Und nochmal: Schwer vermittelbar?

Kommentar zur Glosse "Schwer vermittelbar" (Günter Eichberger; 07.04.10, gat.st).

24/04/2010

Kommentar zur Glosse "Schwer vermittelbar" (Günter Eichberger; 07.04.10, gat.st).

Da ich bzw. meine Arbeit in diese interessante Diskussion geraten sind, erlaube ich mir ein paar Anmerkungen aus der Ferne: Erstens ist es immer wieder erfreulich zu sehen, dass in Österreich, und speziell in Graz, und noch spezieller auf den Seiten von gat.st so engagiert über Architekturvermittlung gestritten wird. Zweitens werde ich mich, das geht an Herrn Sallinger, jetzt auch nur auf das „Nebengleis“ Architekturvermittlung beziehen und nicht auf Herrn Eichbergers Kernanliegen, bitte verzeihen Sie das. Allerdings muss ich auch sagen, dass Titel, Anfang und Ende der Glosse von Herrn Eichberger direkt und ausdrücklich auf das Thema Vermittlung Bezug nehmen und dazu recht starke Thesen entwickeln; es scheint ihm also schon auch ein zentrales Anliegen zu sein. Kurz an Herrn Bertold: Zugegeben, mein Buch „Experten-Laien-Kommunikation in der Architektur“ kommt passagenweise ziemlich fachsprachlich daher. Muss es aber auch, weil es eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist, die sich vor allem an Fachleute wendet. Solange die Fachsprache präzise eingesetzt ist und als Instrument genutzt wird, den betrachteten Sachverhalt tiefer zu durchdringen, ist da meines Erachtens gar nichts gegen zu sagen. Daraus abzuleiten, dass man mich (und unseren Studiengang in Cottbus) nicht ernst nehmen kann, finde ich zumindest etwas voreilig. Ich hoffe doch sehr, dass unsere Absolventen unterscheiden können zwischen der „Geheimsprache“, die dazu benutzt wird, um sich theoretisch mit dem Phänomen „Architekturvermittlung“ auseinanderzusetzen, und der eigentlichen Vermittlungstätigkeit, die natürlich ganz andere sprachliche Mittel benötigt. Viel schwerwiegender ist die Frage, ob das überhaupt geht, das Vermitteln. Und da vertritt ja nun der Herr Eichberger die sehr pessimistische Ansicht, dass das zumindest in der Schule nicht funktionieren kann, weil auch die Liebe zur Literatur nicht durch den Deutschunterricht gefördert werden könne. Und der Herr Bertold scheint der gleichen Ansicht zu sein, wenn er unterstellt, wir alle wüssten (aus eigener leidvoller Erfahrung), dass nun mal kaum ein Lehrer in der Lage sei, sein Wissen schülergerecht zu vermitteln. Aber da muss ich widersprechen: Natürlich kann Deutschunterricht schrecklich sein und einem die Freude an Literatur vermiesen, aber er tut das keineswegs immer! Und was wäre denn die Alternative? Gar kein Deutschunterricht? Würden dann mehr Jugendliche lesen? Glaube ich nicht. Es ist zu einfach, die ganze Schule, alle Lehrer, und dann auch noch gleich die Architekturvermittlung, pauschal in die Tonne zu kloppen (und das Wort "implantieren" empfinde ich ehrlich gesagt ein bisschen wie eine persönliche Beleidigung: Darum geht es ja nun wirklich nicht!). Hier möchte ich mit Barbara Feller auf die vielen positiven Beispiele verweisen und sagen: Es gelingt nicht immer (Kinder zu interessieren und zu begeistern, ihnen Einsichten zu vermitteln etc.), aber es kann gelingen, und das allein ist Grund genug, es immer wieder zu versuchen! Denn zumindest ich mag mir keine Welt ohne Schulen vorstellen, also kann es nur darum gehen, die bestehenden besser zu machen. Pauschale Lehrerschelte hat da noch nie weitergeholfen. Jetzt aber noch mal zu Herrn Eichbergers Glosse: Wenn ich die als einen Beitrag zu einer produktiven Auseinandersetzung über Baukultur betrachte, dann muss ich mich doch der Frau Christian anschließen, die darum bittet, die dort vorgebrachten Werturteile etwas deutlicher zu erklären bzw. zu begründen. Natürlich kann man sagen, es handelt sich halt um eine Glosse, und die begründet nun einmal nicht, sondern spitzt zu, darf mit Andeutungen arbeiten, polemisch und unausgewogen sein. Darf sie auch. Das hat dann aber den Nachteil, dass sie niemanden von etwas überzeugen wird, der sich nicht a) mit dem Sachverhalt sowieso schon gut auskennt und b) auch schon in etwa derselben Meinung wie der Autor ist. Und genau das sieht man ja auch an den Kommentaren. Die beabsichtigte öffentliche Auseinandersetzung wird dann leicht zum Insiderdiskurs. Deswegen würde ich das Format „Glosse“ zu Zwecken der Architekturvermittlung zum Beispiel meinen Studierenden eher nicht empfehlen. Der Beitrag ist jetzt etwas länger geworden. Verzeihung dafür, aber ich finde es halt auch ein wichtiges Thema. Und wenn einem dann noch persönlich so auf die empfindlichen Füße getreten wird... Herzliche Grüße nach Graz!

RIKLEF RAMBOW ist Gastprofessor für Architekturvermittlung, Lehrstuhl "Theorie der Architektur" an der Brandenburgische Technische Universität Cottbus (D) und Geschäftsführer von PSY:PLAN - Institut für Architektur- und Umweltpsychologie in Berlin.

Kontakt: rambow@psyplan.de

Verfasser/in:
Riklef Rambow, Kommentar
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