Nach einer fast zweijährigen Pause, in der die permanente Schausammlung im Erdgeschoss des Grazer Volkskundemuseums zugunsten verschiedener Sonderausstellungen geräumt worden war, wird jetzt nach einem Relaunch das Verhältnis zwischen Mensch und Ding neu ausgelotet. Wohnen – Kleiden – Glauben sind weiterhin die Schwerpunkte der Schausammlung. Das Museum wird dabei als Angebot verstanden, nicht nur über Vergangenes nachzudenken, sondern auch über sich selbst. Die volkskundliche Sammlung setzt nun vor allem im Erdgeschoss, aber auch im ersten Stock neue, auf die Gegenwart bezogene Akzente. Auch wenn der neue museologische Ansatz weit entfernt ist vom historischen Verständnis der Volkskunde in den Zeiten Viktor Gerambs, bleiben Trachtensaal und Rauchstube weiterhin als konstante Größen des Museums in der ursprünglichen Form erhalten und führen damit zum Vergleich frühere Zugangsweisen vor Augen.
Das „Volkskundemuseum revisited“ sucht durch unterschiedliche Lesarten die Bedeutungsebenen der Dinge zu entschlüsseln, ihre Sprache zu dechiffrieren. „Welche Dinge gehören zum kollektiven Alltagsinventar, welche haben es bereits verlassen und welche werden die nächsten sein, die nicht mehr verstanden werden? Welche Erinnerungen werden an Dinge geknüpft, und wie helfen sie bei der Deutung und Strukturierung des (eigenen) Lebens?“, so die Kuratorin Eva Kreissl.
Dazu wird gerade im Entreebereich ein spielerischer Zugang gewählt, der die BesucherInnen zur Reflexion über den eigenen Umgang mit den Dingen anregen und auf die kulturelle Spezifik der Museumssammlung einstimmen will. So wird beispielsweise gleich am Anfang ein 166 Jahre alter Wäschekasten auf zwei verschiedene Arten vorgeführt: Zunächst auf assoziative Weise, mittels einer visuellen Sequenz auf einem Bildschirm, die seiner Verwendung über mehrere Generationen hinweg nachzuspüren sucht und dabei spekulativ Benutzungssituationen nachstellt. Und schließlich auf wissenschaftliche Weise, durch das Bereitstellen einer Fülle von Informationen.
„Im Wohnen werden immer auch Entwürfe von Gesellschaft erkennbar“ (Chombart de Lauwe des französischen Soziologen), so das Motto einer gleichzeitig mit der Schausammlung eröffneten, in den Bereich „Haus und Wohnen“ im ersten Stock des Museums integrierten Sonderausstellung. Die kleine Schau, die Wohnen als Handeln und (Selbst-)Darstellung versteht, ist eine interdisziplinäre Kooperation von Volkskunde/Kulturanthropologie-, Soziologie- und Architektur-Studierenden der Grazer Universitäten. Ihr Titel „Möblierter Sinn“ geht auf das von Elisabeth Katschnig-Fasch 1998 publizierte Buch über städtische Wohn- und Lebensstile zurück, das den Ausgangspunkt gebildet hat.
Volkskundemuseum am Landesmuseum Joanneum
Paulustorgasse 11-13a, 8010 Graz
Di bis So 10.00-17.00 Uhr
T +43 (0)316/8017-9881
Möblierter Sinn
Sonderausstellung im Volkskundemuseum
bis 13. April 2009
Gestaltung: Cornelia Lerchbaumer, Lena Kohl und Georg Wolfmayr
- Verfasser/in:
- Antje Senarclens de Grancy, Empfehlung
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