Zone 101: Bericht vom Roten Teppich

Ein Bericht zur Abschlussveranstaltung des Projektes Zone 101 – Kunst im öffentlichen Raum, von Studierenden des Institutes für Zeitgenössische Kunst der TU Graz, unter d

06/02/2007

Ein Bericht zur Abschlussveranstaltung des Projektes Zone 101 – Kunst im öffentlichen Raum.

Studierende des Institutes für Zeitgenössische Kunst der TU Graz zeigten ihre Arbeiten in und um die Straßenbahnen der Stadt Graz, die sie im Rahmen der Lehrveranstaltung „Kunst und Öffentlichkeit“ unter der Leitung von Nicole Pruckermayr und Hans Kupelwieser, entworfen hatten.

Von der ursprünglichen Idee, alle Aktionen in Straßenbahnen der Zone 101 stattfinden zu lassen, musste sich das IZK leider verabschieden, denn da machten die Grazer Verkehrsbetriebe trotz frühzeitiger Einbindung dann doch nicht mit. Und so bekamen die Studierenden gleich einen guten Einblick in die Tücken des Arbeitens im öffentlichen Raum und die Auseinandersetzung mit Institutionen. Von den insgesamt 13 Projekten konnten gerade einmal drei offiziell in Bahnen gezeigt werden, die Restlichen wurden an Haltestellen verlegt oder – Gott sei Dank - kurzerhand illegal umgesetzt. Die Bandbreite der Projekte reichte von skulpturalen Elementen bis hin zu interaktiven Kurzinterventionen.

Die Arbeit „Hänsel und Gretel“ etwa lenkt auf ironisierende Art und Weise das Augenmerk auf den „chaotischen Raum“ des Jakominiplatzes, wie Erasmusstudent Fabian Ondrej feststellt. Wie kommt man hier bloß wieder raus? Seine Papp-Gretel kniet erschöpft am Fuße einer Haltestelle, während Hänsel auf einem Vordach stehend über die Köpfe der Wartenden hinweg nach einem Ausweg Ausschau hält. Die Arbeit „ACHTUNG! Koffer“ hingegen, ein aus Beton gegossener Koffer neben einer Wartebank, verweist auf das Thema Mobilität und weckt zugleich Assoziationen zu Bombenkoffern auf Bahn- und Flughäfen. Die Reaktionen der Passanten waren so facettenreich wie die Arbeiten selbst. Den roten Teppich an einem Straßenbahneinstieg, der den normalen Bürger zum privilegierten Fahrgast machen sollte, nahmen die Fahrgäste irritiert und unter sanftem Druck eines livrierten Pagen an. Diese Installation funktionierte auch umgekehrt wunderbar, so warteten Jugendliche ungeduldig aber vergeblich auf die Ankunft eines Celebrity...

Eine besonders poetische Installation wurde gegen Ende der Abschlussveranstaltung Zone 101 im Bereich Haltestelle St. Peter vorgestellt. Für „SI“ mappte Kristina Demund die Weltkarte auf den Stadtplan von Graz und so wurde z.B. aus dem Geidorfplatz Südsibirien und die Haltstelle St. Peter zu Serbien. Auch wenn die ursprüngliche Idee, die Strecken zwischen den Haltestellen mit entsprechenden Volksliedern über Lautsprecher in den Wagen zu bespielen so nicht realisiert werden konnte, war die modifizierte Arbeit in ihrer Einfachheit von großer Eindrücklichkeit: Der Originaltext eines serbischen Liebesliedes wurde mit Buchstaben aus Klebeband auf das Glas der Haltestelle aufgebracht.

Der Studentin (mit deutschem Pass) wurde noch vor Ort mitgeteilt, dass sie mit einer Anzeige zu rechnen hätte: „So was können Sie vielleicht in Deutschland machen!“ Bleibt zu hoffen, dass die Behörden inzwischen ein Einsehen hatten – und JA! – so was kann man vielleicht auch in Deutschland machen.

Eine wirklich gelungene Veranstaltung. Es empfiehlt sich, die Dokumentation sämtlicher Arbeiten auf der Homepage des IZK anzuschauen.Kunst und Öffentlichkeit WS 2006/07

"Zone 101"

Institut für zeitgenössischer Kunst, TU Graz

Projketleitung: Nicole Pruckermayr, Hans Kupelwieser

Mitarbeit: Ruby Sircar, Renate Mihatsch

Beteiligte Studierende: David Gerstl, Annika Kingl, Matthias Kügler | Birgit Schiretz | Lucie Sura | Patxi Gomez Lopez, David Martinez Garcia, Enrique Javier Orti Lopez | Fabian Ondrej| Eva Zangerle, Stefan Franz Mayer | Maria do Carmo Montalvao, Tomas Bonifacio | Ines Seethaler, Letitzia Mirandola | Nina Kolowratnik, Peter Leidlmayer, Eva Mair, Markus Pendlmayr | Hakon Berger, Veronica Gallego | Ludovic Maurel, Ines Delic | Kristina Demund

Verfasser/in:
Anke Strittmatter, Bericht

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