlichen Akzent in diese städtebauliche Tristesse setzen“, erläutert der Architekt sein Entwurfskonzept. Nicht nur die komplementäre Farbgebung von Alt und Neu, die in der grauen Umgebung angenehm auffällt, überzeugt, auch der geschickte Umgang mit dem Terrain. Im Bereich des Neubaus wurde das Gelände um ein halbes Geschoss abgesenkt. Lehrküchen und Speisesäle, die im Untergeschoss untergebracht sind, erhalten dadurch hervorragende Aufenthaltsqualitäten. Von der Küche aus blickt man auf die ansteigende Wiese im Osten, von den angrenzenden Speisesälen in den grünen Pausenhof.

Im Erdgeschoss, am Übergang zwischen Alt und Neu, wurde die bestehende Fassade entfernt und durch schlanke Stahlstützen ersetzt. Der großzügige Gangbereich zwischen den Klassen erhält hier durch ein über Kopf liegendes Fensterband Tageslicht.

Wolfgang Steineggers ursprüngliches Konzept, das bestehende, für eine Schule sehr ungewöhnliche, vertikale Erschließungssystem des Altbaus (wie beim Wohnbau sind jedem Treppenhaus pro Geschoss zwei Klassen zugeordnet) in eine Gangerschließung umzubauen, wurde nicht realisiert. Die Schüler müssen weiterhin auf die sinnvolle Querverbindung verzichten.

Als Kunst am Bau Projekt wurde das „Schrödingerfenster“ vom Künstler Richard Kriesche realisiert und bereits am 4. Mai 2005 feierlich enthüllt (GAT berichtete am 2|05|05). Auf einem aus der Fassade kragenden Glaskubus sind in Sandstrahltechnik Formeln eines wieder entdeckten Manuskriptes des österreichischen Quantenphysikers und Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger abgebildet. Der Grazer Künstler will so den Schülern den Namensgeber ihrer Schule näher bringen.

STANDORT

HBLA für wirtschaftliche Berufe

Schrödingerstraße 5

8010 Graz

BAUDATEN

EU-weites Bewerbungsverfahren im Jahr 1999, anschließender Wettbewerb: 1.Preis

Baubeginn Sanierung des Bestandes: 2002

Baubeginn Zubau: 2003

Baufertigstellung: 2004

Auftraggeber:

BIG Bundesimmobiliengesellschaft

vertreten durch BIG-Services

Wartingergasse 43, 8010 Graz

PLANUNG

Arch. DI Wolfgang Steinegger

Sackstraße 12

8010 Graz

T 0316/82 17 30

wsteinegger@aon.at

Projektleiung

Architekturbüro DI Christoph Kaspa

Mitarbeiter: DI Kathrin Böhm, DI Georg Schmelzer

Konsulent: Architekturbüro Heinz Wondra

Statik: DI Johann Birner

Bauphysik: Ao.Univ.-Prof. DI Peter Kautsch

Planungskoordination/Brandschutz: ZT Büro DI Norbert Rabl

KENNDATEN

Nutzfläche gesamt: 7.097 m2

Baukosten exkl. UST

_ Bestand: € 3,76 Mio

_ Neubau: € 5,59 Mio

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Schuppenartige Fassade des Neubaus aus anodisierten Stahlplatten
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Schuppenartige Fassade des Neubaus aus anodisierten Stahlplatten

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