Bei der BürgerInnenversammlung im Jänner (GAT berichtete) versprachen Bügermeister-Stellverterin Lisa Rücker und die damalige Planungsstadträtin Eva Maria Fluch den BewohnerInnen von Graz-Jakomini eine weitere Informationsveranstaltung zu den damals zu kurz gekommenen Themen Verkehr, öffentliche Grünflächen, Rad-und Gehwege im Stadtteil. Diese fand am 6. Mai im Messecongress Graz statt. Mindestens 100 BewohnerInnen waren gekommen, um von den politisch Verantwortlichen und planenden Ämtern lang geforderte Antworten auf brennende Fragen zu bekommen.
Am Podium waren:
Lisa Rücker, Bürgermeister-Stellvertreterin
DI Dr. Gerald Röschel, ZIS+P Verkehrsplanung Sammer und Partner
Martin Bauer, Verkehrsplanung Stadt Graz
Moderation: Eveline Gröbelbauer, Bezirksvorsteherin Graz-Jakomini
DI Dr. Röschel vom Büro Sammer, welches im Auftrag der Stadt Graz das Verkehrskonzept zum Messequadranten überarbeitet, präsentierte den aktuellen Stand der Planung. Laut bekannten Planungs- und Bauvorhaben sollten 1400 neue BewohnerInnen und rund 5000 zusätzliche Beschäftigte im Stadtteil hinzukommen. Um das damit verbundene, erhöhte Verkehrsaufkommen auf bereits jetzt schon überlasteten Straßen und Kreuzungen bewältigen zu können, wurde ein Bündel aus vier Maßnahmen präsentiert: Mobilitätsmanagement und Verhaltensänderung, attraktive Rad-und Fußwegeangebote, Maßnahmen zum ÖV und der Ausbau von Straßen in reduzierter Form (beispielsweise Ausbau der östlichen Fröhlichgasse und als langfristiges Ziel der Ausbau der Messe internen Straße bis Fröhlichgasse). Röschel betonte das attraktive Rad- und Fußwegeangebot, welches das Messeareal in alle Richtungen mehrfach durchquert. Interessanterweise enthält der Planungsvorschlag einen Fußweg durch den Verbindungsbau Stadthalle und Halle A.
Das präsentierte Maßnahmenpaket wurde vom Publikum skeptisch und als nicht ausreichend bewertet, vor allem die erstgereihte Maßnahme „Mobilitätsmanagement“. Laut Rücker gäbe es Gespräche mit der ENW (Ennstal - Neue Heimat – Wohnbauhilfe) bei dem kurz vor dem Baubeginn stehenden Wohnbauprojekt (Planung: Arch. DI Markus Pernthaler) weniger Parkplätze zu errichten und auch die Styria AG probe Mobilitätsmanagement und wolle deutlich weniger Parkplätze errichten. Bei den vorgestellten Straßenbaumaßnahmen lehnten die BewohnerInnen vor allem die Anbindung der ENW-Wohnbebauung über die östliche Servitutsstraße wegen drohender Lärmbelästigung für die bestehende Bebauung ab. Zum Planungsvorschlag einer durchgängigen Messestraße gibt es keine einheitliche Haltung der BewohnerInnen. Besonders kritisierten sie, dass der von ihnen immer wieder eingeforderte öffentliche Grünraum noch immer fehle und richteten ihre Kritik dabei vor allem an Grünpolitikerin Rücker. Messevorstand Dr. Zinkanell, der im Publikum war, lehnte in seinem Statement zur Durchwegung nicht nur den vom Büro Sammer vorgeschlagenen Fußweg durch den Verbindungsbau Stadthalle /Halle A ab, was nachvollziehbar ist, sondern die gesamte, vom Planungsbüro Sammer vorgeschlagene Durchwegung des Messeareals. Er pochte auf das Recht der Messe, ihr Areal „sicher gegen Diebe und Vandalen“ abschließen zu können und sprach sich auch gegen die durchgehende Messestraße aus. Das stieß beim Publikum auf großes Unverständnis und Unmut. Auch Rücker war diese ablehnende Haltung der Messe bisher unbekannt.
Aufgrund der heftigen Reaktionen aus dem Publikum erklärte sich Dr. Zinkanell bereit, in den nächsten Tagen die „offensichtlichen Interessenskonflikte“ in einem gemeinsamen Gespräch zu lösen. Es bleibt die Frage, warum die Stadt und ihre beauftragten Planer den interessierten und um die Lebensqualität ihres Stadtteiles besorgten BewohnerInnen nicht abgesicherte und möglicherweise auch nie realisierbare Lösungsvorschläge präsentieren.
- Verfasser/in:
- Elisabeth Lechner, Bericht
