Young Blood – I’m a Young „Sloven“ Architect!

Optimismus trotz kritischer Ausgangslage: Eine Ausstellung junger slowenische Architektur im Stadtmuseum Ljubljana.

16/09/2005

Optimismus trotz kritischer Ausgangslage: Eine Ausstellung junger slowenische Architektur im Stadtmuseum Ljubljana.

Nur 40 Kilometer von der steirischen Landeshauptstadt entfernt, stellt Slowenien auch ein Jahr nach der EU-Erweiterung ein hierzulande nach wie vor unbekanntes Territorium dar – auch in architektonischer Hinsicht. Dass es in Slowenien nach den großen Namen des 20. Jahrhunderts wie Plečnik und Ravnikar auch eine vitale junge Architekturszene gibt, weiß man spätestens seit der Aufsehen erregenden Ausstellung „Sixpack“ im vergangenen Jahr, die unter anderem in London, Buenos Aires, Peking, Houston und in Rotterdam gezeigt wurde. Sixpack präsentierte eine Generation junger ArchitektInnen, die seit der Unabhängigkeit Sloweniens nicht nur mit einem neuen politischen Selbstverständnis aufgewachsen ist, sondern es auch versteht, aktuelle internationale Einflüsse eindrucksvoll in eigene, jüngst realisierte Arbeiten zu integrieren.

Wie rasant sich die junge Architekturszene in Slowenien gegenwärtig entwickelt, dokumentiert zurzeit die Ausstellung „Young Blood – I´m a Young ‚Sloven' architect!“ im Stadtmuseum Ljubljana, welche bereits ein Jahr nach Sixpack weitere junge ArchitektInnen an der Schwelle zur Selbständigkeit vorstellt. Kuratiert vom Center of Central European Architecture in Prag in Kooperation mit den slowenischen Büros AKSL und KUD C3, ist die Ausstellung in Ljubljana bereits die dritte der Serie Young Blood, einer laufenden Bestandsaufnahme junger Architektur aus Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Polen, Ungarn und nicht zuletzt auch Österreich. Wenn auch der nationale Unterton der Ausstellungsreihe in Zeiten globaler Vernetzung und grenzüberschreitender Kooperationen etwas antiquiert erscheinen mag, bietet sich doch Gelegenheit zur kritischen Reflexion der ausstellenden Teams über ihre Selbstbefindlichkeit als ArchitektInnen im eigenen Land.

Dass die Produktionsbedingungen in Slowenien angesichts des nach der politischen Wende rasch etablierten radikalen Kapitalismus – Geiz ist geil – gerade auch für Neueinsteiger kritisch sind, wird durch die aktuelle Ausstellung in Ljubljana eindrucksvoll thematisiert. Die dort gezeigten, speziell für die Ausstellung realisierten Arbeiten bewegen sich wie auch der Großteil weiterer realisierter Projekte der ausstellenden Teams im Bereich des Objektdesigns und der Installation. Die dabei offensichtlich vorhandene Lust an der Gestaltung und der ungebrochene Optimismus, den die Arbeiten trotz trister Ausgangslage versprühen, lassen dabei zuweilen über die Tatsache hinwegsehen, dass mit den zur Schau gestellten Objekten die problematischen Arbeitsbedingungen meist nur beschrieben, soziale und politischen Hintergründe aber selten hinterfragt werden. Eine offensive Haltung wird kaum eingenommen, meist beschränken sich die Arbeiten auf die Illustration des Status Quo – wenn auch auf zuweilen originelle Weise.

Humor zeigen dabei etwa 360-kreativni butik oder die Gruppe ma2:ProstoRož, die zuletzt 2004 als Sieger aus dem internationalen Freiraum-Architektur-Wettbewerb Max on top hervorgegangen sind. In Weiterentwicklung ihrer stadträumlichen Interventionen thematisieren ma2:ProstoRož auch diesmal den öffentlichen Raum, aus gegebenem Anlass die eigene Ausstellung. Den vermeintlichen Mangel an Ausstellungsbesuchern kompensiert das Team mit einer beachtlichen Anzahl von Schuhen, die vor dem Eingang zu Ausstellung Schlange stehen. Dies wäre allerdings gar nicht nötig gewesen: Young Blood war am Eröffnungsabend mehr als gut besucht – Zeichen der lebhaften Architekturszene Sloweniens, die es im Übrigen zu entdecken gilt.

Young Blood – I’m a Young „Sloven“ Architect! Ausstellungsdauer bis 25. September 2005 im Stadtmuseum Ljubljana, Gosposka 15, Ljubljana sowie von 6. Oktober bis 11. Dezember 2005 im CCEA – Center for Central European Architecture, U Pujčovny, Prag.

Verfasser/in:
Fabian Wallmüller, Kommentar
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Irritation im öffentlichen Raum: „The Line“ von ma2:ProstoRoz/ Alenka Korenjak, Ana Celigoj, Masa Cvetko. Dem eklatanten Mangel an Ausstellungsbesuchern wird vor dem Museum durch eine Schlange von Schuhen entgegengewirkt.
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Tischskulptur als Metapher des Weges von der Idee bis zur Umsetzung: „Desk“ von Ursic+Batisic/ Spela Ursic, Nejc Batisic.
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Ode an die Selbstausbeutung von biro M95/ Tina Rugelj, Luka Melon, Marko Tul, Erik Stojanovic Kocjancic. „Being an architect. Works at night. Works for free.”
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„Transparency of Thought“ von Studio U+A+O/ Bozo C. Rozman
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ZOFA Arhitekti/ Daniel Druzeta
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Einblicke in kreative Arbeitsprozesse: AA kultura/ Nina Crljenko, Petra Brank, Marko Apollonio

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