War sie eine Gruppe oder eine Szene, eine Bewegung oder eine Strömung? Fest steht, dass die „Grazer Schule“ einige außergewöhnliche Bauwerke hinterlassen hat. Fest steht auch, dass mit ihren Schlüsselbauten höchst nachlässig umgegangen wird.
Wie eine geschichtliche Epoche definiert wird, worin sie sich manifestiert und wer ihr zugezählt wird, entscheiden immer Nachkommende. Historiker treffen in wissenschaftlichen ArbeitenFeststellungen über ihren Anfang, ihr Ende und ihre Vertreter, in der Kunst wird eine Ära oft über den Weg einer Retrospektive wissenschaftlich „aufgearbeitet“. Gab es keineInitialzündung, etwa die Bildung einer Vereinigung oder eine kollektive Manifestation, und war einer Bewegung ein unauffälliges Verlöschen bestimmt, so lassen sich Anfang und Ende kaum exakt festmachen.
Fragen bleiben oft, doch äußerst selten lässt sich, wie im Fall der „Grazer Schule“, nicht einmal ein Konsens darüber erzielen, ob sie eine Strömung und Gruppe war oder nicht. Charakteristika einer Gruppenbildung wie eine Lehrerpersönlichkeit, ein präzise zu bestimmender Anlass, eine gemeinsame Theorie oder Stilmerkmale kennzeichnen sie nicht.
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- Verfasser/in:
- Karin Tschavgova; erschienen im Spectrum, Die Presse, am 08.01.2011
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