URBANIZE Internationales Festival für urbane Erkundungen

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens von dérive, der Zeitschrift für Stadtforschung, findet in Wien von 01.10. bis 10.10. ein internationales Festival für urbane Erkundun

27/09/2010

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens von dérive, der Zeitschrift für Stadtforschung, findet in Wien von 01.10. bis 10.10. ein internationales Festival für urbane Erkundungen statt, für das die Magazin-Inhalte der vergangenen Jahre in ein vielfältiges Programm gegossen wurden.

Das 10-tägige Festival vereint die unterschiedlichsten Perspektiven von KünstlerInnen auf die Stadt aus den Bereichen bildende Kunst, Musik, Film und Literatur, von ForscherInnen aus Architektur und Städtebau, Soziologie, Philosophie, Politik, Europäischer Ethnologie, Geografie und Wirtschaftswissenschaften – von Menschen also, die sich in ihrer Arbeit in vielfältiger Weise mit der Stadt als Kunst-, Forschungs- und Lebensraum auseinandersetzen.

Das Programm, das sich aus Diskussionen, Stadtspaziergängen, Filmvorführungen Literatur-, Musik- und- Filmveranstaltungen zusammensetzt, bietet die Gelegenheit, sich mit Urbanismus-Theorie und -Praxis vertraut zu machen. So besteht zum Beispiel am Tag nach der Festivaleröffnung im Pechtlsaal der TU Wien (01.10., 19.00 Uhr) die Möglichkeit, die Kulturtheoretikerin und Publizistin Elke Krasny bei ihrem Gang vom Jüdischen Friedhof im Währinger Park zum Flakturm im Augarten zu begleiten und dabei die Wege von Saloniéren, Ökokominnen, Malerinnen und Komponistinnen, die sich in der Geschichte gekreuzt haben, nachzuvollziehen. Ausgewählte Textpassagen von Doreen Massey, Gillian Rose, Doina Petrescu und Beatriz Colomina, die während des Gehens gelesen werden, sollen ein neues Bild der Stadt entlang des Weges bilden. („Die Schritte und die Worte – Gehen als urbanistische Wissensproduktion aus feministischer Perspektive“, 02.10., 14.00 Uhr, Start beim Jüdischen Friedhof).

Der Abend des 4. Oktober ist dem französischen Soziologen, Intellektuellen und Philosophen Henri Lefébvre (1901-91) gewidmet („Die Stadt ins Werk setzen“, im 3raum Anatomietheater, Beginn 19.00 Uhr). Thema werden Lefébvres vielfältige Anknüpfungspunkte an Stadt, Architektur, Urbanismus und Politik sein. Dazu gibt es Vorträge von Klaus Ronneberger (freier Publizist) und Elke Krasny und das Videoscreening „New Novi Beograd 1948-1986-2006“ (2006/07; 20 min.) der in Wien und Vancouver ansässigen Künstler Sabine Bitter und Helmut Weber. Auf der Website der Medienwerkstatt Wien liest man folgendes darüber: „Angesichts der aktuellen neoliberalen gesellschaftlichen Veränderungen des staatlich geplanten Stadtteils Neu-Belgrad lesen junge ArchitektInnen und Kulturschaffende einen Text von Henri Lefebvre, den er 1986 mit zwei Architekten als Teil eines Wettbewerbbeitrags für Neu Belgrad verfasst hat. Als heutige BewohnerInnen von Belgrad lesen sie in Architekturen des ehemaligen sozialistischen blockfreien Jugoslawiens Auschnitte des Texts von Lefebvre, um mit den Potentialen von "Das Recht auf Stadt" und "Selbstmanagement" über neue Konzepte von "Stadtbewohner" und Möglichkeiten einer "Selbstorganisation von unten" nachzudenken. Das Video ist Teil des Research-Projekts "Differentiated Neighborhoods of New Belgrade".

Im Topkino ist am 06.10. um 19.00 Uhr Österreichpremiere des Dokumentarfilms „Auf der sicheren Seite“ (D, 2009) von Corinna Wichmann und Lukas Schmid. Der Film zeigt mittels detaillierter Porträts von BewohnerInnen und Bediensteten Innenansichten von drei Gated Communities auf drei Kontinenten: „Dainfern“ in Johannisburg/Südafrika, „Palm Meadows“ in Bangalore/Indien und „Spanish Trail“ in Las Vegas/USA und thematisiert so die Privatisierung des städtischen Raums, die offensichtlich zum Ausweg aus den ungelösten Problemen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten in den heutigen Megacities wird, in denen die Auflösung der städtischen und sozialen Gesellschaft weltweit voranschreitet. Im Anschluss an die Vorführung ist ein Filmgespräch mit der Autorin, Filmemacherin, Fotografin, Kamerafrau und Dozentin Corinna Wichmann und dem Architekturtheoretiker, Künstler und Kurator Michael Zinganel vorgesehen.

Die Spaziergangsforschung versucht eine Stadtwahrnehmung zu etablieren, die alle Räume der Stadt umfasst. Was ist zu finden, folgt man nicht nur den Augen sondern auch seinen Ohren? Was unterscheidet Lärm von Klang? Wo finden sich unbekannte „Würdigkeiten“, zu denen dann insbesondere Denk- oder Merkwürdigkeiten gehören? Solchen und ähnlichen Fragen gehen der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar aus Leipzig und Studierende der Klasse Landschaftsdesign an der Angewandten mit einem interessierten Publikum in Wien-Simmering nach. („Stadt laut lesen“, 07.10, Treffpunkt 17.00 Uhr, Busstation 76A – Haidequerstraße).

Näheres zu den insgesamt 10 Veranstaltungen und sonstige Infos unter www.derive.at.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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