Wow !

Das Schloßberg Hotel in Graz, Kaiser Franz Josef Kai, hat einen neuen Werbeträger. Und was für einen. Eine vergleichende Betrachtung dazu: Tokyo 1999 / Graz 2004

22/09/2004

Wow !

Oktober 1999, Tokyo

Das Asahi-Building ist wahrlich ein schönes Gebäude. Der Sturm jagt den Regen horizontal, im gepeitschten Wasser zucken die Reflexe der Lichter der Mega-Metropole, Fluss, Himmel und Straßenasphalt verschmelzen zu einem tiefschwarzen Bühnenbild für das Schauspiel „Stadt“. In mehreren Ebenen dröhnt, hupt, heult, hetzt der Abendverkehr mit hunderttausenden von Autos mit Millionen von Menschen.

Dann das Asahi. Ein schwarzer, monolithischer Block, scheinbar schwebend auf einem Stufensockel aus leuchtendem Glas. Scharfe Kanten und weiche Flanken. Eingetaucht in diese schwarze Nacht. Und 70, 80 Meter über dem Passanten, monströs und lebendig wie ein Tier, oszilliert in den Nebelschwaden der Abluft einer Klimaanlage „the golden flame on the roof of the granite building“. Erotisch und obszön, von Poesie und Anmut, Installation und Inszenierung, ein Meisterwerk von Phillipe Starck, eine Firmenwerbung.

Ortswechsel.

September 2004, Graz

Das Hotel ist in Graz eines der besten, kein Kunststück bei diesem Angebot. Altstadt, Schloßberg, Murinsel, Kunsthaus, der Fluss und der blaue Himmel über Graz. Schönes Wetter, Beschaulichkeit, Provinz. Dem Hotel gegenüber, in der Sackstraße, ein nicht ganz neuer Neubau, kantig, schnittig, etwas schief, viel Glas, wenig Eleganz. Seit fünf Tagen steht auf dem Dach dieses Hauses ein Werbeobjekt für das Hotel.

Schauen Sie sich dieses Ding selbst an. Vielleicht siebzehn Meter lang, zwei hoch, keilförmig ragt es in den Luftraum der Altstadt. Man würde meinen, auch dieser sei durch Konvolute von Verhinderungsgesetzen geschützt. Oder doch nicht?

Baupolizei, Baurechtsamt, Altstadtsachverständigenkommission, Bundesdenkmalamt, Naturschutz, Tierschutz, Menschenschutz – sind sie gefordert?

Mit Kunst hat dieses Ding nichts zu tun, aber will das Hotel um Spontannächtiger im Gries und im Lendviertel werben? Gibt es dort nicht einschlägige Anbieter?

Dem Gast des guten Hauses ist klar: diese Werbung ist rücksichtslos, primitiv, abstoßend.

Ich wollte, es wäre Nacht und ich in Tokyo.

Heinz Wondra

19.09.2004

www.wondra.at

Verfasser/in:
Heinz Wondra "Freie Meinung"
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2004
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1999

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