1999 ist die Kernzone der Grazer Altstadt aufgrund der Vielfalt hervorragender Baukultur aus verschiedenen Stilepochen in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden. Ein Grund zur Freude, da Graz dadurch global positioniert ist.
Ausgelöst durch die „Monitoring Mission“ wegen des Thalia Umbaues entspann sich aber in den letzten Jahren eine verquere Diskussion, die am Beispiel des Siegerprojektes Kastner & Öhler im internationalen, geladenen Wettbewerb der Architekten Nieto/ Sobejano kulminierte. Das Welterbe Komitee, beraten durch Icomos Österreich, verweigert seine Zustimmung und droht mit der Aberkennung des Welterbestatus. Sonst ist aber eigentlich niemand gegen das Projekt, welches qualitativ gesucht und gefunden, von einer internationalen Jury ausgewählt, von der Grazer Altstadtsachverständigenkommission grundsätzlich befürwortet wurde und durchaus auf intelligente Weise im Einklang mit den Zielen des Welterbes steht. Aus Sicht der Architekturschaffenden jedenfalls ein Grund zur Freude.
Wer das Wiener Memorandum liest, stellt fest, dass Baukultur und Welterbe eine gegenseitige Bereicherung darstellen, die nicht mit Polemik diskutabel ist.
Regionale Wirtschaftsfunktionäre stellen aber medial das Welterbe schon in die Abstellkammer der Investorenwelt. Kaufen Gäste und Menschen, die stolz auf die Altstadt sind etwa nichts ein? Auch der ehemalige Kulturstadtrat kann sich den Verzicht eher vorstellen, als die aus einer beträchtlichen Verpflichtung den nachkommenden Generationen gegenüber lebendig zu bewahrende Position zu argumentieren. War das Welterbe etwa nicht gewollt von den Verantwortungsträgern?
Die Diskussion wäre einfach zu lösen. Die Stadt Graz kann auf Basis eines klaren Managementplans eine fachlich kompetente Plattform installieren, die alle relevanten Projekte im Welterbe beobachtet, begleitet und moderiert und zwar parallel zur Entstehung und nicht erst im Nachhinein. Diese Stelle könnte auch die Aufklärungsarbeit nach innen und die Öffentlichkeitsarbeit nach außen übernehmen.
So könnten in Graz vor Ort und in Koordination mit dem Welterbekomitee der UNESCO Architekturprojekte entstehen, die symbiotisch als Aufwertung des Welterbes einzustufen sind. Die Polemik würde in der Abstellkammer der Medien verschwinden und Graz wäre der Gewinner. Noch ist es nicht zu spät.
Titelbild: Schaubild mit dem Siegerprojekt (Arch. Nieto / Sobejano, Madrid) des Kastner & Öhler ArchitekturwettbewerbsDer Artikel "Welterbe Graz" ist auch in der Gazette, September/Dezember ´06 erschienen.
Die Zeitschrift wird vierteljährlich vom HdA Graz herausgegeben.
- Verfasser/in:
- Arch. DI Ulrike Bogensberger, Kommentar
