Die Weiterbearbeitung medial vermittelter Bilder gegenwärtiger Alltagskultur und der Kunstgeschichte sind bezeichnend für das Werk des vor drei Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Michel Majerus (1967–2002).Vor allem die Aneignung und das Sammeln visueller Codes, die einem Lebensgefühl der 1990er-Jahre entstammen, charakterisieren die Inhalte der Arbeiten. Dominante Themen sind Digitalisierung und Techno oder allgemeiner die Phänomene des Oberflächentauchens, die gemeinhin als Lifestyle bezeichnet werden. Majerus greift in diesen Fundus der schnellen Bilder, überträgt die destillierten, transformierten und gesampelten Zeichen in die Malerei und stellt das nicht kaputt zu kritisierende Medium damit den so genannten Neuen Medien gegenüber. Innerhalb von nur zehn Jahren bis zu seinem frühen Tod entstanden ungefähr 2000 Bilder, deren Entwicklung von der Auseinandersetzung mit der „Bildfläche als Arena bei Jackson Pollock, über die Farbräume bei Barnett Newman bis zur Übertragung der Malerei in den Objektbereich der Pop Art“ führt. Majerus fand in den zeichenhaften Phänomenen der Malereigeschichte gleichermaßen sein ikonografisches und kompositorisches Material wie in den jüngsten Phänomenen der Populärkultur, denen er als leidenschaftlicher Computerspieler anhing. Supermario, Spielebenen auf verschiedenen Niveaus und die virtuellen Parallelräume der Computerspiele verbindet er mit der schrillen Polychromie des für ihn wichtigen Disneyfilms „Tron“. In Anlehnung an Techniken musikalischen Sampelns, werden diese Elemente zu rhythmisierten Kompositionen mit serieller Zeichensetzung bis zum Looping gemixt.
Das Kunsthaus Graz zeigt nun die erste Retrospektive des Werks von Michel Majerus in einer als Großinstallation von Peter Pakesch und Günther Holler-Schuster angelegten Ausstellung, die Teile früherer Ausstellungen in Basel, Berlin oder im Grazer Kunstverein zusammenfasst und zitiert. Günther Holler-Schuster nannte diese labyrinthisch anmutende Situation ein „in den realen/analogen Raum übertragenes Computerspiel, das individuelle Möglichkeiten der Navigation durch die Besucher erlaubt“. Und in der Tat trifft man unvermittelt immer wieder auf Supermario, diverse Figuren aus Animationsfilmen oder Fragmente von Werbeklischees, die scheinbar am Rande des Blickfelds vorüberhuschen.
Durch die riesigen Formate und speziell in der kritischen und weitab des White Cubes angesiedelten Architektur des Kunsthauses erfährt die Malerei des Michel Majerus eine Sonderstellung zwischen weiter interpretierter Pop Art und Installation, nicht zufällig also der Ausstellungstitel Installationen 92-02.
Michel Majerus - Installationen 92-02 ist bis zum 16. Mai 2005 in Graz zu sehen und wird anschließend vom Stedelijk Museum Amsterdam übernommen, weitere Stationen sind Hannover und Luxemburg.
Zur Grazer Ausstellung erscheint demnächst ein Katalog mit Fotografien der Installation im Kunsthaus.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, freie Meinung




