Kopenhagens Butterfly Bridge

Fuß- und Radwegbrücke mit zwei beweglichen Flügeln von Dietmar Feichtinger Architectes.

von ,

24/04/2015

Drei Brückenarme mit unterschiedlichen Zielen greifen nach ihren Ufern. Die Butterfly Bridge ist die Antwort auf eine besondere Umgebung. Drei Uferkanten werden miteinander verbunden. Eine zentralen Plattform über dem Wasser vereint die drei Brückenarme und ermöglicht eine gute Aussicht auf die Kanäle und ihre vor Anker liegenden Boote. Zwei der drei Brückenarme sind öffenbar, um Segelbooten Durchfahrt zu gewähren. Die Rampe hin zum Islands Plads ist ein fixer Arm. Beim Öffnen einer der beiden Flügel bleibt der Weg über den anderen öffenbaren Flügel begehbar. Die offene Position eines Brückenarms unterbricht also nicht die Verbindung über den anderen Kanal. Durch die langen Brückenarme wird eine geringe Steigung überwunden. Die Brücke wird von einer Steuerungskabine aus manövriert.

Struktur

Alle strukturellen Elemente sind aus Stahl gefertigt. Betonfundamente verankern die Brücke sowohl an Land als auch im Wasser. Ankerpfähle fixieren die Betonfundamente unter Wasser. Ein Hohlkasten-Stahlprofil bildet den Mittelträger der Brücke. Während des Öffnens der Brücke funktioniert der Träger als Kragarm, er zeichnet in seiner Ausformulierung die statischen Anforderungen ab. Die maximale Konstruktionshöhe befindet sich vertikal über dem Angriffspunkt der Zylinder am Kragarm. Der Rad- und Gehweg wird durch den Mittelträger der Brücke getrennt. Das Brückendeck wird durch querlaufende, auskragende T-Profile aus Stahl getragen, die im längslaufenden Mittelträger verankert sind. Die Geländersteher aus Flachstahl sind jeweils am Ende dieser Querträger fixiert.

Die zentrale Plattform ist strukturell gesehen ein Tisch, unterstützt von 3 V-förmigen Rundstützen. An diesem Tisch kommt der fixe Brückenarm aus Richtung Islands Plads an, sowie die beiden Öffnungsflügel über Trangraven und Christianshavns Kanal. Pro Brückenarm ermöglichen zwei Höchst Druck Hydraulik Zylinder das Öffnen der Brücke.

Tragkonstruktion

Das Haupttragwerk der stählernen Brücke entspricht einem einstegigen, durchlaufenden Plattenbalken. Der über die gesamte Brücke durchgehende Balkensteg besteht aus einem trapezförmigen, aus Gründen des Korrosionsschutzes luftdicht geschweißten Hohlprofil. Das Brückendeck bildet eine orthogonal-anisotrope Plattenkonstruktion.

Der bewegliche Überbau besteht aus zwei einzelnen Brückenklappen. Ein Gegengewicht zur Unterstützung des Bewegungsvorganges ist nicht vorgesehen. Die lichte Öffnungsbreite beträgt 15 m, die Länge vom Drehpunkt bis zur Klappenspitze beträgt 23,3 m.

Die Breite des Brückenquerschnittes beträgt 7,9m und die Querschnittshöhe variiert am Brückenanfang von 0,5m auf 1,7m an der Verbindungsstelle der Zylinder mit dem Überbau.

Der Längsträger weitet sich von der Drehachse beginnend auf einer Breite von 40cm nach oben hin auf, um über dem Anschlagpunkt des Hydraulikzylinders die statisch wirksame Höhe von 1,7m zu erreichen. Zur Klappenspitze hin nimmt die Konstruktionshöhe dann wieder ab, um in den Regelquerschnitt überzugehen.

Der Anschlagpunkt der Hydraulikzylinder ist etwa 5m von der Drehachse entfernt. Die Drehachse und deren Stützung sind Teil des Mittelpodestes. Die Hydraulikzylinder lagern auf der Pfahlkopfplatte des Mittelpodestes. Im geschlossenen Zustand legt sich die Klappenspitze auf die gegenüberliegende landseitige Brücke auf.

Das statische System der Brückenklappen entspricht im geschlossenem Zustand einem Einfeldbalken mit auf der einen Seite (Plattformseite) eingespannten und auf der anderen Seite (Rampe zum Ufer) gelenkig aufgelagerten Tragwerk. Im Öffnungszustand entspricht die Brückenklappe einem eingespannten Kragarm.

Die Blechdicken sind nach statischen und konstruktiven Erfordernissen abzustufen. Der Hohlkasten wird umlaufend mit einem rechtwinkligen System, bestehend aus Längs- und Querrippen, ausgesteift: Längsrippen aus 150mm-200mm hohen Blechen im Abstand von 400mm, Querträger aus umlaufenden Blechen mit einer variierender Querschnittshöhe von 500mm in der Querschnittsmitte auf 150mm am Querschnittsrand.

An den jeweiligen Brückenenden des beweglichen Überbaus und an den Stützenpositionen der landseitigen Anbindungsrampe wird ein Rechteck-Hohlkasten als Endquerträger vorgesehen.

An der Brückenspitze liegt die Brücke auf beweglichen Elastomerlagern auf und wird durch ein in der Mitte angeordnetes Zentrierungselement beim Bewegungsvorgang in die richtige Lage gebracht. Zur Abpufferung beim Schließen der Brücke werden zwei Oleo-Puffer neben den Elastomerlagern vorgesehen.

Die Elastomerlager, das Zentrierungselement und die Puffer sind auf einem Konsolträger am festen Teil der Brücke befestigt.

Die landseitige Anbindung entspricht dem Regelquerschnitt mit einer Stützweite von 7,80 m sowie einer Auskragung von 2,60 m. Wasserseitig lagert der Überbau auf dem V-Stahlstützenpaar fest verbunden auf.

Die gesamte landseitige Anbindung wird als sehr leichte und demontierbare Konstruktion ausgeführt, sodass im Falle einer Generalsanierung der bestehenden Uferwände und bei einer angedachten Verbreiterung der Straße auf dem  Damm neben dem Widerlager Nord die landseitige Rampenkonstruktion einfach entfernt und modifiziert werden kann.

Mittelpodest mit landseitiger Anbindung

An dem Mittelpodest befinden sich die zwei Drehlagerachsen sowie eine landseitige Anbindung. Die biegesteif ausgeführte Plattenkonstruktion besteht aus den sich in der Mitte treffenden Mittelstegen der Brücken sowie einem umlaufenden Randträger, der die Querschnittsform der Brücke aufnimmt. Der Randträger ist ebenfalls ein Hohlprofil mit einer Konstruktionshöhe von 40cm. Die landseitige Anbindung entspricht dann dem Regelprofil des Überbaus. Direkt unter den Drehachsen, sowie unter der Auflagerung der landseitigen Anbindung befinden sich drei Stützenpaare mit V-förmig angeordneten Stützen. Stützen und Hydraulikzylinder lagern auf einer gemeinsamen Pfahlkopfplatte und bilden somit den Festpunkt der Brücke. Die Lagerung des Überbaus der landseitigen Anbindung am Widerlager erfolgt auf Elastomergleitlagern.

Fuß- und Radwegbrücke über den Christianshavns Kanal und Transgraven in Kopenhagen mit zwei beweglichen Flügeln.

Bauherr: Kommune København

Architektur: Dietmar Feichtinger Architectes

Projektleitung: Ulrike Gabriel

Gesamtlänge: 63m

Länge Öffnungsflügel: 24m

Gesamtbreite: 7.8 m

Planungsbeginn: Juli 2009

Baubeginn: März 2012

Fertigstellung: Jan. 2015

Das Gebäude erscheint im Rahmen der GAT-Serie bauwerk.aktuell – Porträts aktueller Architektur innerhalb und außerhalb Österreichs.

Weiterführende Links

Kopenhagen Butterfly Bridge
Dreiarmige Fuß- und Radwegbrücke über den Christianshavns Kanal und Transgraven in Kopenhagen mit zwei beweglichen Flügeln. © Barbara Feichtinger-Felber
Kopenhagen Butterfly Bridge
Die Flügel werden von einer Steuerungskabine aus manövriert und ... © Barbara Feichtinger-Felber
Kopenhagen Butterfly Bridge
... erlauben die Durchfahrt für Boote. © Barbara Feichtinger-Felber
Kopenhagen Butterfly Bridge
Eine zentrale Plattform vereint die drei Brückenarme. © Barbara Feichtinger-Felber
Kopenhagen Butterfly Bridge
Lageplan. © Barbara Feichtinger-Felber
Kopenhagen Butterfly Bridge
Grundriss. © Christian Lindgren
Kopenhagen Butterfly Bridge
Längsschnitt. © Christian Lindgren
Kopenhagen Butterfly Bridge
Querschnitt. © Christian Lindgren
Kopenhagen Butterfly Bridge
Lageplan. © Dietmar Feichtinger Architectes
Kopenhagen Butterfly Bridge
Grundriss. © Dietmar Feichtinger Architectes
Kopenhagen Butterfly Bridge
Längsschnitt. © Dietmar Feichtinger Architectes
Kopenhagen Butterfly Bridge
Querschnitt. © Dietmar Feichtinger Architectes
Kopenhagen Butterfly Bridge
Steuerungskabine. © Dietmar Feichtinger Architectes

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