So lautete der provokante Titel einer Podiumsdiskussion im Az W, zu der dieses zusammen mit der BIG am 29.03 2006 eingeladen hatte. Provokanter noch die Zusammensetzung des Podiums: fünf BauträgervertreterInnen, keine ArchitektInnen.
Die Gäste am Podium waren:
Winfried Kallinger, Kallco Bauträger GmbH
Gerhard Kratochwil, BIG
Horst Pöchhacker, Porr AG
Erwin Soravia, Soravia Gruppe
Elisabeth Weihsmann, Wohnungsgenossenschaft Jakomini / Graz
Der provokante Titel schaffte ein volles Az W. Die Liste der Vorurteile wurde zu Beginn noch einmal ausführlich vom Vertreter der einladenden BIG Bundesimmobilien Gesellschaft vorgelesen. Doch danach: eitel Wonne und Sonnenschein. Die anwesenden RepräsentantInnen bedeutender österreichischer Bauträger waren sich einig: ohne ArchitektInnen geht es in ihren Unternehmen nicht. Auf keinen Fall! Gute Architektur kostet – aber sie zahlt sich kommerziell aus.
Ute Woltron und Dietmar Steiner als ModeratorInnen hatten Mühe, die eine oder andere Kritik zu provozieren. Am Podium saßen erfahrene AuftraggeberInnen - im Unterschied zu den oft nur einmal im Leben bauenden privaten BauherrInnen - und deren Erfahrung sagt: ArchitektInnen kosten natürlich Geld und verursachen zusätzliche Kosten. Aber: es geht um langfristige Werte. Erst ArchitektInnen schaffen einen Mehrwert, der die NutzerInnen glücklich macht und die Rendite für die BauherrInnen sichert. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Elisabeth Weihsmann betonte das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen BauherrInnen und ArchitektInnen. Daher beauftragen Bauträger gerne schon bekannte ArchitektInnen. Eine Verbesserung des Verhältnisses könne von einem verstärkten wirtschaftlichen Denken und Agieren der ArchitektInnen unterstützt werden. Die immer höheren Kosten bei Bauvorhaben seien wesentlich durch veränderte Anforderungen und behördliche Auflagen verursacht – nicht etwa durch überhöhte Honorare oder kapriziöse Entwürfe der ArchitektInnen. Schlecht geführte Baustellen mit schlecht bezahlten BauleiterInnen können nach ihrer Erfahrung keine guten Ergebnisse bringen, auch die Qualität der ausführenden Firmen müsse stimmen.
Winfried Kallinger ergänzt: die Qualität der Organisation der Bauträger sei ein wichtiges Kriterium. Eigentlich müssten die BauherrInnen geschult werden, seien sie doch der entscheidende Player im Kraftfeld eines Projektes. Kallco möchte nicht nur mit „alten Hasen“ bauen, sondern neuen Ideen zur Realisierung verhelfen. Es sei Aufgabe der BauherrInnen, für den Erfolg des Bauvorhabens zu sorgen und dafür jeweils eine spezielle Organisationsform zu finden. Jüngeren ArchtitektInnen könnten ja erfahrene PlanerInnen zur Seite gestellt werden.
Für alle anwesenden BauherrInnen ist eine Begleitung des gesamten Bauvorhabens durch das gewählte Architekturbüro und ein permanenter Diskurs zwischen allen Projektpartnern unverzichtbar. Die Trennung von Entwurf und Ausführung bewähre sich nur in Ausnahmefällen.
Allerdings habe sich das Berufsbild der ArchitektInnen verändert, immer mehr und immer
neue Spezialkenntnisse seien erforderlich.
Ein Einwurf von Utz Purr aus dem Publikum schafft Klärung: es sei zwar unmöglich, alles zu beherrschen, aber der/dem Architektin/Architekten als Generalisten und fachlichen Anwalt seiner AuftraggeberInnen obliege die Aufgabe, zumindest alles zu beurteilen. Dafür seien die ArchitektInnen auszubilden. Christoph Pichler ergänzt: ArchitektInnen sind OrganisatorInnen im umfassenden Sinn, sie organisieren Raum, Form und Leben unter den ökonomischen Rahmenbedingungen, die die BauherrInnen zur Verfügung stellen.
Zum Schluss blieb eine entscheidende Frage leider unbeantwortet: Wie schaut es in der rauen Wirklichkeit – nämlich außerhalb des Az W – aus: Unter welchen Konditionen dürfen die von den Bauträgern so geschätzten ArchitektInnen ihre Leistungen erbringen?
