Wer ist politisch zuständig für das Grazer Stadtmuseum und warum ist es nicht auf dem Web-Portal der Landeshauptstadt zu finden?
Noch während der Ära von Stadtrat Werner Miedl war die Stadtmuseum Graz GmbH seinem Kulturressort zugeteilt. Nach Miedls Abgang aus der Stadtregierung gingen die Agenden des Stadtmuseums von der Kultur in den Zuständigkeitsbereich von Stadträtin Eva Maria Fluch, die mit den Magistratsabteilungen Stadtbaudirektion, Kulturamt (betreffend die Stadtbibliotheken), Bau- und Anlagenbehörde und Stadtschulamt betraut war. Immerhin wurde das Stadtmuseum in dieser Zeit noch auf dem „Stadtportal der Landeshauptstadt Graz“, www.graz.at, in Eva Maria Fluchs Rubrik „Zugeordnete Magistratsabteilungen“ geführt. Die leidigen Umstände sind bekannt, auch Eva Maria Fluch schied im März dieses Jahres aus dem Amt.
Seither ist allerdings auch das Grazer Stadtmuseum vom „Stadtportal“ verschwunden. Ohnehin schon nicht mehr im Kulturressort, wird das Stadtmuseum auch bei allen anderen StadträtInnen nicht mehr erwähnt. Per Suchfunktion findet man allerdings zwei Gemeinderatsbeschlüsse. Am 14. Dezember 2006 wurde demnach der Abschluss eines Pachtvertrages für den Betrieb des Stadtmuseums und des Garnisonsmuseums auf dem Schlossberg ab 01. 01. 2007 „auf unbestimmte Zeit“ verabschiedet. Eine Änderung dieses Pachtvertrages wurde in einem Antrag am 15. Jänner 2009 eingebracht und „im Gemeinderat einstimmig angenommen“. Rückwirkend gilt dieser neue Vertrag „ab 01. 01. 2009 auf die Dauer von zwölf Jahren“.
Als ich Stadtmuseumsdirektor Otto Hochreiter anrufe, der gerade im Zug nach Wien sitzt, und ihn auf sein „unsichtbares Museum“ anspreche, zeigt er sich höchst verwundert.
„Mit wem in der Stadtregierung sprechen Sie über das Stadtmuseum, Herr Hochreiter?“
„Mit Finanzstadtrat Rüsch, der ist auch zuständig für das Kindermuseum.“
Um jetzt korrekt zu bleiben: Stadtrat Univ. Doz. DI Dr. Gerhard Rüsch sind folgende Magistratsabteilungen zugeordnet: Finanz- und Vermögensdirektion, Personalamt, Abteilung für Rechnungswesen, Liegenschaftsverkehr, Liegenschaftsverwaltung, Liegenschaftswerkstätten und Grazer Parkraumservice. – Auf dem Stadtportal ist ihm kein Stadtmuseum „zugeordnet“, auch kein Kindermuseum.
Otto Hochreiter erzählt mir am Telefon, was ich im genannten Bericht des Gemeinderats schon gelesen habe: Pachtvertrag gültig für die nächsten zwölf Jahre, während dieser Zeit werden die hoch notwendigen Sanierungen am Gebäude vorgenommen, der Investitionsbedarf wird mit € 800.000 budgetiert. Die jährliche Pacht von € 5.000 wird um € 80.000 erhöht, deshalb auch die Subventionen der Stadt in selber Höhe. Jährlich werden also für Sanierung € 80.000 auf einem Amtsparbuch angespart. – Dann sollte das Haus saniert sein und der Pachtvertrag läuft aus … Hochreiter sagt mir auch, dass demnächst Verhandlungen zur Installierung einer permanenten Schausammlung mit StR. Rüsch aufgenommen werden.
Mehrmals rufe ich im Büro von StR. Rüsch an. Der Herr Stadtrat sei auf Urlaub, sein Büroleiter Wolfgang Skerget könnte mir vielleicht Auskunft geben. Der ist aber in einer Besprechung und werde zurückrufen. Später versuche ich neuerlich, Herrn Skerget zu erreichen, der sei jetzt aber unterwegs. Ich werde mit Magister Anton Reiß verbunden.
Ob das Stadtmuseum wirklich zum Ressort von StR. Rüsch gehört, frage ich. Das stimmt, bestätigt Herr Reiß. Warum es dann nicht im Zuständigkeitsbereich des Stadtrates auf dem „Portal“ angeführt sei. Und auch Herr Reiß zeigt sich verwundert: „Aha, das müssen wir ändern.“ Ob er mir etwas über Gespräche zur Finanzierung einer permanenten Schausammlung im Stadtmuseum sagen könne, bleibe ich zugegeben lästig. Nein, sagt Herr Reiß, da müsste ich Wolfgang Skerget fragen, der sei aber zurzeit unterwegs und werde mich sicher anrufen …
Es wird spät am Nachmittag und ich habe die Hoffnung auf Skergets Anruf beinahe aufgegeben, als das Telefon läutet und Wolfgang Skerget bemüht ist meinen Zweifeln entgegenzuhalten. Verwundert aber ist er auch, dass das Museum im Portal nicht angeführt ist. Über Telefon verbunden blättern wir beide auf der Website und Skerget bedankt sich schließlich für den „guten Hinweis“. Das würde geändert werden. Die Ressortzuteilung des Stadtmuseum erklärt er damit, dass schon Werner Miedl nicht allein zuständig für das Stadtmuseum gewesen sei, sondern auch der damalige Finanzstadtrat Wolfgang Riedler. Jedenfalls gäbe es „ein eindeutiges Bekenntnis zum Stadtmuseum, akkordiert mit allen Fraktionen“. So deutlich wie in den letzten Monaten, sagt Skerget, sei dieses Bekenntnis seiner Ansicht nach noch nie gewesen, zumal es noch vor etwa wenigen Jahren Überlegungen gegeben hätte, das Haus an das Landesmuseum Joanneum „zu verkaufen“, es de facto aufzulösen. Wir brauchen aber, so die allgemeine Überzeugung, diese Identität stiftende Einrichtung, dafür spricht unter anderem das deutliche Interesse des Publikums am gerade stattgefundenen Schlossbergfest.
Alles wird also gut: Die Schausammlung muss konzipiert und eingerichtet werden, wenn auch in Etappen, deren Konzept erst entwickelt werden muss. Neben dem „Kompetenzzentrum für Stadtgeschichte“ hätte die Schausammlung auch einen touristisch-ökonomischen Wert, der wahrgenommen werden muss. Das Garnisonsmuseum als Teil des Stadtmuseums soll sogar ausgebaut werden, dafür bestünde eine „politische Wohlmeinung“. Ein Zeitplan besteht aber nicht. Mit dem Standorttausch Neue Galerie – Kunstgewerbliche Sammlung des Landesmuseums, infolge Baus des Museumsquadranten (Fertigstellung 2011), soll das Stadtmuseum im Erdgeschoss mit dem Palais Herberstein (derzeit Neue Galerie) verbunden und ein gemeinsamer Museumsshop mit Cafeteria betrieben werden.
Jedenfalls steht das Haus in keiner Weise zur Disposition. Die bauliche Substanz werde in den nächsten Jahren saniert und der zeitlich begrenzte Pachtvertrag, vermutet Skerget, kann nur in pragmatischer Verbindung mit dem Sanierungsbudget stehen, in dem auch Klimatisierungsmaßnahmen berücksichtigt sind – „damit dem Stadtmuseum ein Albertinaschicksal erspart bleibt“, werfe ich noch ein.
Und so hat sich offenbar alles in Wohlgefallen aufgelöst. Graz hat also weiterhin sein Stadtmuseum – und braucht einen Gestaltungsbeirat. Das aber soll eine andere Geschichte werden, nachdem hinter den Geschichten die Geschichte steht.
Laufende Ausstellungen im Stadtmuseum: „Being Nikolaus Harnoncourt“ bis 28. Februar 2010, „Marianne Lang. A room of one’s one. Innenansichten 04“ bis 9. September und „Islands + Ghettos. Grenzen, Territorien, Städte“ bis 4. Oktober.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Kommentar
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