Vom „Marktplatz der Verständigung“ zu mehr kommunikativen urbanen Räumen
Die Organisatoren der „Planungswerkstatt. Zeit für Graz“ betrachten ihr Vorhaben, Anstöße zur qualitativen Verbesserung des städtischen Wohnumfeldes zu geben, als großteils gelungen. Tatsächlich wurde seit September 2006 bei den 17 Innovationswerkstätten in den einzelnen Bezirken mit insgesamt rund 1000 Teilnehmern eine enorme Fülle an Ideen, Entwürfen und konkreten Lösungsvorschlägen gesammelt. „Das Ziel war es schließlich“, so der für die Stadtplanung zuständige Stadtrat DI Dr. Gerhard Rüsch, „nicht fertige Planungen von oben zu verordnen, sondern die Vorschläge der Bevölkerung einzuholen. Nicht immer wird Übereinstimmung erzielt werden, aber der Dialog selbst ist ein sehr wichtiger Prozess.“
Die Besonderheit der nach einem Baseler Modell erstellten Bürgerbeteiligung besteht eben darin, dass es für die Mitsprache der Bürger nicht genügt, Kritik an bestehenden Zuständen zu äußern, sondern konkrete Lösungsansätze in die Diskussion einzubringen sind. Diese sollen bei den Regierungsverhandlungen nach den Grazer Wahlen zu Anfang 2008 Berücksichtigung finden.
In einem weiteren Schritt wurden daher Anfang Februar die gesammelten Ideen und Konzepte im Rahmen einer Klausur im Franziskanerkloster thematisch „geclustert“ und für die bevorstehenden Konsenskonferenzen vorbereitet. Zusätzlich werden zurzeit zwei Begleitprozesse mit Jugendlichen und MigrantInnen abgehalten, da die Beteiligung dieser Gruppen an den Werkstätten nicht repräsentativ war, wie die Projektleiterin Mag. Doris Kampus betonte.
Bis zum Beginn der Konsenskonferenzen werden die Ideen nach stadtteilspezifischen Kriterien in elf übergreifenden Punkten zusammengefasst, über deren Umsetzungspotenzial dann engagierte Bürger gemeinsam mit Beamten und Experten diskutieren werden. Neben den Dauerbrennern Verkehr und Umwelt haben sich doch einige aus Sicht der Stadtplanung bereits sehr konkrete Punkte herausgeschält, mit denen auch Rüsch in dieser Form nicht gerechnet hatte. Ein vielfach geäußerter Wunsch besteht nach einer Fortsetzung der Neugestaltung der Murufer und die Ausweitung der Uferpromenaden. Dabei wird die Flusslandschaft nicht – wie man zunächst vermuten könnte –als Biotop im urbanen Umfeld betrachtet, sondern als potenzieller sozialer Begegnungsraum. Auch in den übrigen Stadtteilen wird der offensichtliche Mangel an öffentlichen Räumen, die der Kommunikation in der Nachbarschaft dienen, so wie auch kultureller Zentren und Spielplätze, beklagt. In einigen Bezirken wurden von den Bürgern Entwürfe für die Schaffung bzw. Neugestaltung entsprechender Plätze entwickelt. In einem Bespiel wurde vorgeschlagen, die Verkaufsstände am Geidorfplatz auf die Innenseite zu orientieren und damit einen kommunikativen Ort für die Bewohner des Bezirks zu schaffen.
Allerdings ist die politische Harmonie in Bezug auf das ambitionierte Projekt, das noch bis Jahresende weiterlaufen und insgesamt etwa 600.000 Euro kosten wird, nicht ungetrübt. Während Rüsch davon überzeugt ist, „dass das Geld sehr sinnvoll angelegt ist“, äußert sich die SP-Gemeinderätin Dagmar Krampl nach wie vor sehr kritisch: „Es ist zuwenig an wirklich Neuem herausgekommen und die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt nicht.“ Außerdem seien die Ideen nicht konkret genug und vieles sei schlicht unfinanzierbar. Von Seiten der KP, die von Beginn für das Projekt gestimmt hatte, will Josef Schmalhardt „dem Projekt eine Chance geben“ und wie bisher in seiner kritisch beobachtenden Mitarbeit fortfahren. Josef Schiffer
KONTAKT:
Planungswerkstatt Zeit für Graz
Hotline: 0664/100 02 22
- Verfasser/in:
- Josef Schiffer, Bericht
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