Unter den vielen Apostrophierungen von Graz ist die einer grünen Stadt sicher eine derjenigen, die unbestritten zutreffen. Gut die Hälfte des Stadtgebiets ist Grün- und Freiraum, davon wiederum die Hälfte Waldgebiet (Stichwort Grüngürtel). Allerdings ist Graz auch eine stark wachsende Stadt mit 3.000 bis 4.000 neuen Einwohnern pro Jahr und für die wird kräftig gebaut. Unter dem Titel Grünraum-Offensive 2014 präsentierte die Stadt Graz am 28. März 2014 ihre Strategie, um begleitend zur notwendigen – und sinnvollen – Verdichtung das Grünraumangebot für die BewohnerInnen auszuweiten und zu verbessern.
Mit dem 2013 präsentierten 4.0 Stadtentwicklungskonzept (4.0 STEK) wurde eine Studie zur Freiflächenausstattung in Graz erstellt und eine Mindestfläche an öffentlichem Freiraum pro EinwohnerIn definiert. Der Wert variiert je nach Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur zwischen 3 m2/EW in Einfamilienhausgebieten und 10 m2/EW in dicht verbautem Stadtgebiet. Die Auswertung ergab vor allem in den Bezirken Lend, Gries und Jakomini, wo hohe Bevölkerungsdichte und hohes Wachstum wenigen unverbauten Flächen gegenüberstehen, einen erhöhten Handlungsbedarf um dieses bewusst hochgesteckte Ziel zu erreichen.
Unter Leitung von Stadtplanungschef Bernhard Inninger und dem Leiter der Abteilung für Grünraum und Gewässer Robert Wiener wurden eine Strategie zur langfristigen Grünraumsicherung und deren Qualifizierung erarbeitet, sowie Prioritäten festgelegt (dicht verbaute Stadtteile, hoher Kinder- und Jugendanteil, starkes Wachstum). Die Maßnahmen bestehen sowohl aus Ankauf, Pacht oder Miete von Flächen durch die Stadt als auch in der besseren Gestaltung und Nutzbarmachung von Flächen, die sich bereits in ihrem Eigentum befinden. Für Ankäufe stehen pro Jahr zwei Millionen Euro zur Verfügung; aus zusätzlichen Projektbudgets (z.B. Südgürtel) und vor allem durch raumplanerische Maßnahmen in der Erstellung des 4.0 Flächenwidmungsplanes und privatrechtliche Verträge soll auf „kreative“ Weise das Ziel der Sicherung von insgesamt 45 ha zusätzlichem öffentlichen Grünraum in den nächsten fünf Jahren erreicht werden. Als Beispiel kann hier der bis 2017 fertiggestellte Stadtteilpark im Smart City Quartier nördlich der Helmut-List-Halle dienen: Im Gegenzug für die Wertsteigerung durch die Umwidmung von Industriegebiet zur Wohn- bzw. Mischnutzung verpflichtet sich der Eigentümer zur Errichtung des öffentlichen Parks in enger Abstimmung mit der Stadt. Eine weitere Möglichkeit stellen temporäre Zwischennutzungen dar, wie sie in mehreren deutschen Städten schon länger praktiziert werden. So entsteht auf dem Gelände des zukünftigen Styria-Headquarters gegenüber der Stadthalle für zehn Jahre ein Park für den besonders dichten Bezirk Jakomini.
Als Partner der Stadtplanung fungiert die Holding Graz, die eine der beiden jährlichen Millionen (finanziert aus internen Einsparungen) beisteuert. Für sie ist der Erhalt des städtischen Grünraums aus wasserwirtschaftlicher Sicht wesentlich, um zur Grundwasseranreicherung notwendige Grünflächen nicht durch eine weiter zunehmende Versiegelung zu verlieren. Besonders wichtig sind Maßnahmen gegen die Versiegelung in den Schongebieten der Wasserwerke Andritz und Feldkirchen (siehe auch Grafik). Der geplante Rückbau von teilweise versiegelten Flächen – wie etwa für den Quartierspark Hummelkaserne – spielt als der Aufheizung entgegenwirkender Faktor auch für das klein- und großräumige Stadtklima eine Rolle. Begleitend zum 4.0 STEK wurden zu diesem, aufgrund der speziellen topografischen Situation für Graz besonders relevanten Thema die Ergebnisse der Stadtklimaanalysen seit 1986, die auf Forschungen unter der Leitung von Reinhold Lazar und Wolfgang Sulzer (Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz) basieren, publiziert.
Neben der ästhetischen Qualität sind für zeitgemäße urbane Landschaftsarchitektur soziale und ökologische Faktoren unverzichtbar, um Kommunikation und Interaktion (und damit auch Integration) zu ermöglichen. Denn neben der Quantität geht es vor allem im öffentlichen Raum auch um die Qualität. Und die Schaffung von ausreichendem und qualitativem Grünraum ist für eine wachsende und dichter werdende Stadt keine Kür, sondern Pflicht, wie es Bürgermeister Siegfried Nagl formulierte.




