Wettbewerb Neubau Mädcheninternat Bad Gleichenberg 101-120

Dokumentation der Projekte 101 bis 120 des offenen, anonymen Architekturwettbewerbs für ein Mädcheninternat in Bad Gleichenberg samt Jurybeurteilungen.

16/09/2004

Offener - Einstufiger - Anonymer - Baukünstlerischer Architekturwettbewerb

Neubau eines Internates für Mädchen - Bad Gleichenberg - Steiermark - Österreich

Dokumentation der Projekte 101-120

Projekt 101:

Die städtebauliche Lösung sowie die architektonische Konzeption dieses Projektes wirken beliebig. Der kreuzförmige Grundriss erzeugt weite Wege. Die Zimmer weisen nicht die gewünschte Zonierung auf.

Projekt 102:

Das Projekt ist klar strukturiert, die Haupterschließung von Süden ist jedoch nicht ideal gelöst. Die drei als solitär formulierten Baukörper nehmen durch ihre innere Erschließung keinen Bezug zur Topographie auf. Hinsichtlich der Zimmerorganisation wird problematisch angemerkt, dass die Sanitärräume von einer sogenannten halböffentlichen Zone erschlossen werden und das Dreibettzimmer ein Hochbett über dem Fenster aufweist.

Projekt 103:

Das Projekt ist strukturell interessant durch die gezahnte Ausführung der Südfassade, mit eingelagertem Vorplatz und Erschließung von Süden her scheinbar gut gelöst. Allerdings wirkt die zusätzliche Halle im Bereich der Anbindung zum Bestand als überzogen und unökonomisch. Die Lösung bezüglich der bestehenden Fluchttreppe des Schulgebäudes ist nicht dargestellt. Die Zimmer sind durch die extrem längs gerichteten Proportionen äußerst problematisch möbliert.

Projekt 104:

Die städtebauliche Anordnung des Baukörpers weist keinerlei Bezug zum Bestand auf. Die Erschließung wirkt unlogisch und umständlich. Der im Süden vorgelagerte Platz mit Sitzstufen wird durch die innere Organisation, die keine innenräumlichen Qualitäten erwarten lässt, völlig negiert. Den Zimmern fehlt die gewünschte Zonierung.

Projekt 105:

Die Idee des kreisförmigen Gebäudes mit dem innenliegenden Lichthof wird durch die eingesetzten Baukörper konterkariert. Weiters wirken die Zimmerlösungen auf Grund der konischen Zuschnitte, die wiederum durch den geringen Durchmesser des Gebäudes bedingt sind, äußerst verkrampft. Die Dreibettlösung fehlt. Die Anordnung der Aufsichtseinheit in einem der innenliegenden Bauteile wird als ungeeignet erachtet. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass einer der beiden Einbauten im Innenhof im Modell nicht dargestellt ist.

Projekt 106:

Proportion und Gestaltung des Baukörpers wirken unverhältnismäßig zum Bestand, die dargestellten Ansichten sind von äußerst fragwürdiger Qualität. Die inneren Raumfolgen lassen jegliche Qualität vermissen, ebenso sind die Zimmergrundrisse durch die linear aufgefädelten Funktionseinheiten und die ungünstigen lang gestreckten Proportionen sehr ungünstig gelöst.

Projekt 107:

Die städtebauliche Anordnung scheint gut gelöst. Die gestalterische Qualität, die das Modell verspricht, wird von der planlichen Darstellung nicht eingelöst. Hinsichtlich der Grundrissorganisation wird kritisch bemerkt, dass zum halböffentlichen Garten die Schlafbereiche der Zimmer angeordnet sind und der beim Stiegenhaus angeordnete Zimmerblock eine Barriere zwischen der Halle und dem Allgemeinbereich der erdgeschossigen Zimmereinheit bildet. Den Zimmern fehlt die gewünschte Zonierung.

Projekt 108:

Die städtebauliche Lösung ist grundsätzlich gut. Der dargestellte Baukörper ist von den mehrfach vorkommenden Innenhoftypen aber bei weitem nicht der überzeugendste. Die innenliegenden Aufenthaltsräume der Zimmer funktionieren belichtungstechnisch nur bei einem Bruchteil der Zimmer.

Projekt 109:

Dieses sehr weitläufige Projekt ist nicht nur unökonomisch, sondern auch hinsichtlich seiner Maßstäblichkeit im Verhältnis zum Bestand äußerst problematisch angelegt. Der Zugang vom nordwestlichen Vorplatz entspricht der großzügigen Gebäudeanlage in keiner Weise und kann in der vorgegebenen Form nicht funktionieren. Die Zimmerorganisation ist ungünstig, da zwei Betten in einem unbelichteten Innenbereich situiert sind.

Projekt 110:

Dieses Projekt ist städtebaulich hinsichtlich Lage und Geste in keiner Weise nachvollziehbar. Die Anbindung vom südlichen Vorplatz ist ungeklärt. Die Erschließung ist äußerst kompliziert und ineffizient. Die im Gebäudezwickel angeordneten Innenhöfe wirken im Verhältnis zur Höhe äußerst eng. Die Zonierung der Zimmer ist ansprechend gelöst, die Möblierungssituation bei Anordnung eines dritten Bettes ist allerdings sehr eng.

Projekt 111:

Das Projekt wirkt städtebaulich als solitär und nimmt keinen Dialog zum Bestand auf. Die Idee der räumlichen Verknüpfungen der Zugangswege von Süden und Norden ist gut gelöst. Allerdings wirkt der Fußweg zum Bestand umständlich und gestalterisch ungelöst. Den Zimmern fehlt die gewünschte Strukturierung.Projekt 112:

Dieses Projekt stellt städtebauliche hinsichtlich der Einbindung des südlichen Vorplatzes eine interessante Lösung dar. Allerdings ist die Auflösung der Zimmereinheiten in drei solitäre Baukörper unpraktisch und ineffizient. Dies schlägt sich auch in eklatanten Überscheitungen der Flächen und Kubaturkennwerte nieder. Bei den Zimmergrundrissen wird die Anordnung der Aufenthaltsbereiche im Nahbereich der Zugänge zu den Sanitärzellen negativ bewertet.

Projekt 113:

Die schleifenartige Grundform des Baukörpers ist an sich spannend und verspricht eine gewisse Dynamik. Leider ist aber die Anordnung am Grundstück städtebaulich unlogisch und ohne Bezug zum Bestand. Weiters wird die organische Form vom vorgelagerten kubischen Foyerbauteil konterkariert. Im Inneren des Gebäudes wird negativ bemerkt, dass an den durch die Form entstehenden interessanten Raumbereichen keine adäquaten innenräumlichen Antworten gefunden werden. Es fehlen die Höhenangaben, insbesondere in Bezug auf den Bestand, ebenso ist kein Dreibettzimmer dargestellt.

Projekt 114:

Die Erschließung dieses Projektes vom südlichen Vorplatz her ist gut gelöst, ebenso verspricht das Gebäude im halböffentlichen Innenbereich, spannende Raumsequenzen. Insgesamt ist der Baukörper aber formal indifferent. Die Dreibettzimmer weisen ein Hochbett und ein Schrankbett auf, für die, über den Sanitäreinheiten angeordneten, Hochbetten ist die Raumhöhe zu gering.

Projekt 115:

Die Drehung des Baukörpers wirkt städtebaulich unbegründet und erzeugt keine außenräumlichen Qualitäten. Die großzügige innen liegende Halle wird von den umliegenden Bereichen kaum genutzt. Der Zweck dieser Halle bleibt fraglich. Der Zugang zu dieser Halle über einen kleinen Windfang im Eckbereich, der vom optional eingezeichneten Lift verdeckt wird, scheint für die dargestellte Halle unterproportioniert. Den Zimmern fehlt die Zonierung.

Projekt 116:

Der Zugang zum Gebäude erfolgt über die obere Erschließung. Das Gebäude selbst ist direkt an der Ecke mit dem Schulbaugebäude verbunden, was zu einer Beeinträchtigung der Vorplatzsituation führt. Es sind vom Vorplatzbereich, der über eine Rampe erschlossen wird, zu viele und nicht differenzierte „Haupteingänge“ angeordnet worden. Die dahinter liegende Hallenlösung ist in ihrer Gestalt als zerrissen zu bezeichnen und weist keine räumlichen Qualitäten auf. Die Zimmer selbst sind gut zoniert und weisen in der Zwei- und Dreibettbelegung die erforderlichen Qualitäten auf. Durch die Anordnung der Haupterschließung im vorderen Bereich des Gebäudes werden allerdings sehr lange und nicht differenzierte Erschließungswege für die Zimmertrakte notwendig. Projekt 117:

Das Objekt hat eine funktionierende Erschließung von oben, die auch eine adäquate Vorfahrt und eine gute städtebauliche Anbindung aufweist. Von dieser Vorplatzsituation erschließt man eine ausreichend große und gut nutzbare Lobby mit anschließenden Gemeinschaftsräumen. Warum ein zweigeschossiger Bettenbaukörper über eine Rampe nach Unten erschlossen werden muss, ist Anbetracht des vorhandenen Geländes nicht nachvollziehbar. Es ergibt keine gut funktionierende städtebauliche Anknüpfung an den Altbestand. Die beiden Baukörper sind lediglich in ihrer Richtung auf dem Altbestand ausgerichtet. Außenräume sind nur teilweise dargestellt. Durch die Unterteilung in zwei Baukörper wird auch die Erschließungssituation für die Schulanbindung ungünstig. Es sind keine Dreibettzimmerbelegungen dargestellt.

Projekt 118:

Die Erschließung des sehr unprätentiös im rechten Winkel zum Hauptgebäude längs aufgestellten Baukörpers erfolgt von oben und lässt mögliche Qualitäten erkennen, die jedoch nicht präzise ausformuliert wurden. Die Erschließung der Halle mit Rampen und einer Stiegenanlage und den nach geschalteten Gemeinschaftsräumen wird als positiv empfunden. Die beiden Zimmertrakte werden durch eine breite, mittlere Erschließungszone, die von Oben belichtet wird, gut erschlossen. Die Anordnung der Zimmer wird durch das Ausklappen des Fassadenelementes für den Aufenthaltsbereich positiv aufgewertet. Die serielle Anordnung der Betten mit dem Kopfende an der Wand, wird jedoch nicht positiv bewertet.Projekt 119:

Den beiden parallel aufgestellten Baukörpern, die in der Anordnung auf dem Grundstück ausschließlich den Höhenschichtlinien folgen und von unten erschlossen werden, fehlt die städtebauliche Anbindung zum Bestand gänzlich. Da die beiden Baukörper durch einen Verbindungsgang zusammengehängt sind, wirken sie in ihrer Anordnung, wie nicht zum Schulensemble gehörig. Auf eine Erschließung von oben wurden gänzlich verzichtet. Durch die Anbindung im unteren Bereich ergeben sich jedoch für die Bewohnerinnen des oberen Bauteils ernorm lange Wege. Die Raumtypen im Zwei- und Dreibettzimmerbereich funktionieren und sind gut zoniert.

Projekt 120 - von der Jury nach dem ersten Bewertungsdurchgang ausgewählt:

Der Baukörper ist kompakt und an den unteren Rand und Anschlusspunkt gelegt. Für die obere

Anknüpfung wird kein Lösungsvorschlag angeboten. Die zusammenhängende Vorfläche, die den Einschluss des Schulbaukörpers bildet (Fluchttreppe des Schulbaukörpers inkludiert) und durch die ein wenig ausgedrehte Stellung des Baukörpers ist ein kaum merkbarer und nicht ausformulierter Bereich als Zwischenraum zur Schule entstanden, der aber unbearbeitet und ungelöst bleibt.

Ein ordentliches gestaltetes Dreibettzimmer und eine klare Lösung des Zweibettzimmers werden angeboten. Ebenfalls eine klare und übersichtliche Lösung der inneren Erschließung. Die Verkehrserschließung und die Anbindung an die Schule sind jedoch nur teilweise gelöst und nicht weiter ausformuliert, was optional noch möglich wäre. Die schematische Grundrissstruktur wird mit einer kompositorischen Fassade beantwortet. Die Reaktion mit Lochfassade entspricht jedoch nicht dem, was hinter den Fassaden stattfindet.

101.jpg
Projekt 101: Manfred Wolff-Plottegg, Architekt, 1040 Wien, Österreich
102.jpg
Projekt 102: more architecture Goltnik ZT-KEG, Vladimir Goltnik, Architekt, 8010 Graz, Österreich
103.jpg
Projekt 103: Erich Wiedeschitz, Architekt, 1050 Wien, Österreich
104.jpg
Projekt 104: bkp Architektur ZT GmbH, 8045 Graz, Österreich
105.jpg
Projekt 105: Klaus Zeinitzer, Architekt, 1090 Wien, Österreich
106.jpg
Projekt 106: Bernhard Hafner, Architekt, 8010 Graz, Österreich
107.jpg
Projekt 107: dreiplus Federspiel ZT KEG, Federspiel.Heil.Hoinkers, 8010 Graz, Österreich
108.jpg
Projekt 108: Martin Strobl, Architekt, 8010 Graz, Österreich
109.jpg
Projekt 109: Michael Kolitsch, Architekt, 8010 Graz, Österreich
110.jpg
Projekt 110: Architekt Liegler ZT GmbH, 1090 Wien, Österreich
111.jpg
Projekt 111: Michael Regner, Architekt, 8010 Graz, Österreich
112.jpg
Projekt 112: Simon Speigner, Architekt, 5303 Thalgau, Österreich
113.jpg
Projekt 113: Johann Unterrainer, Architekt, 1180 Wien, Österreich
114.jpg
Projekt 114: Architekturbox ZT-GmbH, 1040 Wien, Österreich
115.jpg
Projekt 115: Alfred Bramberger, Architekt, 8020 Graz, Österreich
116.jpg
Projekt 116: Anton Hermann Handler, Architekt, 8230 Hartberg, Österreich
117.jpg
Projekt 117: Barbara Hollerer, Architektin, 8020 Graz, Österreich
118.jpg
Projekt 118: Thomas Fichtner, Architekt, 7461 Stadtschlaining, Österreich
119.jpg
Projekt 119: Architektur Consult ZT GmbH, Herfried Peyker, Architekt, 8010 Graz, Österreich
120.jpg
Projekt 120 - von der Jury nach dem ersten Bewertungsdurchgang ausgewählt: Hans Mesnaritsch, Architekt, 8010 Graz, Österreich

Artikelempfehlungen der Redaktion