Die Projektgemeinschaft Atelier Thomas Pucher und BRAMBERGER architects gewannen den internationalen Wettbewerb für das OIC Headquarter im Königreich Saudi-Arabien - ein Projekt in der Größenordnung der UNO-City in Wien - sowie einen Wohnbauwettbewerb in Estland.
"The Garden and The Tower"
So nennt sich der Entwurf für das neue Headquarter der Organisation of the Islamic Conference (OIC) in Jeddah, Saudi-Arabien, der am 15. Mai zum Sieger eines internationalen zweistufigen Wettbewerbs gekürt wurde. Die Organisation of the Islamic Conference ist eine internationale Organisation mit weltweiter Bedeutung, die sich durch ein modernes Verständnis der islamischen Kultur und Tradition auszeichnet. Mit 57 Mitgliedsstatten ist sie nach den Vereinten Nationen die zweitgrößte Vereinigung weltweit. Das neue Headquarter soll ein Symbol dieses ganzheitlichen Verständnisses von Tradition, Kultur und Modernisierung sein und sich in einer klaren, sichtbaren Form darstellen und so ein globales Zeichen aus Licht für die ganze Welt sein.
Zur ersten Stufe des Wettbewerbs erfolgten 79 Einreichungen. Daraus wählte das Preisgericht, darunter der OIC Präsident Ekmeleddin Ýhsanoðlu, der Bürgermeister von Jeddah Aadill Mohammed Abdul Qadir Faqih, Architekten aus 4 islamischen Ländern und der deutsche Architekt Bodo Rasch, 10 Projekte zur Weiterbearbeitung aus.
Das Siegerprojekt der Projektgemeinschaft Thomas Pucher und BRAMBERGER architects besteht aus zwei Teilen, aus einem vertikalen Turm mit Büros und aus einer Gartenlandschaft, mit Eingangs- und Konferenzbereichen sowie einer großzügige Grünzone zur Erholung und für Repräsentationszwecke.
Die Außenhülle des 160 m hohen Turms – eine Überlagerung von Membranen – wird durch den gezielten Einsatz von natürlichem und künstlichem Licht zu einem überdimensionalen Lichtobjekt und integriert sich so in die umgebende Landschaft. Die großzügig dimensionierte Haupthalle des Turms in Form einer im oberen Segment offenen Kuppel symbolisiert die Wertschätzung gegenüber der antiken islamischen Baukultur.
Das Gestaltungskonzept für den Garten – „Oase und Paradies“ – sieht die Verknüpfung von Innen- und Außenräume zu einer Einheit vor. Fließende Wellen aus Beton und tropfenförmige Wasserbecken bilden die Struktur. Als Vorbild dienten die geometrischen Muster von Sanddünen, die gleichzeitig Boden, Decke und Wand formen.
Die Haupthalle und der Konferenzbereich sind durch großzügige Öffnungen mit dem Garten verbunden. So erhalten die von Wasser und Grün umgebenen Innenräumen bei ausreichendem Tageslicht kühle Luft und Schatten - eine wichtige Maßnahme in der heißen Klimazone Saudi-Arabiens.
Nach Abschluss der Verhandlungen mit der OIC und den zuständigen saudischen Ministern soll noch in diesem Jahr mit der Planung des 50.000 m² großen Konferenz- und Bürogebäudes in Jeddah begonnen werden. Die Baukosten in der Höhe von 92.000.000 USD übernimmt das Königreich Saudi-Arabien.
WETTBEWERBSTEAM:
Architektur und Planung:
Atelier Thomas Pucher & Bramberger architects, Graz
Arch. DI. Thomas Pucher
Arch. DI. Alfred Bramberger
Heidrun Steinhauser; DI FH Martin Mathy; christine Pucher; Georg Auinger; DI FH Petrus Gartler DI Gernot Angerer; DI Daniel Bauer; Erich Ranegger
Tragwerksplanung / Membran: Thomas Lorenz ZT GmbH & Dr. Peter Mandl
FH-Prof. Dr. DI. Thomas Lorenz
DI. Dr. techn. Peter Mandl
DI Nikolaus Obermayer; DI Franz Reichl; DI Herwig Gruss
"The River Goes Wide"
Beim zweiten Wettbewerbserfolg des Grazer Teams handelt es sich um ein Wohnbauprojekt im estnischen Tartu. Der Entwurf wurde am 10. Juni 2006 zum Sieger eines internationalen geladenen Realisierungswettbewerbs gewählt.
Unter Bedachtnahme auf die Lage des Grundstücks in Bezug auf Orientierung, Ausblick und Lärmaufkommen enthält der Entwurf zwei Gebäudetypen: den villenartigen Typus am Fluss und eine urbane Variante für die der Stadt Tartu zugewandten Häuser (s. g. „City-Slabs“). Insgesamt enthalten die Gebäude 444 unterschiedliche Wohneinheiten – die Palette reicht von sehr flexiblen Apartments mit Balkonen bis hin zu Maisonetten mit großzügigen Raumaufteilungen. Die Apartments werden auf Wunsch mit einem offenen Kamin ausgestattet, beinahe alle Wohnungen verfügen über eine Sauna. In jedem Geschoß der Häuser finden sich weite Ausblicke auf die Flusslandschaft oder die Stadt.
Die Gebäude sind einfach und kompakt organisiert: Die Lobby mit Stiegenlauf und schmalem Atrium befindet sich im Zentrum des Gebäudes. Die Apartments sind ringförmig um dieses Zentrum herum angeordnet und in zwei klare Zonen aufgeteilt. Der innere Teil besteht aus einem durchgehenden Servicering. Er beinhaltet die Eingänge, Garderoben, Toiletten, Bäder, Saunas und teilweise die Küchen. Alle Elemente der Infrastruktur sind in diesem Bereich zusammengefasst und bieten so die nötige Distanz zu den Wohnbereichen und eine Barriere zur Lobby. Der äußere Teil verkörpert den weitläufigen Wohnring, der sich zur Sonne und zum Ausblick öffnet. Er bietet flexiblen Raum ohne konstruktive Elemente. So kann jedes Apartment individuell mit leichten Trennwänden gestaltet werden. Der Wohnring ist mit einem umlaufenden Balkonband umgeben. Dieses Band ist unregelmäßig aus der Fassade herausgedreht und verleiht dem Gebäude seine charakteristische Form.
Besonders geachtet wurde auf die Gestaltung des Außenraums. Neben der Flusslandschaft, die in ihrer natürlichen Form integriert wird, befindet sich im Zentrum der Anlage ein großzügiger öffentlicher Platz. Die Räume zwischen den City Slabs und den villenartigen Blöcken enthalten große Grünflächen mit Baumgruppen aus estnischen Baumarten. Es soll der Eindruck entstehen, als stünden die Gebäude auf Lichtungen. Die Baumgruppen bieten die angemessene Distanz zwischen den Gebäuden.
Mit dem Bau der Wohnanlage, die eine Nutzfläche von 29.200 m² umfasst, soll noch Ende dieses Jahres begonnen werden.
Architektur und Planung:
Atelier Thomas Pucher & Bramberger architects
Arch. DI. Thomas Pucher
Arch. DI. Alfred Bramberger
Heidrun Steinhauser; DI FH Martin Mathy; Georg Auinger; Erich Österbauer
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
