Architektur vermitteln.

Zeitgenössische Positionen, Methoden und Medien.

Tagung im Rahmen der Museumsakademie Joanneum in Kooperation mit der UNI Liechtenstein

von ,

08/01/2016

Marion Starzacher ist Architektin und Professorin für Technik und Design am Institut für Allgemeinbildende Fächer der Sekundarstufe, an der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Von 2015 bis 2018 war sie Professorin für … mehr

Begrüßung und Einführung

Architektur ausstellen / kuratieren / vermitteln – dies sind die Schlagworte, die im Zuge der Tagung besprochen, beleuchtet und hinterfragt werden. Bereits in der Begrüßung und inhaltlichen Einführung durch Bettina Habsburg-Lothringen, Elke Krasny und Peter Staub wird ersichtlich, wie breit der Bogen im Laufe dieses Tages inhaltlich gespannt wird, so geht es unter anderem um didaktische Formate der Architekturvermittlung – wie Architektur vermittelt werden kann, sodass sie für alle auf Augenhöhe erschlossen werden und verstanden werden kann.

Es geht aber auch um Definitionen, um Verständnis für historische oder zeitgenössische Zusammenhänge – Ausstellungen sind in diesem Fall sehr gute Formate, die dies klar und verständlich zeigen können. In der Museumsdidaktik gibt es das Format der doppelten Beschriftung – je nach Lesekompentenz können sich die Besuchenden mittels zweier Texte inhaltlich beschäftigen – einer einfach und klar mit der wichtigsten Hintergrundinformation versehen, der andere etwas komplexer formuliert. Die Architekturvermittlung ist in Relation zur Kunstvermittlung eine relativ junge Forschung, die sich gerade etabliert – es wird klar, dass Kunstvermittlung anders als Architekturvermittlung zu sehen und didaktisch aufzubereiten ist. Die Architekturvermittlung lebt vom Objekt!

Kurzstatements

Bezogen auf die Genealogie der Ausstellungsstandards, die in der Begrüßung thematisiert worden ist, geht Angelika Fitz mit der Aussage, dass KuratorInnen aktuell bereits die Vermittlung in der Ausstellungskonzeption mitdenken, einen Schritt weiter. Das Gebäude als Ausstellungshülle soll unterstreichen und nicht mit den ausgestellten Objekten konkurrieren. Ausstellungen sollen zudem als räumliche, narrative Erlebnisse geplant und umgesetzt werden. Oftmals sind Architekturausstellungen überfrachtet, bieten wenig Hintergrundinformationen sowie zu viele unterschiedliche Projekte. Was und wie soll ausgestellt und vermittelt werden – diese Fragen von höchster Wichtigkeit dürfen nicht in den Hintergrund geschoben werden, sondern als These an der Spitze stehen.

Barbara Feller betrachtet die Historie der Architekturvermittlung und betont die Wichtigkeit von Netzwerken. Sie gibt aber auch einen Einblick in den Begriff der Baukultur und dessen Bedeutung für die Vermittlung. Es geht dabei nicht um das reine Anschauen von Bauten, sondern vor allem um die Bedeutung der gebauten und somit gestalteten Umwelt und deren ökologische, kulturelle und gesellschaftliche Auswirkung auf den Lebensraum:

– Versiegelung der Oberflächen im Zuge des Ausbaus der Infrastruktur und Siedlungen

– Verödung der Erdgeschoßzonen und somit Verödung von öffentlichen Straßenzonen

– Einkaufszentren an den Stadträndern.

Ziele der Baukulturvermittlung sind neben dem Wecken der Begeisterung für Architektur, der Bewusstseinsbildung für Fragen im Bereich der gebauten Umwelt und das Aufzeigen von Partizipationsmöglichkeiten. Gefördert wird die eigene Meinung und das Äußern von Wünschen aller BewohnerInnen und als wichtiger Punkt Projekte für und mit der jungen Generation. Barbara Feller verweist auch auf die historische Entwicklung von Organisationen, die sich für die Baukultur eingesetzt haben und es noch immer tun: 1903 wurde die Wiener Werkstätte, 1907 die Zentralvereinigung für Architekten, 1909 der Heimatschutz und 1912 der österreichische Werkbund gegründet. Deren historische Medien und Methoden decken sich mit denen, die auch aktuell verwendet werden: 1:1-Ausstellungen, Kleingartenausstellungen, Werkbundausstellungen, offene Ateliers, Publikationen, Vorträge.

Moderierter Dialog I

Im darauffolgenden moderierten Dialog erweitern Marianne Burki und Verena Konrad inhaltlich mit der Vorstellung ihrer Institutionen und der Programmierung der Inhalte. Verena Konrad geht auch konkret auf drei Schwierigkeiten in der Vermittlungsarbeit ein. Einerseits spielen Konkurrenzgedanken zwischen den einzelnen Protagonisten eine wesentliche Rolle, andererseits wirschaftliche Interessen, die sich nicht mit kulturellen decken, wie auch die Schwierigkeit sich zu positionieren.

Moderierter Dialog II

Der zweite moderierte Dialog befasst sich mit dem wissenschaftlichen Output, wo Anh-Linh Ngo auf die Wichtigkeit der Verbindung von bauender und theoretischer Praxis hinweist und anschließend auf die Vermittlung im journalistischen Bereich eingeht, auf die Vorgehensweise hinsichtlich der Projektauswahl, der Finanzierung und er zeigt eine sehr interessante Statistik zur Auflagenzahl renommierter Fachzeitungen, wo neben den verkauften Exemplaren auch die Anzahl der Gratisexemplare aufgelistet wird. Die Kernthemenbereiche der Vermittlung, die er nennt, decken sich mit den schon zuvor genannten und er zeigt somit die Relevanz der Vermittlungstätigkeit in allen zur Verfügung stehenden Medien.

Riklew Rambow beleuchtet die Vermittlung aus dem akademischen Diskurs, aus der Sicht der Studierenden und der Forschenden heraus. Am Beispiel eines konkreten Projekts zeigt er, wie Vermittlung in die Lehre implementiert werden und in der Praxis umgesetzt werden kann. In seiner Tätigkeit spielt die Kommunikation eine große Rolle, die Arten und die Umsetzung, wie Menschen angesprochen werden können. Die Sprache ist eine einfache, verständliche und die Inhalte werden auf einer transparenten Ebene transportiert – immer auf die Zielgruppe zugeschnitten. Allerdings ergeben sich die Fragen, ob alles auf das niedrigste, verständlichste Niveau zugeschnitten werden muss und ob alle abgeholt werden müssen. Besteht somit die Gefahr der Banalisierung der Vermittlungstätigkeit, weil keinerlei Komplexität erlaubt ist?

Diskussion und abschließende Worte

In der Diskussion wird die Herstellung der Vermittlung und die Wissensentwicklung im Vorfeld thematisiert. Ebenso wird ein wichtiger Punkt, nämlich der Unterschied zwischen den Guides und den VermittlerInnen, angesprochen. Die Rezeption aus der Kunstgeschichte ist ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung einer eigenen architektonischen Vermittlungssprache, denn es geht um die Narration, um die Art, wie Geschichte aus NutzerInnen-, aus PlanerInnen oder aus BauherrInnensicht, erzählt wird. ArchitektInnen müssen auch lernen, dass Bilder, Modelle und Pläne nie selbsterklärend sind und dass ein Spannungsfeld zwischen Text und Bild/ Plan herrschen muss, denn das Vermittlungsformat und die Methoden richten sich an die Fragenden.

Ziele werden auch angesprochen: Was wollen die VermittlerInnen erreichen? Es geht über die Bewusstseinsbildung und die reine Teilhabe hinaus, die demokratische Auseinandersetzung mit Bauwerken und das Kennenlernen der Zwänge in Form von Normen, Gesetzen und Vorgabe sind weitere Bereiche der Vermittlung, denn Architektur in all ihren Facetten soll wieder öffentlich werden.

Es geht auch um Strategien der Vermittlung mittels indirekten (Ausstellung) und direkten (Führung) Formaten, des Bereitens einer intellektuellen Ebene für die breite Masse und darum, dass Dinge lustvoll sein müssen, Spass machen und begeistern!

Wünsche und Impulse

Was ein Manko darstellt, kristallisiert sich am Ende der Tagung in der Diskussion heraus. Es gibt zuwenig Evaluierungsmöglichkeiten, kaum Feedback und quantifizierbare Zahlen, aber muss alles evaluiert werden und ist Kultur quantifizierbar?

Es hat sich herausgestellt, dass Netzwerke – das einander Treffen und miteinander Reden – wichtige Dinge sind, die oftmals vernachlässigt werden. Ein öffentlicher Diskurs, regelmäßige Treffen in Form von Tagungen, Workshops, Symposien sind wichtige Instrumente, um Methoden zu diskutieren, Projekte vorzustellen und Thesen zu entwickeln, die in weiterer Folge befruchtend auf das eigene Tun wirken und wieder neue Impulse setzen.

Neue Impulse sind am zweiten Tag in der Exkursion zu ausgewählten Bauwerken Vorarlbergs in sehr anschaulicher und intensiver Weise gesetzt worden. Wiederholungen im Sinne des Austauschs und der Vernetzung sind dringend gefordert!

Veranstaltungsleitung

  • Elke Krasny, Kuratorin und Universitätsprofessorin, Akademie der bildenden Künste Wien (A)
  • Peter Staub, Assoziierter Professor für Architektur und Visuelle Kultur, Institut für Architektur und Raumentwicklung, Universität Liechtenstein (FL)

mit

  • Marianne Burki, Leitung Abteilung Visuelle Künste, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, Bern (CH)
  • Verena Konrad, Direktorin Vorarlberger Architektur Institut, Dornbirn (A)
  • Barbara Feller, Geschäftsführerin Architekturstiftung Österreich, Wien (A)
  • Angelika Fitz, Kulturtheoretikerin, Autorin und Kuratorin, Wien (A)
  • Anh-Linh Ngo, Chefredakteur Architekturzeitschrift ARCH+, Berlin (D)
  • Riklef Rambow, Professor für Architekturkommunikation, Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe (D)

Architektur vermitteln.

Zeitgenössische Positionen, Methoden und Medien.

Tagung im Rahmen der Museumsakademie Joanneum in Kooperation mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein (FL).

Nachlese von Marion Starzacher, Architektur- und Baukulturvermittlerin und Professorin an der KU Linz.

Weiterführende Links

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Tagungsort: Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz © Marion Starzacher
Vaduz
Vaduz © Marion Starzacher
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Peter Straub, Universität Liechtenstein, Begrüßung und Einführung © Marion Starzacher
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Diskussionsrunde © Marion Starzacher

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