Im Rahmen des Europäisches Forum Alpbach 2005 "Europa - Macht und Ohnmacht" in Alpbach in Tirol finden die fünften Alpbacher Architekturgespräche statt. Sie widmen sich von 19. bis 20. August 2005 dem Thema "architektur-aus-bildung".
Am ersten Tag der Alpbacher Architekturgespräche, dem 19. August 2005, wird das ZT-Forum um 17.45 Uhr im Erwin-Schrödinger-Saal eine halbstündige Präsentation der Projekte zur Architekturvermittlung vornehmen. Im nachfolgenden Text können Sie sich bereits vorweg über die zahlreichen Aktivitäten des ZT-Forums informieren.Das ZIVILTECHNIKER-FORUM ist ein von der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten ins Leben gerufener Verein, der sich der Aus- und Weiterbildung, Berufsförderung sowie Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand der Ziviltechniker verpflichtet hat. Ziel aller Aktivitäten des ZT-Forums war und ist es, Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Qualitäten von Raum und gebauter Umwelt zu vermitteln, sie aufmerksam zu machen, ihre kritische Wahrnehmung zu schulen, wie sehr sie täglich, bewusst oder unbewusst, mit Architektur konfrontiert sind.
Zum einem wurde dies bisher im Rahmen von Aktivitäten der regionalen Öffentlichkeitsarbeit versucht - dies zeigen einige Beispiele, wo prozesshaftes Lernen über konkrete Themen und Aufgabenstellungen zur Regionalentwicklung initiiert wurde.
Als erster Schritt einer Bewusstseinsbildung und Motivation nach innen wurden in der Steiermark und in Kärnten sieben ZT-Regionalteams gegründet, welche sich jeweils aus PlanerInnen verschiedener Fachdisziplinen – von der Raumplanung über die Architektur bis zum Siedlungswasserbau – zusammensetzen.
Denn es ist für den Erfolg der Projekte von entscheidender Bedeutung, dass die Aktivitäten des Vereins von den ZiviltechnikerInnen der Region mitgetragen und mittlerweile von ca. 70 PlanerInnen tatkräftig unterstützt werden!
> Cross over – grenzübergreifendes Planen / architektonische Zukunftsbilder für die Grenzregion
Dieses Projekt war eine gemeinsame Initiative der ZT-Regionalteams Graz / Graz-Umgebung und Südsteiermark in Kooperation mit dem Architektenverein Maribor. Bei mehreren PlanerInnentreffen „Graz meets Maribor“ wurde 2003 die Idee geboren, im Rahmen von Ideenwettbewerben an der TU Graz sowie Universität Maribor mit Studenten Projekte zu entwickeln, die zeigen, welche neuen Möglichkeiten sich mit dem EU-Beitritt Sloweniens und dem Wegfall der Grenze Spielfeld / Sentilj für eine Nachnutzung dieses Grenzraumes eröffnen. Wie sollen die Grenzeinrichtungen und dazugehörigen Flächen in Zukunft genutzt werden? Wie werden die benachbarten Regionen Südsteiermark und Podravje zusammenwachsen? An diesem Wettbewerb beteiligten sich mehr als 150 StudentInnen der beiden Universitäten. Bei einer großen Veranstaltung im Juni 2004 präsentierten die StudentInnen, nach Impulsstatements von Stadt- und Regionalplanern, ihre Projekte in einer Ausstellung am Grenzareal, in einem die Autobahn überspannenden, Österreich und Slowenien verbindenden Gebäude. In diesem Rahmen wurden auch die von einer Jury gekürten PreisträgerInnen prämiert.
> Zukunftsregion Oststeiermark – ZT planen mit Kindern und Jugendlichen
Die Projektarbeiten des ZT-Forums zur Architekturvermittlung setzen jedoch meist noch viel früher an: So waren bei der 2003 / 2004 in der Oststeiermark gestarteten Veranstaltungsreihe „Zukunftsregion Oststeiermark – ZT planen mit Kindern und Jugendlichen“ SchülerInnen im Alter von 8 – 16 Jahren aufgerufen, zunächst in fünf focus groups in den Bezirksstädten Feldbach, Fürstenfeld, Gleisdorf, Hartberg und Weiz ihre Sehnsüchte, Bedürfnisse und Wünsche zur Entwicklung ihres Lebensraumes zu formulieren. Gibt es genügend Raum? Welche Räume brauchen Kinder und Jugendliche? Wie muss Infrastruktur (öffentlicher Verkehr, Straßen, Geh- und Radwege, Parkplätze etc.) beschaffen sein, um Kindern zu genügen? Welche baulichen Qualitäten (Schulen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Sportstätten etc.) wünschen sich Kinder? Welche ästhetischen Maßstäbe setzten Kinder bei der Beurteilung ihres Lebensraumes, welche Bedeutung hat für sie die Ökologie ihres Lebensraumes?
Bei den focus groups sprudelte die Kreativität nur so - es wurden Ideenskizzen entworfen, Projekte entwickelt und mit Unterstützung der ZT des oststeirischen Regionalteams in der Schule weiterbearbeitet. Die Ergebnisse wurden schließlich im Rahmen der Schlussveranstaltung im April 2004 wieder von den SchülerInnen selbst präsentiert.
PROJEKTPRÄSENTATIONEN MIT SCHÜLERN, LEHRERN UND POLITIKERN
Zu allen Projektpräsentationen werden nicht nur die teilnehmenden SchülerInnen mit ihren betreuenden PädagogInnen eingeladen, sondern auch alle Kommunalpolitiker der Region, interessierte Öffentlichkeit, Repräsentanten von Tourismusverbänden, das EU-Regionalmanagement, als Ehrengäste beispielswiese der Präsident des Landesschulrates für Steiermark HR Dr. Horst Lattinger oder die zuständige Landesrätin für Jugend und Familie Dr. Kristina Edlinger-Ploder, und natürlich – ganz wichtig, um den Kindern und Jugendlichen noch mehr Stimme und Öffentlichkeit zu geben – Presse! Für die Kinder und Jugendlichen bietet das ZT-Forum als Danke für´s Mitmachen ein atttraktives Rahmenprogramm mit Pantomime-Darbietungen und Jugendband. Ziel ist es jeweils, dass die präsentierten Ideen und Projekte nicht im Sande verlaufen, sondern weiterverfolgt werden - einzelne wurden bereits tatsächlich realisiert.
> Zukunftsregion Voitsberg – die Zeit nach der Kohle...
Auch das ZT-Regionalteam Weststeiermark wählte als Thema für eine Veranstaltungsreihe ein regional brisantes: Unter dem Motto „Zukunftsregion Voitsberg – die Zeit nach der Kohle...“ wurden SchülerInnen im Alter zwischen 8 und 16 Jahren in Workshops gebeten, Zukunftsvisionen und Projekte zu entwickeln. Der Kohleabbau wird in absehbarer Zeit stillgelegt – die Nachnutzung dieses riesigen Bergbauareals stellt aber auch eine große Zukunftschance für die Region dar. Die Gestaltung eines Freizeitparkes wurde zur Diskussion gestellt – welche Räume wünschen sich Kinder und Jugendliche? Die Ideen reichten vom Labyrinth für alle Sinne über eine Multifunktionshalle bis zur touristischen Nutzung des Zigöllerkogels und wurden von den SchülerInnen im März 2005 eindrucksvoll präsentiert.
> wasser.wasser.wasser – zukunft.zukunft.zukunft / Kinder und Jugendliche planen ihren Lebensraum
Mit dem Lebensraum „Wasser“ beschäftigten sich ca. 170 Kinder und Jugendliche im Rahmen der Projektreihe „wasser.wasser.wasser – zukunft.zukunft.zukunft / Kinder und Jugendliche planen ihren Lebensraum“.
An dieser Projektreihe beteiligten sich 20 Schulen des Bezirkes Liezen. Zuerst wurden Workshops mit Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen „Wirtschaftliche Nutzung“, „Wasser und die Qualität der Umwelt“, „Freizeit und Tourismus“ sowie „Bauten rund um´s Wasser“ veranstaltet. Die Schlussveranstaltung fand im Juni 2005 als Rahmenprogramm zur Landesausstellung „Narren & Visionäre“ statt – mit Modellen, Plänen, Skizzen, Scetches und Tanzperformances. Bei der Projektpräsentation waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt!
> Der Architekt kommt an die Schule
Neben diesen Aktivitäten mit sehr starkem regionalen Bezug und entsprechender inhaltlicher Aufgabenstellung begann das ZT-Forum bereits 1997, in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturservice (heute Austria KulturKontakt) unter dem Titel „Der Architekt kommt an die Schule“ Projekte zu fördern, in deren Rahmen ArchitektInnen eine kritische Auseinandersetzung der SchülerInnen mit gebauter Umwelt vermitteln.
Hierzu wurden so genannte Dialogveranstaltungen durchgeführt, bei welchen der Architekt im Zuge eines praxisnahen Projektunterrichts architektonische Grundbegriffe thematisierte und in Form eines lebendigen Dialoges mit den SchülerInnen Fragen des Bauens und Wohnens sowie Aspekte von Raum (Funktion und Form) erörterte und diskutierte.
REGELMÄSSIGER ERFAHRUNGSAUSTAUSCH
Alle in der Vermittlungsarbeit tätigen ArchitektInnen wurden vom ZT-Forum regelmäßig zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen, um aufgrund ihrer Berichte sowie dem Feedback der betreuenden PädagogInnen Projekte weiterentwickeln zu können.
Ebenso haben die Salzburger Architekten Thomas Forsthuber und Christian Schmirl ihr Modell prozesshafter Architekturvermittlung und die in der 1999 vom Berufsverband der Österreichischen Kunst- und Werkerzieher herausgegebenen Broschüre „Raum: Denken, Fühlen, Bauen“ dokumentierten Projekte im Rahmen eines Seminars im ZT-FORUM näher gebracht.
Auch aus der Förderung der von Barbara Feller initiierten Projektreihe „RaumGestalten“ (seit 2001) resultierten viele neue Projektideen und – ansätze für die Arbeit in der Steiermark und in Kärnten
> Architektur mit allen Sinnen
2002 mündeten diese Erfahrungen in das Projekt „Architektur mit allen Sinnen“. Es wurden den Schulen nunmehr neben Dialogveranstaltungen vor allem auch Architekturführungen / Exkursionen sowie Blocklehrveranstaltungen / Semesterprojekte und Projektwochen angeboten, welche über einen Zeitraum von max. 25 Stunden von einem Architekten fachlich begleitet werden. Diese längeren Lehrveranstaltungen ermöglichen es, ein architektonisches Thema umfassend zu behandeln. Es sollen prozesshaft Projekte entstehen, nach Recherche und Analyse werden Gestaltungsideen zeichnerisch festgehalten oder am Modell dargestellt. Den Projektabschluss bildet auch hier eine öffentliche Präsentation der Arbeit (Ausstellung, Internet etc.), um die SchülerInnen zusätzlich zu motivieren.
> Graz 2003 – Kulturhauptstadt hautnah erleben / Architekturführungen für Schulklassen
Als Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas war, lag es nahe, auch den Schulen der Steiermark die neuen Bauten der Kulturhauptstadt näher zu bringen: der Folder „Graz 2003 – Kulturhauptstadt hautnah erleben / Architekturführungen für Schulklassen“ schlug den Schulen Exkursionen im Zeitausmaß zwischen zwei und vier Stunden vor sowie dementsprechende Musterrouten für die Besichtigung (der Baustelle) des Kunsthauses, der Murinsel, der Helmut-List-Halle, der Stadthalle, des Literaturhauses sowie des Kindermuseums. Die Nachfrage der steirischen Schulen überraschte selbst den Veranstalter, denn an manchen Tagen wollten bis zu 10 Schulklassen die Kulturhauptstadt hautnah erleben... Ein Team von mehreren ArchitekturvermittlerInnen – allen voran Karin Tschavgova-Wondra, bekannt als Kritikerin und Publizistin in Presse und Fachzeitschriften – war im Einsatz und führte auch Gruppen von ZiviltechnikerInnen (Büroausflug einmal anders) sowie sonstige Fachgruppen aus dem In- und Ausland durch Graz.
PROJEKTPARTNER UND SPONSOREN
Neben den Hauptprojektpartnern des ZT-Forums ÖKS (heute Austria KulturKontakt) sowie den Landesschulräte für Steiermark und Kärnten, über die die Aktivitäten des ZT-Forums kommunizieren werden - jeder Folder wird, bevor er in Druck geht, dem Landesschulrat und den zuständigen Fachinspektoren für Kunst- und Werkerziehung präsentiert und auf etwaige inhaltliche / organisatorische Anregungen seitens der PädagogInnen reagiert und an die Schulen versendet – konnte das ZT-Forum im Laufe der Jahre noch weitere Projektpartner und Sponsoren gewinnen: Die Wirtschaftskammer Steiermark und proHolz Steiermark, seit 2005 kooperiert das ZT-Forum mit Frida & freD – dem Grazer Kindermuseum, dem taO! Theater am Ortweinplatz und dem Kunsthaus Graz und nutzt die Architektur der Räumlichkeiten dieser Institutionen für seine Aktivitäten – nach dem Motto „Raus aus der Schule!“ Der Raum unterstützt überdies das Lernziel der neuen Angebotspalette des ZT-Forums.
> „RAUM spüren – (be)greifen – bauen“
Das jüngste Produkt im Rahmen von Architekturvermittlung an Schulen ist der eben erst erschienene Folder „RAUM spüren – (be)greifen – bauen“, welcher 8 Module mit einer Dauer zwischen 4 und 15 Schulstunden vorstellt, die die Raumwahrnehmung sinnlich und haptisch vermitteln. So wird der Raum beispielsweise im Modul „Raumwerkstatt“ kriechend erschlossen, im Dunkeln ertastet, mit allen Sinnen erfasst. Über eine sprachliche Auseinandersetzung und das Festhalten des Raumeindrucks mitttels Skizze, gemaltem Bild oder Nachbau mit unterschiedlichen Werkstoffen wird Raum bewusst gemacht.
Beim Modul „Gut platziert!“ wird ein Platz mit Hilfe von Fragekärtchen untersucht. In Form eines Frage-Antwort-Spiels mit den Schülern werden platzbildende Elemente ausgemacht: Höhen, Größenverhältnisse und Entfernungen werden eingeschätzt, Bewegungsabläufe und Funktionen analysiert, Oberflächen und Materialien bewertet. Es wird geschaut, gelauscht und gerochen. Qualitäten und Schwächen des öffentlichen Raumes werden unmittelbar und sinnlich erkannt.
Ebenso spüren die Kinder und Jugendlichen beim Modul „Mein geheimer Wohlfühlplatz“ ihren persönlichen Wohlfühlplatz intuitiv auf. Auch hier geht es um´s Hinschauen, Einfühlen, Entdecken und Setzen von Maßnahmen, die notwendig sind, um einen Ort zum Wohlfühlplatz zu machen. Lernziel ist das Wahrnehmen und Verbalisieren eigener Bedürfnisse in Bezug zum umgebenden Raum.
Seit 2005 wird den Schulen eine nach der Dauer der Module gestaffelte Kostenbeteiligung in Rechnung gestellt, deren Höhe bei einer geschätzten Klassengröße von 20 SchülerInnen EURO 1,- pro Kind und Stunde beträgt.
Für die Durchführung dieser Module wird bis zum Herbst 2005 ein Arbeitskoffer mit Materialien gefüllt, ebenso werden Inhalte und Ablauf der einzelnen Module durch eine Beschreibung / Power-Point-Präsentation dokumentiert. Diese Lehrbehelfe dienen allen ArchitekturvermittlerInnen und werden auch im Rahmen von Seminaren für PädagogInnen (im September 2005 für alle Grundschulen / im November 2005 für alle Höheren Schulen) in Kooperation mit dem Pädagogischen Institut des Bundes vorgestellt.
Die Module „RAUM spüren – (be)greifen - bauen“ stellen eine evaluierte Auswahl aus „RaumGestalten“ sowie einzelnen in der Steiermark und in Kärnten durchgeführten Projekten dar, aus welchen die Schulen nun wählen können. .... das ZT-Forum freut sich schon auf weitere spannende Projekte!
(Text: Pia Frühwirt, ZT-FORUM für Ausbildung, Berufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit)











