Verleihung des Europa Nostra Awards

Am 27.06.2006 erhielten Szyszkowitz-Kowalski in Madrid eine Auszeichnung im Europa Nostra Award für ihr Projekt der langjährigen Umgestaltung des Warenhauses Kastner&Öhle

25/06/2006

Am 27.06.2006 erhielten Szyszkowitz-Kowalski in Madrid eine Auszeichnung im Europa Nostra Award für ihr Projekt der langjährigen Umgestaltung des Warenhauses Kastner&Öhler in Graz.

HM, Her Majesty Queen Sofia of Spain herself, wohnte im Royal Palace of El Pardo in Madrid nicht nur der Zeremonie der Preisverleihung des „EU Prize for Culturel Heritage / Europa Nostra Award (2005)“ bei, sondern verlieh als Präsidentin von Hispania Nostra auch feierlich die Preise. Ob auch der Präsident von Europa Nostra, HRH His Prince Consort of Denmark, an den Feierlichkeiten teilnahm, ist bis dato noch nicht bekannt.

214 Eingänge aus 34 Ländern gab es zur diesjährigen Auswahl der Preise, die seit 2002 unter der Patronanz der EU jährlich für 4 Kategorien der vorbildlichen Konservierung vergeben werden – Erhaltung des architektonischen Erbes, Erhaltung von Kulturlandschaften, Erhaltung von Kunstwerken und Hervorragende Studien. Rund 30 Auszeichnungen in mehreren Abstufungen – Top Prices (10.000.-Euro), Medals und Diplomas – werden verliehen. Graz ist mit dabei - zum 2. Mal in der Geschichte des Preises, nachdem schon 2002 im ersten Preisjahr die Renovierung und der Erweiterungsbau der HNO Klinik des LKH Graz von Ernst Giselbrecht mit einem Diplom ausgezeichnet wurde.

Kastner&Öhler, das traditionsreiche Grazer Warenhaus, und mit ihm die Architekten Szyszkowitz+Kowalski, werden für die sich über viele Jahre erstreckenden Um- und Zubauten und Erweiterungen mit einem Diplom in der Kategorie 1 ausgezeichnet. In ihrer Begründung führt die Jury an, dass es Bauherrn und Architekten vorbildlich gelungen sei, durch Revitalisierung bestehender Bauten und innovatives Design ein Shopping Center in das historische Zentrum der Stadt Graz zu integrieren, das eine Brücke baut zwischen Vergangenheit und Zukunft.

„Die Kunst der Fuge“ betitelte Sokratis Dimitriou 1995 seinen Beitrag in einer Festschrift anlässlich der Fertigstellung der letzten von bis dahin vier Projektstufen zur Neugestaltung des sogenannten Alpenkaufhauses. Tatsächlich ging es seit 1991, als die beiden Architekten mit dem Umbau des Hauptgebäudes von Helmer und Fellner in der Sackstraße betraut wurden, um weit mehr als die Neuordnung und Umgestaltung einzelner Bauten, die das Firmenunternehmen in einer geschickten Ankaufspolitik nach und nach dem Stammhaus zugefügt hatte. Die Bauaufgabe bestand nicht nur darin, unzählige Niveaus und Niveausprünge der heterogenen Bausubstanz aus vier Jahrhunderten zu einer durchgängigen Verkauffläche zusammenzuschließen, sondern darin, den unterschiedlichsten Bauten unter Bewahrung ihrer Eigenheit eine Identität zu geben, die sie als Teil des Gesamtkomplexes des Warenhauses in der Grazer Altstadt ausweisen.

Szyszkowitz+Kowalski ist dies mit einer Reihe gestalterischer Maßnahmen gelungen, die nun, nach sechs Umbauphasen an den Nachbargebäuden in der Sackstraße und den umliegenden Straßenzügen Murgasse und Kaiser-Franz-Josef Kai, auf den ersten Blick verdeutlichen, dass man sich vor einem der zahlreichen Eingänge zum Warenhaus befindet. Es wurde versucht, die Eigenart der Bauten zu erhalten, indem man ihnen eigenständige Funktionen zuwies wie z.B. dem ehemaligen Klarissenkloster in der Murgasse, das zum Haus für junge Mode wurde und - weil es um 1910 eine Jugendstilfassadierung bekommen hatte - im doppeldeutigen Sinn zum Jugend-Stil-Haus wurde. Die einzelnen Funktionsglieder Jugendstil-, Sport- und Medienhaus wurden von den Architekten mit transparenten, leichten Bindegliedern in Form von verglasten Brücken, Übergängen und Glasdächern verbunden. In der für Szyszkowitz+Kowalski charakteristischen Art und Form sind nun allen Bauten Glasvitrinen, Schaufenster und detailreich gestaltete Glasdächer mit aufwendigen Metallkonstruktionen angefügt, die durch Rolltreppen, Stiegenläufe, die Geländerausbildung und die bei allen Bauten der Architekten auffallende Farbgebung, die den Konnex im Inneren bilden sollen, ergänzt werden. Konsequenterweise zieht sich die avancierte Gestaltungsabsicht der beiden Architekten durch bis zur bislang letzten Ausbaustufe, der Tiefgarage, die nicht nur eine technische Sonderleistung darstellt, sondern auch für ihre freundlich-helle Gestaltung gerühmt und ausgezeichnet wird.

Man mag der Architektur und dem dekorativen Formenspiel von Szyszkowitz+Kowalski mit Distanz gegenüber stehen, bei diesem mehr als zwölf Jahre andauernden Umbauprojekt muss man den Architekten jedoch mit uneingeschränkter Anerkennung konzedieren, dass es ihnen gelungen ist, dem Warenhaus Kastner&Öhler eine deutlich ablesbare Corporate Identity zu geben, die sich wie ein neuer Layer über die heterogene Altbausubstanz legt und imstande ist, Ensemblewirkung zu erzeugen – creating a bridge between past and present. (Jurybegründung)

Verfasser/in:
Karin Tschavgova, Bericht
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Historische Aufnahme (vor 1991) des s. g. Jugendstilhauses in der Murgasse
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"Jugendstilbridge", ein transparentes, leichtes Bindeglied zwischen dem Jugendstil- und dem Sporthaus

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